Alpen Hilferuf für die einsturzgefährdete Motte

Alpen · Gemeinde gewährt am Tag des offenen Denkmals Einblicke ins bedrohte Kasteel. Wo einst die Burg der Herren von Alpen stand und Frauen und Kinder im Krieg Schutz gefunden haben, hat sich Geschichte ereignet.

 Stadtplaner Martin Lyhme (links) und André Enge vom Fachbereich Bauen wollen den Alpenern zeigen, dass es es sich lohnt, die Motte als Denkmal langfristig zu erhalten. Hier ist Geschichte „begreifbar“ zu erleben.

Stadtplaner Martin Lyhme (links) und André Enge vom Fachbereich Bauen wollen den Alpenern zeigen, dass es es sich lohnt, die Motte als Denkmal langfristig zu erhalten. Hier ist Geschichte „begreifbar“ zu erleben.

Foto: bp

Noch ist völlig offen, was langfristig mit dem einsturzgefährdeten Burghügel Motte passiert. Dennoch: Am Sonntag, 9. September, steht die Ruine am Tag des offenen Denkmals im Blickpunkt. Der steht bundesweit unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet”. Besucher werden mitgenommen auf Entdeckungsreise in die Geschichte

Das Betreten des Bodendenkmals am östlichen Tor des Dorfes ist nicht ungefährlich. Es wird seit Monaten mit einem Bauzaun abgeschirmt. Nachdem auf dem Hügel morsche Bäume gefällt worden waren, ist offenkundig geworden, dass in der Erde eine noch viel größere Gefahr lauert. Alpener hatten hier Ende des II. Weltkrieges einen Stollen in den historischen Hügel getrieben. Hier suchten Frauen und Kinder Schutz vor den Bomben der Alliierten. Mutige Mütter hätten die Wehrmacht vehement davon abgehalten, die Motte zu besetzen. Dann wär’ sie erst recht ein Ziel der Bomber geworden. Das hätte vielen, die hier Schutz gesucht haben, das Leben gekostet. „Dafür müsste man den Alpener Frauen ein Denkmal setzen“, findet Martin Lyhme, Stadtplaner im Rathaus.

Er möchte das Stadtburgareal, die Keimzelle Alpens, im groß angelegten Stadtumbau als Baustein eines ortsnahen Parks gestalten. Aber wo einst die Burg der Herren von Alpen gestanden hat, ist der Boden wacklig geworden. Der Stollen hat schon mehrfach nachgegeben und droht inzwischen ganz einzustürzen.

Die Grabungsfirma Minerva X aus Köln hat den Burghügel fachlich unter die Lupe genommen und festgestellt, dass der Stollen keine Stützen hat. „Es findet sich kein Stück Holz, nur nackter Lehmboden ist zu entdecken“, berichtet Lyhme. Er sei in den blanken Boden getrieben worden, oben drüber nur das Fundament der Burg, am Boden nur ein paar Lehmbrocken. „Wer hier einen Schatz vermutet“, so der Stadtplaner, „der sucht völlig vergebens.“

Lyhme sagt: „Der Schatz ist die Motte selbst.“ Für ihn ist der bereits um 1200 erwähnte Sitz der Herren von Alpen, mehrfach umgebaut, im 18. Jahrhundert noch bewohnt und Anfang des 19. Jahrhunderts von Napoleon abgetragen, „ein äußerst wichtiges, identitätsprägendes Zeugnis der jüngeren Geschichte des Ortes“.

Der Befund von Minerva X liegt nun beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Das soll sagen, wie das Gelände langfristig gesichert werden kann und somit die Geschichte des Kasteels noch lange erlebbar bleibt – Geschichte zum Anfassen wie die mittelalterlichen Ziegelsteine als Reste der Burg, die hier überall noch im Boden stecken. Die Fundamente ragen an einigen Stellen markant ans Licht. Es gebe praktisch zwei Möglichkeiten, das Denkmal zu retten: Entweder der Stollen werde mit einem Spezialbeton verfüllt oder er werde mit Holzstreben oder Stahl abgestützt und so begehbar gemacht.

Nachteil: Beides dürfte recht kostspielig sein. Fördermittel seien momentan nicht in Sicht, befürchtet Lyhme: „Eine große Hausnummer für eine kleine Gemeinde.“ Man müsse abwarten, wie der LVR die Lage einschätzt. Ob bis zu den Etat-Beratungen für 2019 schon Vorschläge ausgearbeitet seien, sei offen, heißt es im Rathaus. Die Gemeinde stellt die bedrohte Motte ganz bewusst am Tag des offenen Denkmals, ein Highlight im Europäischen Kulturerbe-Jahr, öffentlich vor. „Wir würden uns freuen, wenn zahlreiche Bürger unsere Veranstaltung am alten Kasteel besuchen“, sagt Bürgermeister Thomas Ahls.

Der Tag des offenen Denkmals, 9. September, geht von 10 bis 16 Uhr. Melanie Eigen und Dirk Herdemerten von der Fachfirma Minerva X führen stündlich zu den Eingängen des Stollens, in den man hineinschauen kann. Beide stellen die bisherigen Untersuchungsergebnisse vor. Weitere Experten halten Vorträge.

Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann dies tun mit: Martin Lyhme, Telefon 02802 912680, E-Mail an martin.lyhme@alpen.de; Dirk Herdemerten, Minerva X, Institut für historische Kulturlandschafts- und Bodendenkmalpflege, Telefon 0177 4777822 oder E-Mail an institut@minerva-x.de

https://www.alpen.de/de/sehenswuerdigkeiten/motte-kasteel-vorburg/
https://tag-des-offenen-denkmals.de
https://sharingheritage.de/projekte/die-herrschaft-alpen-im-spannungsfeld-europaeischer-maechte/

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