Alpen: Auf der Suche nach den verlorenen hundert Jahren

Familiengeschichte : Die Suche nach verlorenen 100 Jahren

Bereits zum sechsten Mal betrieb die Kielern Uta Werner-von Alpen, eine direkte Nachfahrin des Grafen Grumprecht, am Niederrhein Ahnenforschung. Doch ein großer Teil ihrer Familiengeschichte scheint nicht zu ermitteln zu sein.

Es gibt viele Gründe nach Alpen zu kommen, aber dieser ist sicherlich außergewöhnlich: Am vergangenen Freitag besuchte Uta Werner-von Alpen auf Einladung von Viktor Illenseer die Gemeinde – und das bereits zum sechsten Mal. Dass es einen Ort gibt, der ihren Namen trägt, weiß die Wahl-Kielerin schon sehr lange, die genauen Zusammenhänge begann sie vor sechs Jahren zu recherchieren. Im Ratssaal sprach sie jetzt über ihren aktuellen Kenntnisstand.

So weiß die 77-Jährige inzwischen, dass der am 29. Juli 1394 geborene Gerart von Alpen – ein Nachfahre Graf Gumprechts – einer ihrer direkten Vorfahren ist. Genauer gesagt ein Großvater mit sehr vielen „Ur“’s. Allerdings hat die Sache einen Haken: Er wurde unehelich geboren. Das war in der damaligen Zeit nicht unüblich, aber der Zugang zum Adelsstand war ihm damit versperrt. „Wer nicht in einem katholischen Ehebett gezeugt wurde, war ein Bastard. Das bedeutet, wir gehören nicht der dynastischen Linie an, es gibt kein verwandtschaftliches Verhältnis zur Kurfürstin Amalie oder den Grafen“, erläutert Uta Werner-von Alpen.

Immerhin durften ihre Vorfahren nicht nur den Namen von Alpen weiterführen, sie durften auch im ritterlichen Stand verbleiben und als Bedienstete in der Burg des Vaters arbeiten. Von diesem Zeitpunkt an gestaltet sich die Ahnenforschung allerdings mehr als schwierig. „Kirchenbücher gibt es erst seit 1540, andere Dokumente zu finden, ist kaum möglich. Bastarde durften kein Land erwerben und sind auch sonst urkundlich nicht in Erscheinung getreten.“ Erst im Jahre 1540 tauchte der Name mit der Hochzeit Wilhelm von Alpens wieder auf. Dazwischen fehlen über einhundert Jahre. „Da klafft ein schwarzes Loch, das würde ich gerne füllen“, erzählt die 77-jährige Nachfahrin.

Vielleicht könnte sie bei ihrem nächsten Besuch zumindest schon mal Eindrücke vom Elternhaus ihrer Vorfahren bekommen. „Wir würden gerne den Stollen erhalten und die oberen Mauern der ehemaligen Vorburg freilegen“, verrät Timo Aldenhoff vom Förderverein Motte. Bürgermeister Thomas Ahls weiß, welche Mammutaufgabe da auf die Gemeinde zukommt: „Wir haben es mit zwei konkurrierenden Denkmälern zu tun. Der Stollen befindet sich unterhalb der Fundamente der Burg, dass macht die Sache so delikat.“ Laut Viktor Illenseer wäre eine begehbare Motte als ein Alleinstellungsmerkmal enorm wichtig für die Gemeinde. Ahls sieht das genauso: „Man muss so ein Denkmal erlebbar machen. Wir werden den Stollen relativ kurzfristig anlegen.“

Das ist natürlich ganz im Sinne von Uta Werner-von Alpen, die direkt den Mitgliedsantrag des Fördervereins unterschrieb. Bevor sich die Besucherin mit Gästeführer Viktor Illenseer auf den Weg durch den Ort machte, erzählte sie, welch einer unglaublichen Laune der Natur sie es verdankt, heute noch den Namen „von Alpen“ zu führen: „Dass ein Mann den Namen seiner Frau annimmt, war ausgeschlossen. Es gab also über 14 Generationen hinweg immer männlichen Nachwuchs, das ist der Witz an der Geschichte.“

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