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Alpen: Der Einzelhandelsstandort steckt in der Krise

Alpen : Aderlass für den Einzelhandel in Alpen

Zum Jahresende schließen nicht weniger als vier Geschäfte, die teils über viele Jahrzehnte im Ortskern angesiedelt waren. Hauptgrund für die Entwicklung: „Es lohnt sich nicht mehr.“ Einkaufen im Internet bleibt nicht folgenlos.

Der Einzelhandelsstand Alpen kränkelt seit Jahren. Nun liegt er auf der Intensivstation. „Ausverkauf“ ist in diesen Tagen eine dominante Vokabel auf den Plakaten im Ortskern. Nicht weniger als vier Geschäftsleute locken mit Preisnachlässen, um ihren Warenbestand an die Frau oder den Mann zu bringen. Neues kommt nicht mehr rein. Das Quartett Dronova, Juwelier Wäckers an der Lindenallee, der kleine Wollladen an der Rathausstraße und das Goldschmiede von Petra Bockstegers am Adenauerplatz haben angekündigt, zum Jahresende abzuschließen. Für immer. Viele Kunden reagieren erschüttert auf das Ladensterben und sorgen sich um die Lebensqualität im beschaulichen Ort. Denn mit den alt eingesessenen Läden geht auch ein gutes Stück Nähe zum Kunden verloren.

So viel wie in diesen Tagen war schon lange nicht mehr los im Drogeriemarkt Dronova. Der Räumungsverkauf auf 250 m2 lockt Schnäppchenjäger. Der Ansturm hilft Ulrike (60) und Werner Wüppermann (60) nicht mehr. „Schließung wegen Unrentabilität“, nennt der Kaufmann, ein gelernter Schreiner, als Begründung. Es bleibe schlichtweg kaum was übrig, trotz der vielen Stunden im Laden. Konkurrenten, die günstiger anbieten könnten, und schließlich das Internet, waren zuletzt übermächtig geworden.

Karla Gabrys und Claudia Gärtner-Theussen machen Schluss bei Juwelier Wäckers. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Die Wüppermanns haben lange gekämpft, das kaufmännische Erbe vor dem Aus zu bewahren. Ulrike Wüppermann war 15, als ihre Eltern Waltraud und Jakob Janßen vor 43 Jahren das Geschäft aufgemacht haben – als Filiale der Drogeriekette Ihr Platz. 1989 hat die heute 60-Jährige mit ihrem Mann den Betrieb übernommen, später modernisiert und erweitert. 2005 die erste Krise. Ihr Platz meldet Insolvenz an, Investoren übernehmen die Kette. Zwei Jahre später geht’s an der Lindenallee unterm Schlecker-Dach weiter. Als auch Schlecker in die Pleite rutscht, findet Familie Wüppermann bei der Rewe-Tochter Für Sie eine Partnerin, die das Überleben sichert. Aber nur für drei Jahre. Auch der letzte Versuch im Dronova-Verbund ist nicht von Erfolg gekrönt.

Namhafte Drogerieketten, die die Wüppermanns anschreiben, winken ab. Zu klein, zu alt. Schweren Herzen entscheiden sie, einen Schlussstrich zu ziehen. Als Ulrike Wüppermann die Räumungsplakate ins Schaufenster hängt, kommen ihr die Tränen. „Ich bin ein fröhlicher Mensch, doch momentan geht’s mir nicht gut.“

Goldschmiedemeisterin Petra Bockstegers hört aus persönlichen Gründen auf. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Auch wenige Meter weiter, bei Juwelier Wäckers „muss alles raus“, wie in den Schaufenstern nicht zu übersehen ist. Der Druck der Lieferanten, immer mehr abzunehmen, Umsätze zu generieren, die in so einem Ort trotz vieler Kunden von auswärts nicht zu erzielen sind, und Konkurrent Internet haben die Geschäftspartnerinnen Karla Gabrys (54) und Claudia Gärtner-Theussen (55) mürbe gemacht, 25 Jahre nachdem sie das Geschäft von Gabrys Eltern Hans und Helene Wäckers übernommen haben. Das nahe Ende ist voller Emotion. „Es tut verdammt weh. Es tut uns für unsere vielen Stammkunden sehr leid“, sagt Karla Gabrys. „Aber es ergibt keinen Sinn mehr.“

Natürlich seien die allgemeinen Rahmenbedingungen ausschlaggebend. Aber die beiden Geschäftsfrauen, die auch im Werbering engagiert sind, sehen manche Probleme auch hausgemacht. Die Verlagerung des Wochenmarktes weg vom Adenauerplatz hinters Rathaus sei ein Fehler gewesen. Die lange Schließung der Burgstraße habe viele auswärtige Kunden für immer fern gehalten.

Ulrike, Werner und Inga Wüppermann haben beim Räumungsverkauf viel zu tun. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Sie begrüßen es zwar, dass die Gemeinde plant, mit einem Investorenwettbewerb einen starken Magneten auf dem Noch-Gelände der Feuerwehr ins Zentrum zu holen. Doch das kommt für sie viel zu spät. Ebenso wie für den kleinen Wollladen, den Brunhilde Ilgner vor eineinhalb Jahren übernommen hat. „Es rechnet sich nicht“, stellt sie nüchtern fest: „Andere sind nicht besser aber günstiger, und dann das Internet.“

Nicht ganz ins Bild passt das nahende Ende des Ateliers von Petra Bockstegers (54). Die Goldschmiedemeisterin, die für zahlreiche Schützenkönige der Region das Silber und auch die Ehrenringe der Gemeinde Alpen angefertigt hat, kann sich über eine Mangel an Aufträgen nicht beklagen. Aber „persönlich Grüne“, so sagt sie, ließen ihre keine Wahl, als von ihrem markanten Schmiedetisch, an dem die Herstellung filigraner Kunststücke Spuren im Holz hinterlassen hat, aufzustehen. Auch der Verlust dieses kleinen Juwels macht Alpen ein Stückchen ärmer.