Alpen: Bauen, Gewerbe, Kies und Natur - Regionalplan legt Entwicklungspotenziale fest

Regionalplan Ruhr : Weichenstellungen für Alpens Zukunft

Der Planungsausschuss debattiert über den Regionalplan. Dabei geht’s neben Kiesabgrabung auch um künftige Gewerbe- und Wohnbauflächen.

Der Entwurf des neuen Regionalplans, den der Regionalverband Ruhr (RVR) präsentiert, hat in Alpen, insbesondere auf der Bönninghardt, bereits im alten Jahr viel Staub aufgewirbelt und Proteste provoziert gegen einen riesigen Kieskrater mit einem 18,5 Hektar großen Durchmesser, der den Heiern droht. Am Donnerstag, 17. Januar, 17 Uhr, steht das Planwerk, das weit mehr regelt als die Sicherung von Rohstoffen, im Rathaus auf der Tagesordnung des Ausschusses für Planung. Der schaut sich die für Alpen relevanten Aussagen an, um eine Stellungnahme zu formulieren. Da geht es neben dem hier üppig vorhandenen und im Ruhrgebiet sehr begehrten Bodenschatz Kies, aber auch um Wohnbau- und Gewerbepotenziale sowie um Natur und Landschaftsschutz im kompletten, 59,6 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet.

Kies Das Thema bewegt die Alpener derzeit am meisten. Abgrabungsflächen können den Ort in den kommenden 25 Jahren an ausgewiesenen Stellen nachhaltig verändern. Die 18,5 Hektar in der Bönninghardt sind, verglichen mit den von RVR-Planer Martin Tönnis fokussierten Abgrabungsflächen im Bereich Drüpt/Huck/Millingen, relativ bescheiden. Denn hier summieren sich die planerischen Begehrlichkeiten an der Römerstraße auf fast 100 Hektar. Die beiden benachbarten Flächen (77 und 17 Hektar) sind bereits in der Reservekarte des Gebietsentwicklungsplan (GEP) von 1999 verzeichnet und kommen nun wieder auf den Tisch. Hier rührt sich bislang kein vernehmbarer Widerstand. Es hat im Herbst bereits ein informelles Treffen des interessierten Abgrabungsunternehmens mit Grundstückeigentümern im Rathaus gegeben. Beredter Arbeitstitel: „Naturerlebnisseen Römerstraße“. Es hat den Anschein, als würden die Entscheidungsträger die stattliche Seenplatte als Alpens Beitrag zur Rohstoffsicherung möglichst geräuschlos ins Planverfahren einbringen – auch mit dem strategischen Ziel, die Begehrlichkeiten auf der Bönninghardt zurückzudrängen.

Gewerbe ist ein Thema, das Volker Schlichts Planer-Herz wärmt. Denn der Entwurf sieht weitere 25 Hektar vor, damit sich der weltweit agierende Ackerbauer Lemken am Stammsitz langfristig ausbreiten kann, über die bislang noch ungenutzten Potenziale hinaus. Das sichert perspektivisch Jobs und Gewerbesteuern. Auch 40 Hektar für einen „regionalen Kooperationsstandort“ im Bereich Drüpt sollen wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Die Fläche soll interkommunal mit Sonsbeck und Xanten an flächenintensive Betriebe vermarktet werden. Das allerdings sei Zukunftsmusik, erläutert der Planer im Rathaus. Es sei an die Ansiedlung von Betrieben mit einem Flächenbedarf von mindestens acht Hektar gedacht, die im Ruhrgebiet kaum Chancen hätten, anzudocken.


Wohnbauland ist für die Zukunftssicherung vor Ort wesentlich. Da wird auch in Alpen der Raum knapp. Volker Schlicht schlägt vor, im neuen Regionalplan gut zwei Hektar im nördlichen Teil Alpens bis an die Flüchtlingsunterkunft an der Ulrichstraße für Häuslebauer vorzusehen. Im Gegenzug schlägt er vor, die ausgewiesene Wohnbaufläche zwischen Friedhof und B 58 zu quittieren. Auch in Menzelen-West sei Grundstücksbedarf für bauwillige Familien erkennbar. Hier sei durch die absehbare Ansiedlung von Edeka die Grundversorgung gesichert.


Natur- und Klimaschutz spielen bei den Abwägungen im Rathaus auch eine Rolle. Schlicht befürchtet, dass die beabsichtigte Ausweisung von Landschaftsschutz- und Erholungsgebieten am Nordrand von Alpen die im Rathaus angestrebte Ausweisung einer Konzentrationszone Windkraft mit sieben Windmühlen im Bereich Winnenthal durchkreuzen könnte. Zudem macht der Planer auf mögliche Konflikte aufmerksam, wenn Naturschutz sich gegen den Plan richten könnte, die Bahnhofstraße, die aktuell noch im Nirgendwo endet, langfristig bis zur Bönninger Straße zu erweitern. Die Trasse sei aus verkehrlicher Sicht für die Gemeinde höchst wünschenswert. Mit ihr seien Menzelen-West, Bönning und die Ulrichstraße im Notfall viel schneller von Rettungskräften zu erreichen als heute.

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