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Alpen: Gedenkgottesdienst für den "Großen Geusen" der Niederlande

Gedenkgottesdienst für Hendrik von Brederode : Erinnerung an den „Großen Geusen“

Gedenkgottesdienst: Hendrik von Brederode führte den gegen Spaniens Krone aufbegehrenden niederländischen Adel an. Er war erster Gemahl von Kurfürstin Amalia und liegt in der Krypta der evangelischen Kirche in Alpen begraben.

Brüssel war schon immer ein Ort des Protestes. Am 5. April 1566 marschierten rund 400 Adelige aus den Niederlanden in die Metropole und forderten eine Audienz bei Margareta von Parma, die hier als Statthalterin des spanischen Königs Philipp II. in den Habsburgischen Niederlanden ihren Sitz hatte. An der Spitze der blaublütigen, vornehmlich protestantischen Bewegung stand ein Katholik: Hendrik von Brederode.

Der Name wird heutigen Zeitgenossen in Alpen kaum noch etwas sagen, obwohl er hier begraben liegt. Dafür hat eine Frau gesorgt, die im Ort noch immer einen klangvollen Namen hat. Amalia, Kurfürstin von der Pfalz, hat es so verfügt. Ihrem ersten Mann gebühre der ewige Platz an ihrer Seite. Und so geschah’s, dass beide Eheleute in der Krypta der evangelischen Kirche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Am Sonntag, 7. April, findet hier ein Gedenkgottesdienst statt. Daran schließt sich ein Festakt der niederländischen Stiftung Haus und Familie van Brederode an.

Die protestierenden Adeligen, so beschreibt es der deutsche Dichter Friedrich Schiller, der auch Geschichtsschreiber war, in seinem Büchlein „Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande“ durchaus süffisant, wahrten zwar die vornehme Form, forderten aber unmissverständlich ihnen ihrer Ansicht nach zustehende Freiheitsrechte, die Teilhabe an den Regierungsgeschäften sowie das Ende der Verfolgung durch die päpstliche Inquisition.

Historisches Wandbild: Das Bitten ist eine christliche Tradition. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Auch wenn der Adel nicht gerade geübt darin war, bitte zu sagen, trug er seine Petition klug, zivilisiert und in gebotener Demut der Statthalterin des Königs vor. Margareta von Parma sah offenbar gute Chancen, dass Philipp II. das Begehren billigen werde. Allerdings hielt ihr Berater Graf von Barlaimont die Luft an. Er sah im Eingehen auf die Bittschrift einen Funken mit Potenzial für einen Flächenbrand, an dessen Ende ein Bürgerkrieg drohe. Sie werde sich doch von den „Bettlern“ nichts sagen lassen, warf der Graf ein.

Die Bittsteller erinnerten sich später in der Schankwirtschaft des Schimpfwortes „Geusen“, so lautete die niederländische Vokabel für Bettler, und wendeten die Titulierung selbstbewusst zur Ehrenbezeichnung. Die wurde fortan zum Synonym für Protestanten. Hendrik von Brederode jedenfalls gilt seither in den Niederlanden als der „Große Geuse“, obwohl er zeitlebens Katholik geblieben ist.

Ein stolzer Mann: Hendrik von Brederode hatte Charisma. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Die Evangelische Kirchengemeinde, so viel verrät Pfarrer Hartmut Becks mit stolzer Vorfreude, erhält als Gastgeschenk am Sonntag einen „Geusenpfennig“ (Gold und Silber). Der zeigt auf einer Seite das Konterfei des spanischen Königs und auf der Kehrseite den Bettelsack. Die Münze soll einen Ehrenplatz in der Kirche erhalten, so Becks.

Kurfürstin Amalia von Neuenahr, katholisch geboren, aber protestantisch aufgewachsen, gab Hendrik von Brederode 1557 – da war sie 18 Jahre alt – das Ja-Wort. Schon ihr Großvater hatte eine Frau aus der Familie Brederode geehelicht. Die beiden sollen ein recht hübsches Paar gewesen sein und eine sehr glückliche, im heutigen Sinne ökumenische Ehe geführt haben. Hendrik, ein gebildeter Mann, obwohl im Grunde religiös eher gleichgültig, doch letztlich tolerant, besorgte Amilia protestantische Literatur und diskutierte mit ihr darüber. Ihr zu Ehren ließ er in einem Wäldchen in Vianen bei Utrecht ein kleines Lustschloss bauen. Das Gemäuer steht nicht mehr, die Bezeichnung Amalienstein aber hat überlebt.

Doch das Glück der beiden währte nicht lange. Hendrik starb früh. Es soll ein sanfter, ja fast schöner Tod gewesen sein, wird überliefert. Amalia heiratete schließlich 1569 den calvinistischen Kurfürsten Friederich III. von der Pfalz, der den Beinamen der Fromme führte. Auch diese Ehe dauert nur sieben Jahre lang. Dann starb auch Friederich. Er wurde in Heidelberg beigesetzt. Amalia regierte bis 1587 die niederländischen Territorien Vianen und Ameide. Sie kehrte 1600 nach Alpen zurück und verbrachte hier ihre letzten Lebensjahre. Sie starb am 20. April 1602.

Sie hatte noch den Grundstein zum Bau der evangelischen Kirche gelegt mit der Verfügung, dass Hendrik in der Krypta neben ihr begraben werde. Zwei Jahre später, als die Kirche fertig war, wurde Hendrik aus der Gruft im münsterländischen Gemen umgebettet, wie auf der kleinen Gedenktafel neben dem prachtvollen Epitaph vermerkt ist. So ward der Wunsch von Hendriks Gemahlin erfüllt.