Alpen: Eine Tafel erinnert jetzt an die alte Landschule in Veen

Dorfgeschichte: Erinnerung an eine „Musterschule“

Heimatfreunde Veen stellen Infotafel an der Fahnenfabrik auf. Bis 1966 wurden in der Landschule Kinder unterrichtet.

Wo seit mehr als fünf Jahrzehnten bis zum heutigen Tage wehende Fahnen produziert werden, da haben einst Kinder im Dorf Veen das ABC und das kleine Einmaleins gelernt. Daran erinnert nun eine Tafel an der Fahnenfabrik Lutter, die den Passanten in wenigen Sätzen die Geschichte dieses alten Gemäuers erzählt und so vor dem Vergessen bewahrt. Von 1900 bis 1966 war hier die Landschule am Thorenhof zu Hause.

Diese im ländlichen Außenbereich gelegene Bildungsanstalt war zur Jahrhundertwende eröffnet worden, so dass die Kinder von den Höfen nicht mehr die rund fünf Kilometer bis zur Dorfschule in Veen laufen oder, in seltenen Fällen, mit dem Fahrrad fahren mussten. Der damalige Landrat verlieh ihr Vorschusslorbeeren und bezeichnete die neue Bildungsanstalt als „Musterschule“. Eine Marke.

Der erste Lehrer an der katholischen Schule war Eduard Steffens, der in einem Klassenraum rund 80 Kinder aller Jahrgangsstufen unterrichtete. Der Lehrer wohnte selbstverständlich im Schulhaus. Seine Wohnung war anfangs im Obergeschoss, später im rechten Teil des Erdgeschosses untergebracht. Johannes „Chang“ Schmitz hat die Schule nach 66 Jahren ihrer Existenz für immer abgeschlossen. Damals saßen noch rund 30 Kinder in den Schulbänken. Schmitz war 1957 an die Landschule gekommen. Einer der prominentesten Pädagogen war der spätere Professor Dr. Paul Oswald, der an den Lehrstuhl für Pädagogik an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster berufen wurde und an der Akademie für Lehramtsnachwuchs in Hamm gelehrt hat.

In den Wirren des II. Weltkrieges diente die Landschule der Pfarrgemeinde St. Nikolaus als Notkirche. Nach dem Aus der Schule im Jahr 1966 hat die Familie Lutter das Haus erworben und nutzt es seit 1967 als Fahnenfabrik.

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Die Infotafel, die die Förderer des Hauses der Veener Geschichte jetzt aufgestellt haben, zeigt eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie vom damaligen Schulleben und vom Landschulfest, das am 2. Oktober 1982 in der ehemaligen Lehrstätte gefeiert worden ist. Damals war auch Heinrich Meyers zu Gast, einst Referendar im Veener Land und dann mehr als 20 Jahre erst ehrenamtlicher, später erster hauptamtlicher Bürgermeister in Hamminkeln. Meyers war als CDU-Landtagsabgeordneter zwischenzeitlich auch Vorsitzender des Schulausschusses in Düsseldorf.

Kaum hatten Wilfried Fürtjes, Heinrich Henrichs, Heinz van Meegeren und Jürgen Zänker das neue Schild aufgerichtet, radelte ein Zeitzeuge mit der Fiets vorbei und hielt an. Theo Fürtjes, Jahrgang 1935, hat von 1941 die Landschule besucht, musste in den letzten Kriegstagen dann aber noch in die Dorfschule nach Veen gehen, da die Wehrmacht die Schule am Thorenhof besetzt hatte.

„Auf meinem Abschlusszeugnis hatte ich viele Einsen“, berichtete der 84-jährige Fürtjes. Seine Lehrer hätten seine Eltern überreden wollen, ihn auf eine weiterführende Schule wechseln zu lassen. „Aber ich durfte nicht. Ich musste zu Hause bleiben und Bauer werden.“ So war das damals.

Die Infotafel an der Fahnenfabrik, die früher Schule war, ist bereits die dritte, die der Förderverein in Veen aufgestellt hat. Zuletzt hatten die Heimatfreunde eine Tafel am restaurierten Findling und an der historischen Pumpe angebracht, um die dörfliche Vergangenheit auch außerhalb des Veener Museums in lebendiger Erinnerung zu halten. Weitere Info-Tafeln sollen folgen.

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