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Alpen: Anka Zink ruft das Ende der Bescheidenheit aus und begeistert in Alpen

Anka Zink in Alpen : Unbescheidenes Plädoyer für mehr Aufmerksamkeit

Die Kabarettistin Anka Zink begeistert ihr Publikum im rappelvollen Ratssaal in Alpen. Ihr Therapievorschlag: Loben hilft.

Volles Haus – Anka Zink fasziniert ihr Publikum in Ratssaal, sorgt für Begeisterung. Sie redet ohne Filter, verzichtet auf Klamauk, liefert mit ihrem neuen Programm „Das Ende der Bescheidenheit“ Comedy mit Arroganz. Sie geht auf den informationsüberfluteten Jahrmarkt der Eitelkeiten im 21. Jahrhundert.

Eine These: Wo Aufmerksamkeit fehlt, braucht es energieverschwendende Aktivitäten, um durch andere Bestätigung zu bekommen. Eine Verhaltensweise, die alles abverlangt. Angeben ist immer komplizierter geworden. Das gelingt auch nicht mit dem SUV, dem superunhandlichen Vehikel, das in der Garage sein Klagelied anstimmt, weil er nicht auf die Straße kommt. Früher galt in ihrer Familie dieses Kürzel für „sehr unförmige Verwandte“.

Heute gehört zu den Angebermodulen auch das Smartphone für alle Lebensbereiche. Wisch- und Balkentechniken bis zur optimalen Selfie-Haltung demonstriert Anka Zink eindrucksvoll. Sie zieht gnadenlos die Erkenntnisse ihrer Bürgerkunde durch, denen sich das Publikum nicht verschließen kann. Die Bescheidenheit im politischen Raum nimmt sie unter die Lupe, entlarvt Geheimnisse von komischen Politikern mit komischen Frisuren.

Auch nachdenkliche Töne stimmt sie an. War die Bundesrepublik nach dem Krieg von der Sozialen Marktwirtschaft geprägt, schufen Globalisierung und der Terrorakt im September 2001 eine neue Zeitrechnung. „Nicht nur die Polkappen verrutschen“, so Zink. Aber die Bösen seien immer „die Endverbraucher“. Humorvoll legt sie nach, plaudert über Handwerker und Leihmütter, Hotline-Erfahrungen mit Telefonanbietern wie Datenschutzverordnungen. Sie macht Halt bei hysterischen Küchenhelfern mit Gelinggarantie. „Wussten Sie, dass der Weber-Grill der Thermomix für Männer ist?“, fragt sie ins Publikum, um sich im Rundumschlag an neuen Zivilisationskrankheiten wie Handynacken und Mausarm abzuarbeiten.

Das neue Berufsbild der Influencerin sei nichts anderes als eine Sozialarbeiterin im Internet. Das Grundmanko von allem: mangelnde Aufmerksamkeit. Ihr Tipp: „Sie müssen mehr loben, durchloben ohne Ironie.“ Die Sachen mit der Bescheidenheit hat sie für sich längst geklärt. Ihr Tipp zum Nachahmen: „Es ist schwer bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.“