Alpen: Bönninghardter protestieren vorm Kreishaus gegen Kiesabbau

Kiesabbau : Protest vorm Kreishaus gegen Kiespläne

Der RVR hat Regionalplan-Entwurf im Kreishaus vorgestellt. Bönninghardter Kiesgegner machen in Wesel ihrem Unmut Luft.

Rund 70 Bürger von der Bönninghardt und aus der Hamminkelner Bauernschaft Lankern haben am Donnerstagmorgen vor dem Kreishaus in Wesel gegen die Auskiesungspläne des Regionalverbands Ruhr (RVR) protestiert. Mit Spruchbändern signalisierten die Demonstranten ihre Entschlossenheit, die Heimat vor den Kiesbaggern zu verteidigen. „Es war ein deutliches Zeichen an die Politik. Ich denke, die hat verstanden“, sagte Herbert Oymann, Ortsvorsteher in der kampferprobten Bönninghardt zufrieden mit der Rückendeckung vom Höhenzug. Der fürchtet bei Trockenabgrabung einen gewaltigen Krater am Ortseingang.

Erstmals beteiligt der RVR bei der Fortschreibung seines Regionalplans, in dem die Sicherung der Rohstoffe nur ein Teilgebiet ist, betroffene Bürger und bietet den Dialog an. Der Plan soll Raum für Wohnen, Gewerbe und Ressourcen für die nächsten 25 Jahre sichern. Den Willen zum inhaltlichen Dialog betonte im rappelvollen Kreishaussaal RVR-Planungschef Martin Tönnes, der in Wesel die Eckpunkte des Entwurfs vorstellte. „Er hat auch hier sehr souverän und sachlich dargelegt, dass er an den Landesentwicklungsplan gebunden ist und einen Plan vorlegen muss, der gerichtsfest ist“, sagte Oymann. Er habe sich sehr gefreut, dass Tönnes, der sich jüngst auch vor Ort der Diskussion gestellt hatte, die Bönninhardt als Positivbeispiel für „engagierten demokratischen Protest“ benannt habe.

Bis zum 1. März läuft das Beteiligungsverfahren, und das Knackthema ist der Kiesabbau. 250 Bönninghartder haben inzwischen schon schriftlich ihre Bedenken ins Verfahren eingebracht. Im Saal des Kreishauses prallten örtliche Betroffenheit und landesplanerische Vorgabe, Planungssicherheit für ein Vierteljahrhundert zu schaffen, aufeinander. Auch die Kiesindustrie protestierte – dagegen, dass die Branche im Vorfeld nicht gehört worden sei – verfahrenstechnisch auch nicht vorgeschrieben. Christian Strunk, Geschäftsführer des Weseler Kiesunternehmens Hülskens, sagte, man wolle keine Kiesflächen in Bönninghardt, Obrighoven und Kamp-Lintfort. Da sei kein Konsens vor Ort in Sicht. Das gilt auch für die Bönninghardt.

Ortsvorsteher Herbert Oymann und seine Gefolgschaft bekamen Verstärkung von Alpens Bürgermeister Thomas Ahls. Sie führten den Protest gegen einen möglichen Trockenabbau auf eine Fläche von 18,5 Hektar an der A 57 an. Der würde eine 30 bis 40 Meter tiefe Grube hinterlassen und die Zukunft des 1700-Seelen-Dorfes mächtig einschränken.

 RVR-Planer Tönnes verwies darauf, dass er vom Land angewiesen sei, die Rohstoffressourcen für 25 Jahre planerisch zu sichern. Der Niederrhein sei für Kies und Sand Konzentrationsabbaugebiet. 15.000 Wohnungen fehlten in NRW, Brückensanierungen in Serie stünden an – soll heißen: Rohstoffe werden in gewaltiger Menge gebraucht. Aber, so die Kritik im Saal: Niemand wisse, wie viel Kies in den Export gehe. Der RVR weiß es auch nicht. Eine Exportkontrolle existiert nicht.

Es sei schwierig, umstrittene Flächen aus dem Planwerk zu verbannen, wenn sie einmal im Entwurf stehen. Bisher galt 20 Jahre Planungssicherheit. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat die Frist um fünf Jahre verlängert. Tönnes: „Mit den Erweiterungen im Regionalplan kommen wir so gerade hin. Sobald ich aber eine Fläche streiche, bin ich unterm Sicherungslimit.“ Streiche er dennoch, weise ihn das Land an nachzubessern.

Deshalb funktioniere Streichung nur mit Ausweichflächen. Wesels bekannt kiesfreundliche SPD machte Vorschläge. In Ginderich (Abgrabung „Pettenkaul“) fordern die Genossen eine Erweiterung, in Bislich-Vahnum die Kombination von Kiesabbau und Deichrückverlegung. „Das reicht, um Bönnighardt, Kamp-Lintfort und Obrighoven zu verschonen“, sagte SPD-Boss Ludger Hovest. Christian Winterberg von den Kreis-Grünen ist dagegen.

Vahnum sei internationales Vogelschutzgebiet, Pettenkaul Trinkwasserreservoire für Millionen im Ruhrgebiet. Tönnes machte klar, dass für ihn Pettenkaul tabu sei. Wasserschutzrechtlich sei man gebunden. Die SPD zweifelt und will einen Nachweis dafür. Kies-Unternehmer Strunk will weiter in Pettenkaul und Vahnum baggern. Doch er hat keinen Draht zum RVR. Tönnes: „Wir treffen keine unternehmensbezogenen Entscheidungen.“

Ein Fachmann aus Aachen sagte, Recycling von Baustoffen werde in NRW vernachlässigt. Man könne Kies und Sand aus Beton zurückgewinnen, daraus neuen Beton herstellen. Andere Länder seien da längst weiter.

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