Alpen E-Säule in den Niederlanden lässt Ladekabel nicht mehr los

E-Mobilität : Wenn die E-Säule das Kabel nicht loslässt

Alpens Bürgermeister Ahls und Pastor Heshe haben das Ferienlager in Ellemeets besucht und erlebt, dass die Mobilitätswende ihre Tücken hat.

Wer eine Reise tut, kann auch was erzählen. Wer dabei in Zeiten der Mobilitätswende im E-Auto unterwegs ist sowieso. Da haben Thomas Ahls, Bürgermeister der Gemeinde Alpen, als Lenker, und Dietmar Heshe, Leitender Pastor der Kirchengemeinde St. Ulrich, auf dem Beifahrersitz ein ganz spezielles Erlebnis mit an den Niederrhein gebracht. Das wäre so vor wenigen Jahren, als der Verbrennungsmotor noch nicht angezählt war, völlig undenkbar gewesen.

Das weltliche Oberhaupt und sein geistlicher Mitfahrer wollen dem Ferienlager des Hilfswerks St. Ulrich in Ellemeet in der niederländischen Provinz Zeeland, wo rund 40 Kinder und Jugendliche vom Niederrhein zwei abenteuerliche Wochen verbringen, wie alle Jahre wieder einen Besuch abstatten und einen gemeinsamen Gottesdienst feiern.

Um 8 Uhr in der Früh steigt das Duo in den BMW, der am Rathaus für Dienstfahrten bereitsteht. Angetrieben von einem Elektromotor. Wie der Zweitwagen im Rathaus, ein Smart. Die Verwaltung hat sich beim Klimaschutz wie beim Schulzentrum auch auf der Straße an die Spitze der Bewegung gesetzt. Vorm Start zeigt der Blick ins Cockpit: Es ist Saft für 180 Kilometer auf der Batterie. Entfernung bis zum Ziel laut Navi: 226 Kilometer.

Spätestens vor den Toren Rotterdams wird den beiden Piloten klar, dass es selbst bei einem Durchschnittstempo von um die 120 Sachen, die auf holländischen Autobahnen erlaubt sind, nicht bis an den Nordseestrand in Ellemeet reichen wird. Sonderlich nervös macht das die beiden BMW-Fahrer nicht. Sie wissen, dass die Infrastruktur für E-Autos im Nachbarland deutlich weiter ist als hierzulande. Raus an die Raststätte, ran an die E-Säule. Kein Problem. Nach 20 Minuten und einem Kaffee, gewiss nicht „to go“, ist wieder genug Saft im Tank. Sollte jetzt problemlos bis Ellemeet reichen.

Tut’s auch. Am Ziel angekommen, verkabeln die Reisenden ihren Wagen in an einer E-Tankstelle im Örtchen Scharendijke unweit des Ferienlagers, um nach dem Besuch der Ferienkinder mit ausreichend Power im Tank so sorgenfrei wie lautlos die Heimreise anzutreten. „Hat auch zunächst super geklappt“, erzählt der Bürgermeister im Nachgang mit betretener Miene. Betonung liegt auf „zunächst“.

Als der Bürgermeister und der Pastor am Abend den BMW von der Säule nehmen wollen, erleben sie eine böse Überraschung. Das Kabel ist verriegelt und verrammelt und lässt sich selbst mit zarter Gewalt nicht von der Ladesäule trennen. Obwohl die Männer ordnungsgemäß auf Euro und Cent mit Karte gezahlt haben. Da hilft kein Zerren und kein Beten. Gut, auf dem Handy ist ausreichend Guthaben, so dass die Herren aus Alpen in ihrer Not irgendwann zur Hotline des Säulenbetreibers durchdringen und die Zusicherung erhalten, dass ein Monteur raus komme, um das Ladekabel zu lösen, und es im Lager des Ferienhilfswerks abgebe. Nachdem das geregelt ist, startet der Bürgermeister seinen E-BMW, und die beiden treten guter Dinge die Heimreise an.

Das ist nun schon deutlich länger als eine Woche her. Die Lagerkinder kommen am heutigen Freitag schon wieder zurück. Nur das Ladekabel ist immer noch nicht aufgetaucht. Der Bürgermeister ist ratlos: „Es scheint irgendwo im Nirvana verschwunden.“ Inzwischen hat er, digital topfit, über die Homepage das Unternehmen in den Niederlanden angeschrieben. „Das Kabel ist ja nicht ganz billig“, sagt der kostenbewusste CO2-Sparer. Fazit: Testfahrt geglückt, nur das Kabel steht zunächst noch aus. Bis das auftaucht, nimmt man im Rathaus das Smart-Kabel auch für den BMW.