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Alpen: Eltern und Schüler der Grundschule setzen bei Elterntaxis auf Aufklärung

Schulwegsicherung : Denkzettel für Elterntaxis

Elterninitiative: Polizei und Grundschüler in Alpen suchen den Dialog mit Vätern und Müttern am Steuer von „Elterntaxis“. So soll das Bewusstsein für einen sicheren Schulweg wachsen.

Vor allem an Grundschulen ist es ein gewohntes Bild: Eltern, die ihre Kinder in falsch verstandener Fürsorge bis an den Schulhof bringen, rangieren gefährlich nahe an Schulbussen und Schülern vorbei. Spätestens seit im Dezember in Mönchengladbach ein achtjähriges Kind von einem „Elterntaxi“ erfasst und getötet wurde, steht diese Art des Zubringerdienstes massiv in der Kritik. Eltern der Grundschule Zum Wald wollen es gar nicht erst so weit kommen lassen und haben die Aktion „Sicherer Schulweg in Alpen“ ins Leben gerufen.

Die Schule wird gleich an zwei Seiten von Elterntaxen angefahren. Vor allem die in der Sackgasse endende Lindenstraße macht den Erziehern Sorge. „Die Autos müssen irgendwann wenden und fahren dann auf dem Rückweg eng an den ankommenden Fahrzeugen entlang. Daran vorbei quetschen sich Kinder“, erläutert Christof Ullenboom. Den Vater ärgert kolossal, dass Schüler am Adenauerplatz nicht in der Bring- und Holzone abgesetzt, um von Schülerlotsen auf den letzten hundert Meter sicher zur Schule geleitet zu werden.

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  • „Elterntaxis“ können gefährliche Situationen herbeiführen.⇥Archivfoto: Matz
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Mit den Halbjahreszeugnissen haben die engagierten Eltern Infozettel herausgegeben, auf denen eindringlich darum gebeten wird, diese Möglichkeit zu nutzen. Am Dienstagmorgen haben sie sich an die Straßen gestellt, um das Gespräch mit Eltern zu suchen, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Unterstützung erhielten sie von der Polizei, dem Ordnungsamt und Bürgermeister Thomas Ahls. Dem Chef im Rathaus bleibt nichts anderes übrig, als an die Vernunft der Eltern zu appellieren: „Schilder aufzustellen, ergibt wenig Sinn. Verbote müssten kontrolliert werden, und dafür fehlt uns das Personal.“ Auch Andreas Mötter, Bezirksdienstbeamter der Polizei, hält wenig von Reglementierungen: „Verbote helfen uns nicht weiter. Wir müssen bei Eltern ein Bewusstsein für die Gefahren schaffen.“

Um das zu erreichen, hält er die Elterntaxen an und überlässt dann Jule (10) und Lilly (8) das Wort. „Du gefährdest unseren sicheren Schulweg, wenn du hier lang fährst“, erklären die Kinder den verdutzten Müttern und Vätern am Steuer. Eine selbst gemalte Plakette mit der Mahnung, künftig in sicherem Abstand zu parken, soll die Ansprache nachhaltig unterstützen. Die Eltern zeigen sich einsichtig, zu einem Statement ist jedoch niemand bereit.

Dass die Aktion weit mehr ist als reiner Aktionismus, macht Lilly deutlich: „Die Autos fahren dicht an mir vorbei. Ich habe Angst, morgens zur Schule zu kommen.“ Wie es anders geht, erzählt Sascha Ramachers, der an der viel befahrenen Ulrichstraße wohnt: „Wir haben unseren Kindern im ersten Jahr den Schulweg gezeigt. Jetzt begleiten wir sie bis zum Marienstift. Von dort gehen sie dann gemeinsam mit anderen Kindern zur Schule.“

Für Rektorin Ulla Ledermann sollte dieses Beispiel Schule machen: „Den Schulweg gemeinsam zu gehen, ist ein ganz wichtiger sozialer Aspekt. Es entsteht Kommunikation, die Kinder werden selbstständiger und auch mutiger.“ Die Pädagogin freut sich aus einem besonderen Grund über die Aktion: „Es ist schön, dass die Eltern das angestoßen haben. Denn die Bewertung ist eine Frage des Blickwinkels.“