Alpen: Das neue Feuerwehrgerätehaus ist ein Schmuckstück geworden

Feuerwehrgerätehaus : Schöner löschen

Nach 20 Monaten Bauzeit bezieht die Feuerwehr in Alpen ihr neues Haus. Es hat sechs Millionen Euro gekostet und ist architektonisch ein Hingucker.

Wenn nächsten Freitag gut 100 Feuerwehrleute in Ausgeh-Uniform hinter roten Autos zu den Klängen des Spielmannzuges Menzelenerheide durchs Dorf marschieren, fallen von ihrem Chef zentnerschwere Lasten ab. Dann zieht der Löschzug Alpen vom Willy-Brand-Platz ab. Von da an läuft der Dienst im nagelneuen Gerätehaus an der von-Dornick-Straße. Aber bis es so weit ist, geht der Arbeitstag von Wehrchef Michael Hartjes weiter erst spät abends zu Ende. Auch danach, da ist er sicher, wird es dauern, bis alles wieder normal läuft.

Als der 42-Jährige die Baustelle betritt, stehen Leute Schlange. Der Putzmann will wissen, wann die roten Spinde an ihren Platz rücken, damit er endlich wischen kann. Am 14 Meter hohen, feuerrot eingekleideten Übungsturm geht’s auch gerade nicht weiter. In der Fahrzeughalle soll die Entlüftung gecheckt werden. Es fehlen die Fahrzeuge.

Das neue Feuerwehrgerätehaus ist bald fertiggestellt In den Fenstern der Leitzentrale spiegelt sich der Turm. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Eindreiviertel Jahr geht das so. Spatenstich war im Sommer 2017. Eigentlich sollte das ungewöhnlichste Gerätehaus weit und breit ein halbes Jahr früher fertig sein. Aber auf dieser Baustelle lief nicht alles glatt. Ein bisweilen kaum zu entschlüsselndes Sprachgewirr war Nährboden für Missverständnisse. Dazu galoppierten die Baupreise. So landet die Gemeinde am Ende bei gut sechs Millionen Euro – gut eine Million mehr als mal kalkuliert.

Das neue Haus liefert viele Gründe, stolz zu sein. Für die Feuerwehr, aber auch für Politik und Verwaltung. „Für die Wertschätzung im Rathaus sind wir sehr dankbar“, sagt der Feuerwehrchef. Die Bevölkerung darf sich über einen Hingucker freuen, in dem Sicherheit produziert wird. „Dabei“, darauf legt Hartjes Wert, „haben wir nicht geklotzt.“ Die Architekten Bettina Kempen und Martin Kleinheyer (Krefeld) haben intelligente Lösungen gesucht, die nicht teurer als Standard sind. Das Haus ist super chic, erreicht den Stand der Technik und kostet kaum mehr als die übliche Zigarrenkiste mit Rolltoren. Der Gang durchs neue Haus begeistert. Es erfüllt seinen Zweck, wenn sich Feuerwehrleute hier auch gern aufhalten, wenn’s nicht brennt. „Eine hohe Bindung ans Haus hilft, dass wir mit den ersten Kräften noch schneller vor Ort sein können“, sagt der Feuerwehrchef.

Softwareschulung im der Leitzentrale. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

In der Kommandozentrale werden die Einsätze digital gesteuert. Alle Lämpchen blinken, die Rechner sind hochgefahren. Die 126 Spinde stehen. Für Männer, Frauen und Jugend getrennt – alle mit abschließbarem Wertfach. Für die vorgeschriebenen Abläufe bei Einsätzen herrschen optimale Bedingungen. Alles ist bis ins Detail durchdacht. Allein die Atemschutzwerkstatt bedeutet einen Quantensprung gegenüber der Abstellkammer im alten Haus. Gerätewart Marc Dickerboom ist bestens ausgestattet.

Ins Obergeschoss fährt ein Fahrstuhl. Hier sind die Büros der Führungskräfte. Vorm Schulungsraum für bis zu 120 Leute gibt’s eine offene Küche mit mobiler Theke. Wie der komplette Personal-Trakt ist auch der Schulungssaal mit Licht geflutet. Auf der großen Rückwand sind digitale Präsentationen problemlos umsetzbar. Möglich wäre auch die Übertragung eines Fußballspiels auf Großleinwand. Aber daran hat vermutlich noch keiner gedacht. Aber der Rat will auch mal hier tagen. So viel steht schon fest.

Großzügig ist auch das Angebot für die Feuerwehrjugend – das Fundament der Wehr. 75 Prozent der Stammkräfte sind daraus erwachsen. Ein kleiner Kraftraum mit großen Fenstern findet sich in einem gläsernen Winkel. Die Geräte kommen später. Hartjes ist überzeugt, dass das funktionale, dabei chice Haus es künftig erleichtert, junge Leute zu begeistern, im Notfall ihren Mann oder ihre Frau zu stehen.

Das neue Feuerwehrgerätehaus istbald fertiggestellt Softwareschulung im der Leitzentrale. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Das „Florian-Stübchen“ für die Kameradschaft, wie Teambuilding bei der Feuerwehr heißt, ist noch leer. Wichtig ist erstmal, dass alles läuft, wenn die Sirenen ertönen oder die Piepser Signal geben.

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