Alpen: Aloys Oymann ist Vogelbauer für Schützenfeste in Drüpt und Borth

Vogelbauer Aloys Oymann : Vergängliche Kunst für die Stange

Aloys Oymann ist zwar schon seit 35 Jahren im Ruhestand. Seiner Passion folgt der gelernte Schreiner aber bis heute: Er baut noch mit 90 Jahren Holzadler für Schützenfeste.

Ein Mähroboter dreht einsam seine Runden über den gepflegten Rasen, Haus und Garten sind picobello in Schuss. Damit das so bleibt, klingelt der Wecker von Aloys Oymann jeden Morgen um fünf Uhr in der Frühe. Eigentlich bräuchte er nicht so früh raus aus den Federn. Denn vor wenigen Wochen ist Oymann 90 Jahre alt geworden. Er genießt bereits seit 35 Jahren seinen Ruhestand. Doch der gelernte Schreiner hat eine Passion: Er baut hölzerne Vögel. Nicht irgendwelche: Eine seiner Adlernachbildungen ist am kommenden Sonntag die Hauptfigur beim Schützenfest in Drüpt und fällt, um jemanden zum König zu machen.

Die Arbeit des Vogelbauers aber geht weiter. Schon im September erwarten die St. Evermarus-Schützen in Borth zwei seiner Prachtstücke. „Wenn die Leute behaupten, ich habe einen Vogel, haben sie nicht ganz Unrecht“, bekennt Oymann mit einem Augenzwinkern. Aus jeweils zwei 4,20 Meter langen Holzbohlen fertigt der Vogelbauer in vier Wochen regelrechte Kunstwerke an. Die bestechen durch Details, die kaum jemand von der Schützenwiese aus erkennen dürfte.„Um das Gefieder nachzubilden, schleife ich mit einer Trennscheibe kleine Furchen in die Flügel“, erklärt Oymann. Selbst Krallen, Augen und der Schnabel sind millimetergenau ausgearbeitet und farbenfroh lackiert. Eines dieser Prachtstücke wird am Sonntag unter den Augen des Erbauers Schuss für Schuss zerstört. Dem macht das nicht viel aus: „Das ist nun mal so, dafür mache ich das ja.“ Wenn dann am Abend die Überreste in die Mülltonne wandern, darf ein Teil nicht dabei sein. „Die Krone müssen sie mir zurückgeben, die kommt im nächsten Jahr wieder drauf“, so Oymann.

Seit vierzig Jahren beliefert er die Drüpter Bürgerschützen mit dem begehrten Zielobjekt für die Stange. Die Vorlage ist immer dieselbe. „Es müssen Adler sein, das ist Sitte.“ Eigentlich. Doch unter den bereits fertiggestellten Nachbildungen der Könige der Lüfte fällt eine weiße Gans ins Auge, die den Betrachter neckisch angrinst. „Das ist der Frauenvogel für das Borther Schützenfest, aber keine dumme Gans“, betont Oymann, um Missverständnissen vorzubeugen.

Ein Renner sind auch die selbst gebauten Schützenkameraden aus Holz. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Was Form und Farbgebung betrifft, hat der Witwer freie Hand. Einzige Bedingung: Fünf Stunden sollte sich der Holzvogel wehren, bevor er sich geschlagen gibt und fällt. Das verlangt nach entsprechender Stabilität: Sechs je 40 Millimeter dicke Holzscheiben werden dafür auf eine fingerdicke Gewindestange geschraubt und bilden den Rumpf. Mit Flügeln, Füßen, Hals und Kopf summiert sich das Gewicht des hölzernen Ungetüms schon mal auf einen satten Zentner. Erweist sich der Königsvogel am Ende doch mal als zu stabil, wird nachgeholfen. „Dann werden Pfeile mit Eisenspitzen eingeschlagen, die das Holz aufreißen“, erläutert Oymann.

Vor einigen Jahren kam der ehemalige Solvay-Mitarbeiter auf die Idee, auch hölzerne Schützen mit Gewehr und Orden als Dekoration für die Schießstände anzubieten. Was als kleiner Gag gedacht war, entwickelte sich schnell zum Renner. Inzwischen hat Oymann 96 dieser Holzkameraden ausgeliefert.

Da der Vogelbauer immer dabei ist, wenn es seinen Werken an den Kragen geht, gilt er unter den Aspiranten auf die Königswürde als vermeintlicher Hinweisgeber. Bringt aber nichts, denn Oymanns Vögel haben keine Schwachstellen. „Man holt sie nur von der Stange, indem man die einzelnen Scheiben von hinten der Reihe nach wegschießt. Die vordere ist bis dahin einfach zu fest“, versichert Oymann, der selber nie Schützenkönig werden wollte. Königsmacher reicht ihm.

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