Rheinberg: Ab sofort kümmert sich der Betriebsrat um Amazon

Rheinberg: Ab sofort kümmert sich der Betriebsrat um Amazon

Die Arbeitnehmervertretung in Rheinberg hat sich konstituiert. Das Arbeitszeitmodell und die Parkplatzsituation sind wichtige Themen.

Die Wahl war gut gelaufen, die Beteiligung der Belegschaft enorm: Mehr als 90 Prozent der anwesenden Mitarbeiter am Amazon-Standort wählten ihren ersten Betriebsrat (RP berichtete). Die Arbeitnehmervertretung hat sich nun konstituiert und ist ab sofort ganz offiziell im Amt, bestätigte Tim Schmidt, der als Wahlvorstand amtiert hatte, gestern im Interview.

Herr Schmidt, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Wahl — oder müsste man Sie vielleicht eher ein wenig bedauern angesichts der Fülle von Aufgaben, die auf Sie und Ihre Kollegen wartet?

Tim Schmidt Es gibt ganz sicher genügend Themen, die auf uns warten. Dazu gehören die Pausenzeiten. Dann ist eventuell ein neues Arbeitszeitmodell zu entwickeln. Wir brauchen eine vernünftige Lösung der Parkplatzsituation. Wir werden uns auch mit dem Öffentlichen Personennahverkehr befassen denn wenn der perfekt klappt, gibt das so manchem Kollegen erst die Möglichkeit, für den Weg zur Arbeit auf das eigene Auto zu verzichten.

Wie werden Sie diese Aufgaben im Betriebsrat verteilen?

Schmidt Wir sind insgesamt 21 Betriebsratsmitglieder...

...von denen Sie zum Vorsitzenden der neuen Arbeitnehmervertretung gewählt wurden...

Schmidt ...und von denen vier voll, sowie weitere zwei teilweise für ihre Aufgaben freigestellt sind. Wir werden zunächst einmal damit beginnen, möglichst schnell die Grundlagen der Betriebsratsarbeit zu schaffen. Der Großteil der Gewählten muss das kleine Einmaleins des Betriebsverfassungsrechts und des Arbeitsrechts lernen. Dann werden weitere Schulungen folgen, bei denen sich Schwerpunkte bilden werden.

Wie viele Kollegen vertreten sie in Rheinberg?

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Schmidt Am Tag der Wahl waren es genau 2870, mittlerweile dürfte die Marke von 3000 Beschäftigten am Standort Rheinberg überschritten sein.

Betriebsräte sind im Amazon-Konzern eher noch eine rare Spezies. Lässt sich da überhaupt ein Netzwerk mit anderen Standorten schaffen, um gemeinsam Interessen zu verfolgen?

Schmidt Es gibt bereits Betriebsräte in Bad Hersfeld und in Leipzig, sowie gerade neu in Graben. Werne, Koblenz und Pforzheim werden bald folgen.

Apropos Bad Hersfeld: Berichte über die Situation dort haben kürzlich hohe Wellen geschlagen — sehen Sie ähnliche Probleme auch in Rheinberg?

Schmidt Wir haben hier diese Situation nicht. Es gibt hier nicht Tausende Leiharbeiter, die irgendwo untergebracht werden. Es gibt auch hier einen Sicherheitsdienst, ohne den es wohl auch gar nicht geht und der — jedenfalls soweit wir es bisher erleben — ordentlich arbeitet. Aber grundsätzlich werden wir auf alles achten, um Probleme von vornherein so früh wie möglich beheben zu können.

Werden Sie auch Kontakte zu Gewerkschaften und zu anderen Betriebsräten von Unternehmen in der Region knüpfen?

Schmidt Wir werden uns zunächst einmal selbst aufstellen und sehen, in welchen Schuhen wir in welche Richtung laufen können. Selbstverständlich suchen dann aber auch das Gespräch mit anderen Betriebsräten. Und die Zusammenarbeit mit Verdi ist ohnehin gut — von den 21 Betriebsratsmitgliedern kamen 15 über die Verdi-Liste in die Arbeitnehmervertretung.

RAINER KAUSSEN FÜHRTE DAS INTERVIEW.

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(RP/rl)