Alpen:Das neue Haus der Feuerwehr macht schon jetzt bezahlt

Ehrenamt in Alpen : Wertschätzung ist wichtig

Vor 100 Tagen ist die Freiwillige Feuerwehr in Alpen in ihr neues Gerätehaus gezogen. Die gemauerte Wertschätzung greift. Ein Dutzend neue Wehrleute haben sich seither zum Dienst gemeldet.

Das haben selbst die größten Optimisten nicht erwartet: Das neue Feuerwehrgerätehaus in Alpen ist noch keine 100 Tage bewohnt, da sorgen bereits ein Dutzend neue Wehrleute dafür, dass kein Spind mehr frei ist. Das Haus entfaltet Strahlkraft. Genau das bestätigt alle, die der Architektin Bettina Kempen und ihrem Vorschlag gefolgt sind, nicht von der Stange zu bauen. Die übliche Zigarrenkiste mit Rolltor hätte vermutlich auch ihren Zweck erfüllt. Doch ein besonderer Charme – abgesehen vom Glanz des Neuen – wäre vermutlich davon nicht ausgegangen.

Das Gerätehaus an der Von-Dornik-Straße löst das Versprechen ein, bauliche Wertschätzung sein zu wollen für den so wichtigen – man kann es nicht häufig genug sagen – ehrenamtlichen Dienst am Nächsten. Das Selbstbewusstsein verkörpernde Manifest in Feuerrot und Anthrazit ist ein Blickfang geworden, ein Hingucker. Manche Zeitgenossen mögen’s für überzogen halten, eine Nummer zu dick aufgetragen. Mag sein. Aber ein Protzbau sieht anders aus. Es ist ein Haus geworden, auf das die, die darin ihren Job tun, zu Recht stolz sein können. Ein gutes Gefühl, das ganz offensichtlich Motivation schafft.

Zugegeben: Das chice Gerätehaus ist mit mehr als sechs Millionen Euro nicht ganz billig gewesen. Aber, da darf man den Verantwortlichen glauben, nicht nennenswert kostspieliger als eine konventionelle Lösung, die ohnehin unausweichlich war. Da ist der Brandschutzbedarfsplan eindeutig. Da ist es gut, dass Feuerwehrchef Michael Hartjes mehr die Funktionalität des neuen Domizils lobt als die Architektur. Die Abläufe bringen nicht nur mehr Sicherheit für die Feuerwehrleute in der Hektik der Einsätze. Sie verkürzen auch nennenswert die Zeit bis zum ersten Eintreffen am Einsatzort. Davon profitiert die Bevölkerung.

Und auch wenn der Chic des ambitionierten Gebäudes dazu führt, dass Nachwuchssorgen, wie sie Vorstände in so vielen Vereinen drücken, für die Feuerwehr absolut kein Thema sind, ist das ein unschätzbarer Wert für alle Menschen im Ort. Auf lange Sicht gilt: Wenn’s brennt, ist immer eine schlagkräftige Truppe einsatzbereit. Auch das gibt ein gutes Gefühl. So hat der Rat alles richtig gemacht, auf ein Haus zu setzen, das etwas hermacht. Es gibt den ehrenamtlichen Rettern etwas zurück. Es war nicht so, dass sie danach geschrien haben. Sie haben auch in der Enge des alten Hauses am Willy-Brandt-Platz verlässlich und klaglos ihren Dienst verrichtet. Doch die manifestierte Anerkennung des Engagements wirkt offenbar ansteckender als jede Sonntagsrede und Anstecknadel. Wenn das schon nach 100 Tagen ablesbar ist, ist das mehr als ein Zeichen.

Das soll selbstverständlich nicht heißen, dass jeder Verein und jede Initiative nun mit etwas Vorzeigbarem ausgestattet werden muss. Aber wo sich die Gelegenheit bietet, Wertschätzung zu untermauern, sollte man’s tun. Das zahlt sich aus. Mit Sicherheit.

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