Rheinberg Acht Stolpersteine für Orsoy

Rheinberg · Gunter Demnig hat die Gedenksteine für die jüdische Opfer des Nazi-Terrors verlegt. Einen für Emma Cahn an der Binsheimer Straße 3 und sieben für Familie Friedemann an der Egerstraße 6. Familienangehörige nahmen teil.

Die Verlesung der blanken Stolperstein-Inschriften wirkt bei den Anwesenden nach. "Hier wohnte Simon Friedemann, 1872 geboren, deportiert und ermordet in Auschwitz." Die Namen von Emma, Walter, Elfriede, Kurt, Irma und Thea folgen. Familie Friedemann wurde sowohl in Auschwitz als auch in Lodz ausgelöscht. Stille kehrt bei der Gruppe ein, die ab 9 Uhr morgens der Verlegung der Stolpersteine beiwohnt.

Gunter Demnig ist bei der Arbeit. Geschickt und mit wenig Werkzeug hat er die Gehwegplatten ausgehebelt und die Stolpersteine aus Messing verlegt. Er hat in Deutschland und Europa mehr als 27 000 Stolpersteine verlegt. Eine bescheidene Zahl angesichts der millionenfachen Ermordung jüdischer Familien in der Nazi-Zeit.

Mit Gänsehaut

Bei den Stolpersteinverlegungen hat er bereits vieles erlebt, wie er berichtete. Selten und dafür von besonderer Bedeutung sind Termine, bei denen Familienangehörige anwesend sind. Orsoy ist für ihn ein Moment, an den er sich "mit Gänsehaut erinnern wird".

Während er die Steine in den Gehweg einarbeitet, kommt das leise Gespräch zustande. Ja, Familie Friedemann war bekannt. "Meine Schwiegermutter erzählte, dass es damals eine schwarze Liste gab. Öffentlich wurden die Name der Kunden verlesen, die dort kauften", erzählt Ortsvorsteherin Karin Simon.

Ganz zum Schluss seiner Arbeit wischt Gunter Demnig die Inschrift auf den Steinen sauber, deren Buchstaben einzeln während der Produktion in das Metall eingeschlagen werden. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit der Stolpersteine, die andere im Vorübergehen an die Schattenseite deutscher Geschichte erinnern.

Als "Zeichen der Mahnung und des Gedenkens" bezeichnet sie Ortsvorsteherin Simon. Bis heute sei es schwer, eine Antwort auf die Reichskristallnacht zu bekommen, fügt Pfarrer Thorsten Diesing aus Budberg hinzu. "Es darf kein weiteres Mal ein Unrecht geschehen", meint er. Das "Unrecht des Vergessens" sei in Orsoy nun nicht mehr möglich. Die Existenz der Familie Friedemann sei jetzt "nach Hause" zurückgekehrt.

Glückliche Kindheit in Orsoy

Bewegt dankte Ruth, Tochter von Herta Friedemann, für die Begegnung. "Meine Mutter hat immer über ihre glückliche Kindheit in Orsoy erzählt", meint Ruth Fluss. "Meine Mutter wäre auch mitgekommen", ist sich Ruth Fluss sicher. Herta verstarb 99-jährig vor zwei Jahren in Haifa.

(RP)
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