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Alpen: Der 68er-Jahrgang der Volksschule Veen feiert 50-jähriges Jubiläum

Alpen : 68er – ein ganz besonderer Jahrgang

Die ehemaligen Volksschüler aus Veen haben sich ein halbes Jahrhundert nach der Entlassung zum ersten Mal wieder getroffen. Sie hatten sich viel zu erzählen und haben im Haus der Geschichte in ihrem eigenen Buch geblättert.

Es sind die besonderen Momente des Wiedersehens, wenn sich nach 50 Jahren eine ehemalige Klasse erstmals wieder trifft. „Das muss Marion sein. Und das kann nur eine von Elbers sein“, hieß es in der zunächst kleinen Begrüßungsrunde auf dem Schulhof der Veener Grundschule. Doch schnell hatten die Ankömmlinge das „Wer-ist-Wer?“ entschlüsselt. Immer mehr Ehemalige erkannten sich wieder und hatten ein Bild davon im Kopf, wer da damals mit ihnen die Schulbank gedrückt hatte, da in der Schule St. Nikolaus, wo ab 1964 für die inzwischen älteren Herrschaften damals alles begonnen hatte. Und dieser Ort hatte in damaliger Zeit schon Besonderheiten aufzuweisen.

„Damals hatten wir eine Volksschule, die davor kurze Zeit lang Landschule war“, erinnert sich Marlene Hansen (geborene Tenorth). Sie hatte zusammen mit Karin Linßen, Gerda Quinders und Johannes Czesla bei der Organisation des Wiedersehens die Fäden in der Hand. Nach acht Schuljahren endete die Schullaufbahn mit dem so genannten Volksschulabschluss.

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Ende der aufregenden 60er Jahre zeichnet sich das Aus für die Volksschulen ab. Die Schullandschaft veränderte sich. Es folgten Haupt- und Realschule. So genannte Kurzschuljahre wurden vorgeschaltet. Die Volksschule wurde ab der fünften Klasse Auslaufmodell. Einige wechselten auf die neue Realschule, besuchten das Gymnasium oder blieben auf der Volksschule.

„Viele von uns haben im Anschluss noch zwei Jahre die Hauptschule besucht“, erzählt Johannes Czesla (60). Und beim großen Ehemaligentreffen zum Ende der Alpener Hauptschule im vorigen Jahr kam in geselliger Runde unweigerlich die Idee zum Klassentreffen der Veener Volksschüler. Der Anlass war entsprechend, wie Czesla sagt. „Wir sind in Veen 1968 entlassen worden und schreiben jetzt das Jahr 2018. Das ist doch Grund genug für eine Feier.“

Akribisch liefen die Vorbereitungen. Ein Programm wurde auf die Beine gestellt und Ehemalige angeschrieben. Beim Blick in die Liste fällt auf, so weit auseinander liegen die einzelnen Wohnorte gar nicht. Köln, Bielefeld und Hannover sind die Ausnahme. Von 31 Ehemaligen sagten 25 zu. Für Marlene Hansen eine überaus positive Resonanz: „Das spricht von großem Interesse, alte Zeiten aufleben zu lassen.“

Fest stand beim Orga-Team, das Treffen im Sommer im Landhaus Gietmann zu veranstalten. Nach dem kleinen Sektempfang ging es zunächst zu Wilhelm Jansen ins „Haus der Veener Geschichte“. Denn auch dort haben die ehemaligen Volksschüler ihre Spuren hinterlassen. „Wir hatten das Glück, originale Unterlagen zu bekommen, die bei uns ausgestellt sind. 1968 hat die Klasse mit ihrem Lehrer Hans Ehren ein Dorfbuch erstellt“, erzählt Jansen. So schloss sich nun ein Kreis. Denn Lehrer Ehren war in Geldern Klassenkamerad von Jansen gewesen. „Das Dorfbuch ist für uns echte erarbeitete Geschichte“, sagt er.

Die ehemaligen Volksschüler konnten sich an diese Arbeit gut erinnern, die im heutigen Schulleben den Namen „Projekt“ getragen hätte. Von Tür zu Tür sind sie 1968 gegangen, haben Veener interviewt, Informationen aufgeschrieben und dazu alte Fotografien zur Verfügung gestellt bekommen. Im Vorwort heißt es daher: „In diesem Buch haben wir alles das aufgeschrieben, was wir über unser Dorf Veen erfahren konnten.“ In verschiedenen Kapiteln suchten sie Antworten auf dörfliche Fragen: Wie funktioniert Gemeindearbeit, wie haben die Großeltern ihre Jugend in Veen verbracht oder welche Feste wurden wie gefeiert?

Ein kleines plattdeutsches Wörterbuch ist sicherlich hilfreich für die heutigen Mundartler. „Für uns sind das wertvolle Details, ein Schatz“, sagt Jansen. Bereits vor vier Jahren ging nach Abschrift und Bildreproduktion dieser Schatz in Druck. Anlass war das 25-jährige Jubiläum des Fördervereins „Unsere Veener Geschichte.“ Ein Dorfbuch, das Erinnerungen wach hält und mit einem Kaufpreis von zehn Euro gut investiertes Geld ist. Entsprechend ihrem alten Klassenfoto nahmen die Ehemaligen für die RP nochmals vor dem Eingang Aufstellung.