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Alpen: Als die Kirchengemeinde St. Vinzenz Bönninghardt selbstständig wurde

Kirchengemeinde St. Vinzenz Bönninghardt : Aus dem Glauben in die Selbstständigkeit

Ortsgeschichtler Karl Bröcheler hat die Ursprünge der Schule und katholischen Kirchengemeinde St. Vinzenz Bönninghardt in einer Broschüre zusammengefasst. Angefangen hat alles mit einem Augenarzt aus Oedt.

Am Anfang gab es nicht mehr als ein Dutzend Schulbänke aus Eichenholz und vier kleinere Bänke aus Tanne. Daneben führte Rektor Haan am 17. Juli 1866 in seiner Inventarliste für die Schul-Vikarie Bönninghart ein Pult, drei Wandtafeln und einen Ofen auf. Sowie einen Altar, Messgefäße und Paramente. Die Vikarie war Vorläuferin der Pfarrgemeinde St. Vinzenz und damals die katholische Antwort auf die evangelische Schule, die hier auf dem Höhenzug rund 15 Jahre früher an den Start gegangen war und erfolgreiche Bildungsarbeit leistete.

Ortsgeschichtler Karl Bröcheler hat die Ursprünge der katholischen Kirchengeschichte recherchiert und seine Ergebnisse in einem kleinen Aufsatz zusammengefasst. Titel der Arbeit: „Die katholische Kirche zu Bönninghardt erlangt 1901 ihre Selbstständigkeit“. Die Hauptrolle in dem historischen Geschehen kommt einem angesehenen Mediziner zu. Ohne den Augenarzt Albert Mooren, Geheimer Medizinalrat aus Grefrath-Oedt, hätte die Geschichte wohl erst viel später begonnen und möglicherweise einen ganz anderen Verkauf genommen.

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Doch von Anfang an: Die karge Bönninghardt war ungefähr zur Mitte des 19. Jahrhunderts dünn besiedelt. Weniger als 180 Familien mit knapp 1000 Seelen, meist Nachfahren der armen Siedler aus der Pfalz, die auf dem Weg nach Amerika hier hängen geblieben waren, lebten hier. Sie kannten vor Ort zunächst weder eine kirchliche, geschweige denn eine schulische Versorgung – bis 1849 ein Verein zur Gründung einer evangelischen Schule aus der Taufe gehoben wurde. Am 3. Juni 1851, so der Heimatforscher, wurde der Grundstein gelegt, Mitte November stand Lehrer Friederich Wilhelm Christian Pohlmann vor seinen Schülern. „Sein Grabkreuz ist heute noch auf dem evangelischen Friedhof auf der Bönninghardt zu finden“, schreibt Bröcheler.

 Die Inventarliste zeigt auf, dass die Schul-Vikarie Bönninghardt anfangs mit lediglich zwölf Schulbänken und einem Pult auskam.
Die Inventarliste zeigt auf, dass die Schul-Vikarie Bönninghardt anfangs mit lediglich zwölf Schulbänken und einem Pult auskam. Foto: Bröcheler

Pohlmanns pädagogische Arbeit spornte nicht nur seine Kinder, sondern auch die Katholiken an. Persönlichkeiten um den Pfarrer in Sonsbeck riefen sodann einen „Verein zur Erziehung armer katholischer Kinder“ ins Leben. Der sammelte zunächst Spenden für den Bau und die Einrichtung eines Gebäudes, das Schule und Kirche zugleich sein sollte. Ein günstig gelegenes Grundstück bekam der Verein geschenkt. Spenderin war die Witwe des Landbaumeisters Otto von Glöden zu Haus Veen.

Die Planer standen vor der Herausforderung, das Haus so zu konzipieren, dass Schule, Kirche und die Wohnung für den Rektor unter einem Dach verträglich vereint werden konnten. Der Rektor war damals Schulmeister und Pfarrer in Personalunion.

1862 erfolgte der erste Spatenstich, zwei Jahre später konnte der Schulbetrieb anlaufen. Erster Rektor war ein gewisser Theodorus Haan aus dem rechtsrheinischen Rees. Er wohnte mit seiner Haushälterin sowie einem ledigen Junglehrer „ohne Anhang“ im Obergeschoss, im Erdgeschoss der Vikarie brachte er den armen katholischen Kindern wochentags Lesen, Rechnen und Schreiben bei, sonntags hielt er hier den Gottesdienst.

So lief der Schul- und Kirchenbetrieb bis zum Jahrtausendwechsel, als der legendäre Pfarrer Johannes Sanders auf die Bönninghardt kam, wo er bis 1936 streng darauf achtete, dass es gesittet und moralisch sauber zuging. 1900 aber brach die Einheit von Kirche und Schule auf. Gegenüber baute die Gemeinde eine Schule, in der ein weltlicher Lehrer die Bildungsarbeit übernahm.

Die Kirche auf der Hei, ein Anhängsel von St. Ulrich in Alpen, strebte fortan nach Selbstständigkeit. Wie ausgeprägt die Abhängigkeit vom guten Willen des Pastors in Alpen war, belegt Bröcheler mit einem Zitat von 1900: „Ausnahmsweise hat der Herr Pastor von Alpen eine Trauung in unserer Kapelle gestattet.“

Vier Jahre zuvor hatte man der Filiale auf der Bönninghardt „nach langen, mühevollen Verhandlungen“ einen eigenen Friedhof zugebilligt. An einem Samstagabend im März 1901 überbrachte Pfarrer Sanders die frohe Botschaft: Das Generalvikariat in Münster hatte Urkunden übersandt, die einen Markstein in der Geschichte der Bönninghardt besiegelten. Nachdem es der Pastor von der Kanzel verkündet hatte, stand die Pfarre auf eigenen Füßen und durfte fortan selbst über ihre eigenen Belange entscheiden. Basis für die Abkopplung von Alpen war ein wohlhabender Mann, der dem Bistum Münster einen 30 Hektar großen Hof in Kamp (Beginnenhof) vermacht hatte. Einzige Bedingung des Spenders: Damit solle die Selbstständigkeit der katholischen Pfarrstelle auf der Bönninghardt gesichert werden. Sein Wille sollte geschehen.

Schenker war besagter Augenarzt aus Oedt mit der ausgeprägten Vorliebe für Landbesitz, der seinen Kindern mehr als zehn Güter und Höfe hinterließ. Als junger Mediziner erwarb sich Albert Mooren einen hervorragenden Ruf, der bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. 1869 berief König Leopold II. von Belgien den Chefarzt der noch jungen Augenklinik in Düsseldorf zum Leiter einer Augenklinik in Limbourg bei Lüttich. Der Professor hielt Vorträge bei Kongressen in New York und Moskau. Aber auch die kleine Bönninghardt lag ihm am Herzen.