Ackerbau-Spezialist Lemken in Alpen gibt Menschen mit Behinderung eine Chance

Inklusion am Arbeitsplatz : Wo Inklusion am Arbeitsplatz klappt

Konzertierte Aktion in der „Woche der Menschen mit Behinderung“. Die RP stellt drei Leute mit Handicap vor, die bei Lemken eine Chance erhalten.

Heute beginnt die „Woche der Menschen mit Behinderung“. Am Donnerstag, 5. Dezember, unterzeichnen der Verband Metall NRW, die IG Metall und die Regionaldirektion NRW der Agentur für Arbeit und Integration in Bocholt einen gemeinsamen Aufruf zur „Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“. Die Woche ist für den Arbeitgeberverband Niederrhein Anlass, „auf das Arbeitskräftepotenzial und die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung, die vielfach sehr gut ausgebildet und fachlich qualifiziert sind, hinzuweisen“, so Verbandssprecherin Astrid Holzhausen.

Ein beispielhaftes Unternehmen auf diesem Gebiet sei die Alpener Firma Lemken. Der weltweit agierende Produzent hochwertiger Ackerbaugeräte gehe hier seit Jahren voran. „Wir suchen nicht speziell nach Beschäftigten mit Handicaps“, sagt Gesellschafterin Nicola Lemken, „aber wenn’s sich ergibt, freuen wir uns sehr, dass wir diesen Mitarbeitern eine berufliche Chance geben können und sehen, dass es sich für alle Beteiligten auszahlt.“

Am Firmensitz in Alpen hat die RP drei Männer mit Handicaps getroffen, die bei Lemken eine berufliche Heimat gefunden haben und hier wie selbstverständlich qualifizierte, von allen geschätzte Arbeit leisten.

Georg Kraemer, Lagerist Georg Kreamer (53) ist schon seit 30 Jahren im Betrieb am Lemken-Stammsitz in Alpen, knapp die Hälfte der Zeit arbeitet er im Lager, stellt Kommissionsware für die Bautrupps in der Fertigung zusammen und hat einen verlässlichen Überblick darüber, wo und in welcher der zahllosen grauen Kisten für Kleinteile was verborgen ist. Der 53-Jährige, der in Borth wohnt, sich aber weiter als Büdericher fühlt, wo seine Familie seit Generationen zu Hause ist, ist körperlich mehrfach behindert. Vor allem seine Diabetes-Füße machen ihm, obwohl er spezielle Schuhe trägt, das lange Stehen äußerst beschwerlich. Daher ist ihm sein höhenverstellbarer Spezialrollstuhl, eher zufällig im Lemken-Blau, eine echte Hilfe, die zwischendurch Erleichterung verschafft. Ansonsten sei er voll integriert ins Team. Der 53-Jährige ist zuversichtlich, dass er es an seinem Arbeitsplatz bis zur Rente schafft. „Ich hab’ ja noch ein paar Jährchen“, sagt er. Der Lageristen-Job sein nicht nur für sein Selbstwertgefühl wichtig, sondern bewahre ihn auch vor möglicher Altersarmut. Die schmerzhafte Vorstellung, dass er Sozialleistungen beziehen müsste, die letztlich das Erbe seiner Familie und den kleinen landwirtschaftlichen Betrieb aufzehren würden, mag er gar nicht erst zulassen.  . Foto: Fischer, Armin (arfi)
Jan Fehlings (25), IT-Experte Der Asperger-Autist ist gelernter Telekommunikationstechniker und 2013 durch ein Praktikum in die IT-Abteilung bei Lemken gekommen. „Jan hat eine enorme Entwicklung gemacht“, sagt sein Kollege Martin Jendrzwejczek. „Am Anfang hat er kein Wort gesprochen.“ Jan Fehlings, der inzwischen sogar seinen Führerschein gemacht hat, erzählt seine Geschichte. Er ist immer dann gefragt, wenn irgendwo auf der Erde ein Lemken-PC stockt. Im Werk kennt er jeden Winkel und jeden Rechner. Die Arbeit tut ihm gut. „Auch das Team profitiert, lernt Rücksichtnahme“, sagt der Kollege. Er „trainiert täglich“, um noch besser mit Menschen in Kontakt treten zu können. Sein Hobby ist eher still. Daheim kümmert er sich um die Fische im Aquarium, eine Leidenschaft, die er im Übrigen mit dem Kollegen Jendrzwejczek teilt. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Gesetzlich sind Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten verpflichtet, fünf Prozent der Stellen mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen. Um das Soll zu erreichen, arbeitet Lemken schon lange mit der Behindertenwerkstatt Haus Freudenberg in Kleve zusammen.