Alpen: Es gibt keine Papierplakate mehr - nur noch bei den Grünen

Europawahlk(r)ampf : Wahl: Auslaufmodell Plakatständer

Die Grünen waren lange allein auf den Plakatwänden in Alpen. Nun bringt die SPD etwas mehr Farbe ins Spiel. Die andern tun sich schwer ohne Papier.

Wer offenen Auges durch die Städte fährt oder geht, dem bleibt es nicht verborgen: Es ist Wahlkampfzeit. Und wer genauer hinschaut, wird schnell erkennen, dass es bei der Wahl diesmal um Europa geht. Und wer in Alpen ganz genau aufpasst, wird feststellen, dass die Grünen vor Ort offenbar ein Alleinstellungsmerkmal haben. Denn sie haben die rund zehn Stellwände, die der Bauhof im Vorfeld der Wahl an markanten Stellen im Gemeindegebiet aufstellt, damit sich die Parteien hier auf begrenztem Feld ihre unvermeidliche Plakat-Schlacht liefern, ganz für sich allein. Jedenfalls bis zum Ende voriger Woche. Nun haben die Genossen nachgelegt – und damit die unansehnliche Klebewand ein wenig bunter gestaltet.

Die Flucht vor den Stellwänden aus Metall ist dem Zeitgeist geschuldet. Der kann aber schwerlich als politisch korrekt klassifiziert werden. Denn aus den fernen Parteizentralen werden die Wahlkämpfer in der Fläche nicht mehr mit Botschaften ans Wahlvolk auf Papier, sondern auf wetterfestem Kunststoff beliefert. Der Kenner spricht von „Hohlkammern“, die sich um runde Pfosten schmiegen und mit Kabelbindern – auch aus Plastik – befestigt werden. Fürwahr: eine saubere Sache, wenn man bedenkt, wie trist Konterfeis und Sinnsprüche auf Pappe oft nach ein paar Regenschauern das Auge beleidigen.

Wie der Rückgriff auf Plastik aber in eine Zeit passt, in der Wattestäbchen und Strohhalme zur Rettung der Weltmeere auf dem Index stehen, dürfte auch dem gewieftesten Wahlkämpfer zu vermitteln schwer fallen. So ist Alpens CDU-Parteichef Sascha van Beek auch „nicht sonderlich glücklich“ über das Material, das man ihm und seinen Freunden aus Berlin hat zukommen lassen. Die Hohlkammern kleben eben nicht auf den flachen Stahlwänden. So hat die CDU 50 Plakate an 25 Pfähle – eins vorne, eins hinten – gebunden. Aber als die hingen, wurden umgehend welche aus Papier nachgeordert. Ob die noch vorm Wahltag eintreffen, weiß keiner.

So sieht eine Hohlkammer aus: Das CDU-Plakat ist zwar aus Kunststoff aber nicht absolut haltbar. Foto: bp

Thomas Hommen von den Liberalen nennt die kommunalen Stellwände ohnehin „Blödsinn, weil keine Parteizentrale noch Plakate aus Papier liefert, und wenn, dann sind die ziemlich teuer“. Der radelnde Parteichef beteuert aber, dass auch Plastikplakate „leicht abbaubar“ sind und „am Ende nicht im Meer landen“.

Unterdessen haben die Grünen angekündigt, für die eisernen Plakatständer als „Klebefläche für alle“ in den Ring zu steigen und – abgesehen von ausgewählten Standorten für Großformate – den Wettlauf über die Optik ganz darauf zu beschränken. „Das wäre der richtige Schritt, den Plakat-Wald vor Wahlen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren“, so Grünen-Sprecher Peter Nienhaus. „Und es hätte den Nebeneffekt, dass alle zum Papier zurückkehren würden.“

Das will er vor den nächsten Wahlen angehen und rechtzeitig einen Konsens aller Wettbewerber erreichen. „Das war diesmal zugegebenermaßen etwas kurzfristig“, so Nienhaus. Aber ob es bei der nächsten Wahl mit dem Schulterschluss und damit zur Selbstbeschränkung kommt, daran darf man seine Zweifel haben. Im Herbst 2020 geht’s schließlich um die Macht im Rathaus. Da ist die Rivalität vor Ort naturgemäß am stärksten ausgeprägt. Man kann aber sicher annehmen, dass die Mitbewerber den Grünen nicht das Feld allein überlassen werden. Die Wette gilt.

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