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Alpen: Archäologische Funde belegen Lager für 24.000 römische Soldaten in Drüpt

Alpen in der Antike : 24.000 Römer waren in Drüpt stationiert

Spannender Vortrag über eine sensationelle Entdeckung in Alpen, die eine große Wissenslücke über den Niedergermanischen Limes schließt.

Voraussichtlich im Sommer nächsten Jahres wird der Niedergermanische Limes in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Die 400 Kilometer lange Befestigungsanlage sicherte über vier Jahrhunderte lang den Rhein als Grenze des Römischen Reichs von Remagen bis Katwijk (NL) an der Nordsee. Entlang dieser Flussgrenze reihten sich zahlreiche Wachttürme, Kastelle und Legionslager. Nur zwischen Moers-Asberg (Asciburgium) und Xanten (Vetera) klaffte eine Lücke. Mit der Entdeckung eines römischen Auxillarkastells in Drüpt im Jahre 2015 änderte sich das.

Jetzt war Archäologe Steve Bödecker nach Alpen gekommen, um als VHS-Referent im Ratssaal die Hintergründe eines sensationellen Fundes zu erläutern. Das Interesse der Alpener an ihrer antiken Geschichte war groß. Rund 100 Besucher wollten mehr über die römische Vergangenheit ihrer Gemeinde erfahren. Bödecker machte gleich zu Beginn die besondere Bedeutung des Ortes deutlich: „Alpen ist die Gemeinde mit den meisten römischen Lagern im Rheinland. Aus alten Truppenlisten der Römer wussten wir, dass es hier Kastelle geben muss, nur nicht wo“, so der Limes-Beauftragte beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege.

Bei den Lagern handelte es sich um reine Marsch- und Übungslager, die selten länger als ein bis zwei Tage genutzt wurden. Anders sieht das bei dem vor fast fünf Jahren in Drüpt entdeckten Auxillarkastell aus – auch wenn lange nicht klar war, dass es sich tatsächlich um ein solches handelte. Die Bestätigung verdanken die Archäologen ausgerechnet dem Klimawandel. „Die Bauern haben unter den Dürresommern gelitten. Uns kann es gar nicht trocken genug sein. Denn dann lässt der Pflanzenwuchs verborgene Strukturen im Boden erkennen“, erklärte Bödecker.

Erkennbar wurden bauliche Details, die zweifelsfrei die römische Herkunft belegen. „Die Römer haben alle Ecken mit einem Viertelkreis abgerundet, um tote Winkel zu vermeiden. Die Rundungen lassen sich auf den Luftaufnahmen sehr gut erkennen“, erläuterte der Experte. Eine Magnetometer-Messung zeigte nicht nur die Fundamente des Kastells, sondern offenbarte auch die Ausmaße der beiden angrenzenden Lager an der ehemaligen B 57 etwa auf Höhe der Kreuzung Drüpt/Borth: insgesamt 35 Hektar. Das entspricht der Fläche von 50 Fußballfeldern.

„Wir haben uns gefragt, wie viele Soldaten damals in Alpen gewesen sein konnten und haben uns ein vergleichbares Lager im israelischen Masada angesehen, zu dem es detaillierte Angaben zur Belegung gibt“, sagte Bödecker. Das verblüffende Ergebnis: In Alpen waren, vermutlich zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert nach Christus rund 24.000 römische Soldaten und Verbündete stationiert. Das wirft die nächsten Fragen auf. Denn eine Truppenbewegung in dieser Größenordnung hatten nur Kölns Statthalter zusammenstellen können. Bödecker: „Wir fragen uns jetzt: Was war in Drüpt los, dass der Statthalter ein ganzes Heer geschickt hat?“

Die strategische Bedeutung Drüpts werde auch am Grundriss des Kastells sichtbar, erläuterte Bödecker: „Es handelt sich um eine Principia, ein Stabsgebäude mit Verwaltung. Darin enthalten war mit dem Praetorium ein Wohnhaus für hohe Offiziere, angrenzend befand sich das Horreum, ein Lagerhaus. Ein weiteres Rätsel ist eine Straße, die vom Lager schnurgerade nach Südosten führt, weg von der eigentlichen Römerroute. „Es wird spannend, den Hintergrund für diesen Straßenverlauf zu entschlüsseln“, schloss der Referent den Vortrag.