Alpen: Afghanischer Filmemacher wird Optiker

Alpen: Afghanischer Filmemacher wird Optiker

Sayed Islam Sadat, der in Alpen lebt, hat eine Ausbildung zum Augenoptiker in Kamp-Lintfort begonnen. Er floh vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland, weil sein Film "Ethics of Love" durch die Taliban-Zensur fiel.

Sein Film "Ethics of Love" macht die Runde am Niederrhein. Er war in Rheurdt und Rheinberg zu sehen. Auch im Sonsbecker Kastell wurde er gezeigt. "Verbotene Liebe", wie sein Streifen auf Deutsch heißt, lief ebenso im Kriemhildsaal im Xantener Nibelungenmuseum. Darin spielt Sayed Islam Sadat, der auch Autor und Produzent ist, einen jungen Muslim namens Samir, der sich in Kabul in die junge Hindu namens Simran verliebt.

Das ruft im Film die verfeindeten Familien auf den Plan, wie beim Shakespeare-Klassiker Romeo und Julia. In der Wirklichkeit ließ das außerdem die stillen Machthaber in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf der Bildfläche erscheinen, wahrscheinlich auch, weil sich der Film neben der jungen Liebe auch um die Korruption in Afghanistan dreht.

Nachdem vor vier Jahren einige Journalisten den Streifen gesehen hatten, um darüber positiv im Fernsehen zu berichten, bekam der Vater von Sayed Islam Sadat seinen ersten Besuch von Taliban-Freunden. "Sie haben ihm gesagt, ich solle den Film nicht öffentlich zeigen", erzählt der 26-jährige Filmemacher, während er sichtlich bemüht ist, das Wort Taliban nicht über seine Lippen kommen zu lassen. "Ein Muslim darf sich nicht in eine Hindu verlieben." Der Mann aus Kabul riskierte es nicht, seinen Streifen in der Heimat ein zweites Mal vorzuführen. "Sie töten Menschen für viel einfachere Dinge", stellt der junge Mann nüchtern fest.

Im August 2015 flog er von Afghanistan aus in die Türkei, um von dort über Griechenland, Mazedonien und Österreich Deutschland zu erreichen. Ende 2015 kam er nach Alpen, wo er die Unterstützung der dortigen Flüchtlingshilfe schnell schätzen lernte. "Die Flüchtlingshilfe hat mir einen Deutsch-Integrationskurs finanziert", erzählt der Wahl-Alpener. "Ein solcher Kurs steht einem Flüchtling aus Afghanistan nicht sofort zu."

  • Kamp-Lintfort : Afghanischer Filmemacher wird Optiker

Über Flüchtlingshelferin Ursula Arens kam er mit Astrid Tersteegen in Kontakt. "Sie ist eine sehr gute Kundin von mir", erzählt die 51-jährige Augenoptikermeisterin aus Hoerstgen, die in Kamp-Lintfort und Issum unter dem Namen "Blickwinkel" Brillen verkauft, anpasst und repariert. "Im April war Sayed Islam Sadat drei Tage bei uns im Geschäft und in der Werkstatt. Im August hat er die Ausbildung zum Augenoptiker angefangen. Seine Ausbildung zum Bankkaufmann in Afghanistan wurde hier nicht akzeptiert, genauso wenig sein Abitur und sein Führerschein."

Deshalb hat der Alpener kein Auto. So fährt er jeden Morgen mit dem Zug von Alpen nach Moers, um mit dem Bus nach Kamp-Lintfort zu kommen, wo er zurzeit in der Werkstatt arbeitet. "Welcher Auszubildende nimmt schon drei Stunden Fahrt in Kauf?", freut sich Reinhard Tersteegen über den Einsatz von Sayed Islam Sadat. "Wir sind mit ihm sehr zufrieden." Gleichzeitig ist der Lehrling seiner Chefin mehr als dankbar. "Sie hat mir diese Chance gegeben", sagt Sayed Islam Sadat, der sein Deutsch noch nicht für perfekt hält. "Hier herrscht eine sehr nette Atmosphäre."

Sobald er die Ausbildung abgeschlossen hat, will er als Augenoptiker arbeiten. Außerdem hat er den Plan, einen zweiten Film drehen. Die Idee dazu steckt bereits in seinem Kopf. Die Beziehung einer Mutter zu ihrem Sohn soll im Mittelpunkt stehen.

(RP)