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Alpen: Die Leucht leidet: Nach Sturm und Dürre jetzt der Borkenkäfer

Alpen : Der Wald ist total gestresst

Anfang des Jahres ist Revierförster Christopher Koch (32) ins Forsthaus in Alpen eingezogen. Dann fegte Friederike über die Leucht hinweg. Es folgte der Dürresommer. Und jetzt kommt der Borkenkäfer.

Die akute Waldbrandgefahr für die Leucht ist gebannt. Doch das knapp 2000 Hektar große Revier von Förster Christopher Koch (32) ist noch immer nicht aus dem Gröbsten raus. Der professionelle Waldkümmerer, der mit dem Jahreswechsel seinen Dienst im Forsthaus in Alpen angetreten hat, muss wohl die schwerste Krise bewältigen, die die Leucht seit ewigen Zeiten erlebt hat.

Der Wald leidet. Erst fegte Orkantief Friederike über ihn hinweg, schlug mächtige Schneisen. Dann folgte der Jahrhundertsommer. Die Dürre ließ vor allem junge Bäume verdursten. Und jetzt nistet sich der Borkenkäfer in den Fichten ein. SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider machte sich am Montag auf seiner Sommertour ein Bild von dem gestressten Stück Natur zwischen Alpen und Kamp-Lintfort, das als Naherholungsgebiet vor der Tür des Ruhrgebietes von Ausflüglern geschätzt wird.

Mehr als der trockene Jahrhundertsommer hat Mitte Januar Friederike dem Wald zugesetzt. Noch immer sind Waldarbeiter dabei, mit schwerem Gerät entwurzelte Stämme zu bergen, sie zum Abtransport am Wegesrand aufzutürmen. Wenn die Fußgänger, Walker und Jogger, die hier täglich recht zahlreich unterwegs sind, die Stapel passieren, stiegt ihnen ein würzig harziger Duft in die Nase. Der Revierförster lässt Zahlen sprechen. Üblicherweise werden in der Leucht pro Jahr 6000 Festmeter Holz geschlagen. Diesmal wird’s mit rund 25.000 Festmetern mehr als vier mal so viel sein. Dennoch: Die zerstörerischer Kraft von Kyrill hat Friederike bei weitem nicht erreicht.

Spuren des trocken Sommers: Der Adlerfarn ist an vielen Stellen des Waldes inzwischen braun. Foto: Paus

 Die lange Dürre setzte dem geschundenen Wald weiter zu. Und ebnete dem Borkenkäfer den Weg, der jetzt massenhaft unter die Rinde der Fichten krabbelt, die knapp ein Zehntel des Baumbestandes in der Leucht ausmacht. Er bohrt sich in den Stamm und setzt seine gefräßigen Larven ab. „Ein vitaler Baum kann sich gegen den Borkenkäfer zur Wehr setzen, indem er harzt und seine lebenswichtigen Kanäle verschließt“, erläutert Christopher Koch, „aber wenn flach wurzelnde Bäume im Wind getanzt haben, sind sie derart vorgeschädigt, dass der Käfer freie Bahn hat.“

Die Trockenheit hat Spuren hinterlassen. Sichtbar. Dass der Adlerfarn, der sich am Boden mächtig breit macht, an vielen Stellen braun ist, stört den Förster eher nicht. Auch nicht, dass er einigen Schützen absagen musste, schmückende Maien zu schlagen, weil die jungen Birken aus Selbsterhaltungstrieb ihr Laub schon abgeworfen haben. Aber, dass auch der „Klimawald“ unter dem heißen Sommer gelitten hat, sei ein Jammer, so der junge Förster, dessen Job es ist, in Generationen zu denken. Nach Kyrill wurden auf insgesamt zwölf Hektar nicht heimische, tief wurzelnde also sturmerprobte Bäume wie Küstentanne, Mammuts oder Rubinien gepflanzt. Da die aber noch recht jung sind, zeigten auch sie Stress-Symptome. Ihre Wurzeln sind noch nicht so tief in die Erde vorgedrungen, dass sie auch bei der lang anhaltender Trockenheit ausreichend versorgt sind.

Das ganze Ausmaß der Dürreschäden, so Koch, zeige sich aber erst im nächsten Jahre, wenn mit Einsetzen der Vegetation erkennbar werde, welche Bäume wieder grün werden und welche nicht.