Alpen: Der Klimawandel ist am Niederrhein angekommen

Klimawandel : Gewässermanagement im Klimawandel

Lineg-Vorstand Karl-Heinz Brandt hält den Dürre-Sommer 2018 nicht für eine einmalige Erscheinung. Die Möglichkeiten einer Entwässerungsgesellschaft, auf anhaltende Trockenheit zu reagieren, seien sehr begrenzt.

Der Dezember hat die Erinnerung an den ewig langen Dürresommer ein weggespült. Da hat die Alpsche Ley ungewöhnlich viele Schlagzeilen produziert und viele Menschen in Alpen intensiv beschäftigt. Der Graben gab Rätsel auf und produzierte Notrufe, weil er trocken gelaufen war und so alles Leben darin bedroht war. Spätestens nach den Regenfällen der zurückliegenden Wochen herrscht hier wieder weitgehend normaler Fluss.

Auch das Rätsel in Höhe des Parkplatzes an der Haagstraße in Alpen ist, wenn nicht gelöst, so doch behoben. Hier teilt sich die Ley – fließt links gen Ortskern, dann weiter in den Winnenthaler Kanal und nach rechts Richtung Drüpt, um schließlich im Schwarzen Graben zu münden. Die Lineg hat eingegriffen und mit einem Wall aus Kieselsteinen sichergestellt, dass die Teilung, die die Fachleute „Bifokation“ nennen, störungsfrei und zu gleichen Teilen in beide Richtungen funktioniert. Aber alle Probleme sind mit diesem kleinen Eingriff ins alte Grabensystem längst nicht behoben. Das hat Lineg-Vorstand Karl-Heinz Brandt im Gespräch mit der RP-Redaktion sehr deutlich gemacht.

Brandt stellt nüchtern fest, dass der weltweite Klimawandel inzwischen den Niederrhein erreicht hat und sich der supertrockene Jahrhundertsommer schon bald wiederholen kann. Wie auch die Kehrseite – Starkregen wie im Sommer davor, als in Teilen des Niederrheins wie in Sonsbeck und Xanten Land unter war. Mit schlimmen Folgen. Beide Wetter-Extreme brächten auch die Lineg bisweilen an Grenzen.

Abfluss in zwei Richtungen: Mit Kieselsteinen wurde die Gabelung der Alpschen Ley in Höhe Parkplatz Haagstraße in Alpen reguliert. Foto: bp

Damit kein Missverständnis aufkommt. Zunächst mal macht der Lineg-Vorstand eines klar: „Wir sind eine Entwässerungs- und keine Bewässerungsgesellschaft.“ Die Begriffsklärung soll unterstreichen, dass es nicht zu den originären Aufgaben der Genossenschaft gehört, dafür zu sorgen, dass Wasser in den Gräben fließt. Aufgabe der Lineg sei es sicherzustellen, dass die Grubenwässer in der Bergbauregion keinen Schaden für Mensch, Gemäuer und Natur anrichten. Die Lineg betreibt dazu 180 technische Anlagen, um den Grundwasserspiegel zu regulieren, in der Regel zu zähmen.

Die Pumpen laufen allerdings nur, wenn Wasser da ist, das Schaden anrichten kann. „Sonst wird abgeschaltet. Schließlich werden sie mit Strom betrieben, und der kostet“, so Brandt. Auch die Lineg müsse halt wirtschaftlich arbeiten. Im zurückliegenden Sommer sei es über Monate sehr trocken gewesen. Selbst große Talsperren hätten da ernsthafte Probleme bekommen. Da könne es kaum verwundern, dass auch Gräben wie die Alpsche Ley trocken fallen. Werde beim Grundwasser eine Mindestmarke unterschritten, werde es in den Gräben kritisch.

Karl-Heinz Brandt (Lineg) blickt zurück auf den Dürresommer. Foto: Klaus Dieker/Dieker Klaus

Die seien sichtbarer Teil eines komplexen Gewässersystems, das sich weitgehend unterirdisch abspielt. Der große Regulator sei Gevatter Rhein. Wenn es wie jetzt um den Jahreswechsel ausgiebig regne, mache sich der Rhein breit in seinem Bett. Das habe zur Folge, dass auch die Grundwasserspeicher recht weit ins niederrheinische Land aufgefüllt werden. „In der Zeit läuft die Wasserregulierung auf Hochtouren“, so der Lineg-Chef. „Wenn der Rhein Hochwasser führt, laufen alle Pumpen auf Volldampf.“ Aber umgekehrt, wenn bei sommerlicher Trockenheit das Gewässersystem „total in die Knie geht“, wird abgeschaltet. „Dann pumpen wir nicht mehr.“ Nur eins mache die Linieg ganz bestimmt nicht: Das wenige Wasser gezielt umleiten, wie mache Anwohner in Bönning-Rill vermutet hatten, als der Schwarze Graben zum Wadi wurde.

Im Dürre-Sommer war die Alpsche Ley über Wochen Thema. Anwohner beklagten sich, der Rat nahm sich des Themas regelmäßig an. „Ich befürchte, dass wir künftig häufiger solche Trockenperioden erleben“, so Brandt. Ebenso wie Starkregenfälle mit fatalen Folgen für Landwirte, deren Äcker und Wiesen absaufen, und Hausbesitzer, denen die Keller volllaufen. Doch da zuckt der Entwässerer mit den Achseln. Nicht seine Baustelle. Wenn die Gräben randvoll sind, stoße die Lineg an ihre Grenzen. Sie könne nur für ungehinderten Durchfluss sorgen.

Die laufende Renaturierung an der Alpschen Ley, so Karl-Heinz Brandt, sei zumindest ein Mosaikstein im regionalen Hochwassermanagement. Vorm südlichen Schleusentor ins Dorf Alpen und östlich am Drüpter Weg ist die Ley schon aus ihrem engen Korsett befreit worden. Hier kann sie sich ausbreiten. Dass sich hier im Sommer, wenn das Wasser steht, Mücken wohlfühlen, sei für Anwohner sicher ein Problem. Aber das werde sich regeln, so Brandt. Die Operationen in der Landschaft hätte Wunden geschlagen und die Natur aus dem Gleichgewicht gebracht. Dabei seien natürliche Feinde des Ungeziefers verscheucht worden, das dadurch eine zeitlang die Überhand gewonnen haben mag. „Aber das wird sich auf einem höheren Niveau wieder regulieren“, so der Lineg-Vorstand.

Das mag für Plagegeister und ihre Feinde gelten. Aber die extremen Ausschläge des Wetters werden sich wohl kaum durch Selbstheilungskräfte wieder auf Normalmaß einpendeln.