Rheinberg: 50 Menschen, 50 Hobbys, 50 Jahre

Rheinberg: 50 Menschen, 50 Hobbys, 50 Jahre

Die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein bestehen seit einem halben Jahrhundert. Aus diesem Grund wird im September ein Buch erscheinen. Die Fotos dafür werden jetzt von RP-Fotograf Armin Fischer in Rheinberg gemacht.

Nils Kohlmann ist ein Kerl wie ein Baum. Der 28-Jährige arbeitet in der Schreinerei der Caritas-Werkstätten am Nordring in Rheinberg. Nun legt der junge Mann mit der grünen Latzhose eine Pause ein und meldet sich etwas schüchtern im provisorischen Fotostudio, das RP-Fotograf Armin Fischer in den Caritas-Räumen im Rheinberger Gewerbegebiet eingerichtet hat.

Fischer und Andrea Emde, Pressesprecherin der Caritas Wohn- und Werkstätten, empfangen Nils, der eine geistige Behinderung hat, freundlich. Nils Kohlmann ist ein großer Lego-Fan, heute hat er eine selbst gebaute Zeitmaschine mit Licht von zu Hause mitgebracht. Armin Fischer fotografiert ihn - mit dieser Zeitmaschine und in seiner Arbeitskluft, während sich Andrea Emde Notizen macht.

Die beiden treffen sich seit einigen Wochen einmal pro Woche am Nordring zur Foto- und Interviewsession, wie Andrea Emde erklärt: "Wir arbeiten hier an einem Buch über 50 Jahre Caritas Wohn- und Werkstätten. Es wird im September erscheinen und wird ,50 Jahre - 50 Menschen' heißen." Zum Jubiläum wollte die Geschäftsführung gerne etwas Besonderes präsentieren. Dass der langjährige Geschäftsführer Bernhard Wippermann in diesem Jahr in den Ruhestand geht, war ein weiteres Argument für das Buchprojekt.

Fünf Wohn- und Werkstätten betreibt die Caritas in Rheinberg, Moers und Duisburg-Rheinhausen. "Bei uns sind 1200 Menschen mit Behinderungen beschäftigt, sie kommen alle vom linken Niederrhein", sagt Andrea Emde. "Sie kommen nach der Schulzeit, meistens sind sie dann 18 Jahre alt und können bis zur Rente bei uns bleiben." Beschäftigt sind die Frauen und Männer in ganz unterschiedlichen Bereichen. Betreut und angeleitet werden sie von rund 750 Angestellten, die in der Verwaltung therapeutisch oder handwerklich arbeiten."

Einer dieser Angestellten ist Norbert Derks aus Geldern-Hartefeld. Der 56-Jährige ist gelernter Schlosser, war früher im Bergbau tätig und ist jetzt schon seit 18 Jahren bei den Caritas-Werkstätten beschäftigt. Auch er lässt sich für das Buch von Armin Fischer fotografieren, ist dafür extra noch einmal in sein Kostüm geklettert. Denn Norbert Derks war in der vergangenen Session als Karnevalsprinz Hoppi I. in seinem Heimatort Hartefeld unterwegs. Er unterstützt das Projekt gerne und findet auch den Ansatz, den "roten Faden" für die besonderen Fotos gut.

Diese Idee erläutert RP-Fotograf Armin Fischer: "Alle 50 Frauen und Männer, die im Buch abgebildet werden, sollten sich in Verbindung mit ihrem Hobby oder einer Sache, die ihnen sehr am Herzen liegt, präsentieren." Als kleines optisches Moment tauchen auf allen Bildern Stühle in verschiedenen Farben auf. Mal nur einer, mal mehrere. "Das ist schon mehr als ein Ablenkungsmanöver zur Auflockerung bei den Aufnahmen", so Fischer. "Jeder kann die Stühle einsetzen, wie es ihm gefällt." Andrea Emde schreibt die Texte für das Buch, das in einer Auflage von 2000 bis 3000 Exemplaren erscheinen wird. Die Interviews führt sie während der Fotoaufnahmen, die immer mittwochs laufen. Wie Armin Fischer genießt sie diese Mittwochs-Sessions. "Es macht sehr viel Freude zu sehen, wie sich die Menschen auf das Projekt einlassen", sagt die Journalistin.

(up)