Alpen: Der neue Polizist im Dorf zieht Zwischenbilanz

Alpen : Der Dorfsheriff als Freund und Helfer

Andreas Mötter ist seit Beginn des Jahres Bezirksdienstbeamter der Polizei für die Gemeinde Alpen. Der „Dorfpolizist“ aus Rheinberg hat sich bestens eingelebt und hält eine erste Rückschau. Die fällt ausgesprochen positiv aus.

Seit Mitte Januar ist Andreas Mötter der neue Bezirksdienstbeamte der Polizei für die Gemeinde Alpen. Ein sperriger Begriff. Zu sperrig für die Bürger. Für viele ist er ganz einfach der „Dorfsheriff“. Mötter hat damit kein Problem, im Gegenteil: „Für mich ist das keine Beleidigung, sondern sogar eine respektvolle Ansprache. Schließlich hatte der Sheriff im wilden Westen nur den Richter über sich“, sagt er schmunzelnd.

Ein wenig trifft der Vergleich auch zu. Denn der Polizeiposten im Rathaus ist an keine Wache angebunden. Als einziger Polizist vor Ort ist Mötters Aufgabenbereich entsprechend breit gefächert. Der Polizeihauptkommissar kümmert sich ebenso um die Oma, die ein verdächtiges Geräusch im Haus wahrnimmt, wie um Kinder, deren Streiche mal über das erlaubte Maß hinausgehen. Ist der Bezirksdienstbeamte eine eine Mischung aus Landarzt und Pfarrer? „Ja, so kann man das sehen. Ich bin der Kontaktbeamte für die Bevölkerung, und manchmal ist auch ein wenig Seelsorge gefragt.“

Dienst nach Plan ist da kaum möglich. So dauern die Arbeitstage des 55-Jährigen häufig nicht nur länger als vorgesehen, sie fangen, wenn bald die Ferien wieder vorbei sind, auch früher an. „Ich beginne um sieben Uhr, weil es mir wichtig ist, an den Schulen Präsenz zu zeigen. Wenn ich dort stehe, hat das den Nebeneffekt, dass die Leute langsamer fahren.“ Dass viele Eltern ihre Sprösslinge in falsch verstandener Fürsorgepflicht täglich mit dem Auto zur Schule bringen und damit ungewollt für die eigentliche Gefahr sorgen, ist dem Polizist ein Dorn im Auge. „Wenn sie die Grundschüler wenigstens am Adenauerplatz rauslassen und den Rest des Schulweges über den sicheren Bürgersteig laufen lassen würden, wäre ich schon zufrieden.“

Auch wenn Mötter nach eigener Einschätzung auf einem „EdeKa“-Posten (Ende der Karriere) gelandet ist: Trotz der vielen Überstunden möchte er den Job bis zur Pensionierung machen. Einfach weil er den Umgang mit Menschen liebt. Gelegenheit dazu bietet sich zum Beispiel bei der Bürgersprechstunde, die er an jedem ersten Donnerstag im Monat im Polizeiposten an der Rathausstraße anbietet und die von den Alpenern gern genutzt wird. „Der eine möchte wissen, ob er ein bestimmtes Fahrzeug mit seinem Führerschein fahren, der andere, ob er die Hecke des Nachbarn schneiden darf. Es sind meist alltägliche Anliegen, mit denen die Bürger kommen“, so Mötter.

Seinen Streifendienst erledigt er meist zu Fuß oder mit dem Polizeifahrrad. Das baut Barrieren ab. Andreas Mötter möchte für die Menschen da sein und das auch zeigen. Bloße Präsenz kann mitunter dazu führen, dass der Dorfsheriff hilft, ein Verbrechen aufzuklären. Ein Rollstuhlfahrer hatte beim Juwelier vier Uhren gestohlen. „Zehn Tage später spricht mich während der Fußstreife ein älterer Herr an, der den Täter beobachtet hat. Er hatte sich einfach nicht getraut, zur Polizei zu gehen“, erzählt Mötter.

Im Gegensatz zum Streifendienst stellt Mötter für sich einen höheren Beliebtheitsgrad fest. Das macht er daran fest, dass er weniger Konflikte bewältigen muss. Außerdem hat ein Bezirksbeamter leichter mal die Möglichkeit, „Fünfe gerade sein zu lassen“. An die Brieftasche geht er den Alpenern ohnehin kaum. „Ich bin nicht derjenige, der den Menschen Geld abnehmen möchte. Ich halte erzieherische Maßnahmen für besser und vor allem nachhaltiger“, sagt der Familienvater.

Die Sorge, dass der Kontakt mit den freundlichen Alpenern zu persönlich werden könnte, hat Mötter nicht: „Ich kann schon dadurch eine gewisse Distanz wahren, weil ich nicht hier wohne. Auch mal klare Kante zu zeigen, wenn Dinge nicht akzeptabel sind, ist wichtig“, findet der Rheinberger. „Sonst geht der Respekt verloren.“

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