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Alpen: Ein Findling in Veen erzählt Geschichte

Alpen : Der Findling liegt wieder an seinem Platz

Die Männer vom Haus der Geschichte haben den Findling wieder da platziert, wo er in Veen „fast“ immer lag. Der Koloss aus der Steinzeit hat eine bewegte Vergangenheit. Darüber informiert die danebenliegende Tafel.

Den Akteuren im Haus der Veener Geschichte ist es ein besonderes Anliegen, die Schätze der Vergangenheit zu bewahren, damit die Erinnerung und das Wissen darüber lebendig bleiben. Nun haben sie ein weiteres Mal einen Beitrag geleistet. Im Ortskern lenkt ein markanter Koloss den Blick zurück in die jüngere Geschichte bis hin zu Urzeiten. Mit berechtigtem Stolz haben Anton Gietmann, Heinrich Henrichs und Heinz van Meegeren den neuen, zugleich alten Standort eines Findlings präsentiert, der 1,6 Milliarden Jahre alt ist und mal für ein paar Jährchen verschwunden war. Eine Infotafel beschreibt nun, wie der uralte Granitblock vor 200.000 Jahren, während der letzten Eiszeit also, durch Gletschereis von Skandinavien 1400 Kilometer an den Niederrhein verschoben und unterwegs im Geröll ordentlich rund geschliffen worden ist.

Der mächtige Stein ist in den 1930er Jahren auf einem Feld des Bauern van Beek nahe der Bönninghardt gefunden worden. Helfer des damaligen Reichsarbeitsdienstes holten den schweren Findling mit Seilwinden aus dem Erdreich. Ein Pferdegespann schleppte ihn nach Veen bis auf den Schulhof. Dort war er als Anschauungsobjekt für den Unterricht gedacht. Doch die Kinder nutzten den Stein in den Pausen viel lieber als Klettergerät. Bewegung ist schließlich eine gute Sache, um den Geist aufnahmefähig zu halten.

Heinz Hussmann, einer der Gründer des Heimatmuseums, erzählte aus seiner Schulzeit: „Es gab ein richtiges Machtgerangel unter den Kindern. Die großen Schüler kletterten immer auf den Stein, blieben oben sitzen und verteidigten den Platz gegen Andrang von unten.“

In der Zeit des Nationalsozialismus trug der Veener Findling den Beinamen „Adolf-Hitler-Stein“. 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, lag auch das Krähendorf in Schutt und Asche. Die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau nahmen ihren Lauf. Doch der massive Stein war verschwunden.

Man erzählte sich, kanadische Besatzungssoldaten hätten ihn als verhasstes Relikt aus der NS-Zeit in einem der vielen Bombenkrater in und um Veen verschwinden lassen. Erst 2006, als der Graben für eine neue Erdgasleitung an der Schule ausgebaggert wurde, kam der verschollene Findling wieder ans Licht. Er wurde zum Bauhof nach Alpen gebracht und dort gesäubert. Dann kehrte er zur Schule zurück, wurde im Rondell an der Eingangstreppe, im sogenannten „grünen Klassenzimmer“, abgelegt. Dort schaute er nur zum Teil aus dem Boden.

In diesem Sommer haben die Verantwortlichen im Haus der Veener Geschichte dafür gesorgt, dass der Findling wieder am verbürgten Platz steht. Der Bauhof und die Firma Tiefbau Jansen haben mit schwerem Gerät beim Versetzen des Kolosses geholfen. Den Metallständer der Infotafel hat Hans-Jakob Landscheidt spendiert. Die historischen Angaben zum Stein basieren auf dem Wissen des verstorbenen Lehrers und früheren Ortsvorstehers Karl-Heinz „Charly“ Schweden, den man in Veen niemals vergessen wird – mit oder ohne Stein.