50 Jahre Alpener Wochenmarkt – eine Erfolgsgeschichte

Alpen: Alpens Markt brummt seit 50 Jahren

In der Gemeinde erfreut sich der wöchentliche Markt seit nunmehr einem halben Jahrhundert gleichbleibender Beliebtheit. Obwohl, oder gerade vielleicht auch weil er am Freitagnachmittag zwischen 14 und 18 Uhr stattfindet.

Die Glanzzeit der Wochenmärkte ist schon lange vorbei. Überall am Niederrhein klagen Kommunen darüber, kaum noch Händler für den traditionellen Verkauf in der Ortsmitte gewinnen zu können. Schuld an der Krise sind wahlweise das veränderte Kaufverhalten der Kunden, ungünstige Marktzeiten für Berufstätige oder eben ein zu dürftiges Angebot.

Argumente, über die man in Alpen nur milde lächeln kann. Hier erfreut sich der wöchentliche Markt seit nunmehr 50 Jahren gleichbleibender Beliebtheit. Obwohl, oder gerade weil er am Freitagnachmittag zwischen 14 und 18 Uhr stattfindet. Einer Zeit, in der viele Menschen noch arbeiten müssen. „Der Tag ist goldrichtig. Meine Mutter hat schon gesagt: Freitags wird in Alpen eingekauft“, erklärt Friedhofsgärtner Andre Koppers. Er bietet über 100 Blumensorten an, alle schnittfrisch – aus seiner Sicht das Erfolgsgeheimnis: „Wenn man gescheite Waren anbietet, sind die Kunden auch bereit, Geld auszugeben. Die Alpener sind sehr kaufkräftig, mein Umsatz ist hier höher als auf dem deutlich größeren Markt in Wesel.“

Friedhofsgärtner André Koppers. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Dass die Markthändler ihr Geschäft in unmittelbarer Nähe zu zwei Supermärkten betreiben, spielt keine Rolle. Koppers: „Das ist eine völlig andere Kundschaft. Wer sparen will, geht dorthin und wer auf Frische und Qualität setzt, kommt zu uns.“ Merkmale, die dafür gesorgt haben, dass der Anteil der Stammkunden enorm hoch ist. Mit vielen von ihnen sind die Marktbeschicker längst per Du.

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Einer davon ist Dirk Finke. „Ich komme jede Woche hierher, eben weil alles so frisch ist. Es ist doch ein Unterschied, ob die Milch aus dem Tetrapack oder von der Kuh kommt“, erzählt der Alpener. Obst- und Gemüsehändlerin Angelika Brücker kann das nur bestätigen: „Man merkt schon am Geruch, ob ein Bund Petersilie aus dem Supermarkt oder vom Wochenmarkt kommt.“ Das sorgt für Zufriedenheit und entspannte Atmosphäre. „Ich komme seit 25 Jahren hierher, weil hier unglaublich nette Menschen leben“ versichert die Xantenerin. Die sympathische Kundschaft ist auch für Käsehändler Henk Gerdes ein Grund, seit 30 Jahren dem Ensemble der Alpener Marktverkäufer anzugehören. „Ich definiere einen Markt nicht über den Umsatz, denn das ist längst nicht alles. Mir sind freundliche Menschen und der persönliche Kontakt viel wichtiger. Das hier ist kein Feierabendmarkt, hier haben die Leute noch Geduld“, so Gerdes, der sich trotz Warteschlange vor der Theke die Zeit für ein kleines Gespräch nimmt. Seinen Käse bekommt er frisch aus Holland. Sein Erfolgsrezept klingt simpel: „Wer es lecker haben möchte und keinen Verpackungsmüll braucht, kommt hierher.“

Birgit Tast. Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Nicht nur die Kunden kommen immer wieder, auch bei den Händlern herrscht ein hohes Maß an Kontinuität. „Meine Eltern haben den Wochenmarkt vor 50 Jahren mitbegründet, seitdem sind wir jede Freitag hier“, erklärt Birgit Tast von der Landfleischerei Tepaß. Die Schwester des heutigen Firmeninhabers Axel Tepaß ist davon überzeugt, dass die Alpener ihre Liebe zum Wochenmarkt in den Genen tragen: „Kaufverhalten vererbt sich, wenn die Eltern nicht beim Discounter einkaufen, machen es die Kinder auch nicht. Außerdem hat sich das Bewusstsein der Käufer verändert. Frische und Qualität sind große Themen.“ Fragt man Tast, was sie am Alpener Wochenmarkt besonders schätzt, muss sie nicht lange nachdenken: „Die fast schon familiäre Atmosphäre hier ist außergewöhnlich.“

Sie trägt auch dazu bei, dass auf dem Alpener Markt eine Sache kaum möglich ist: Mal eben schnell einkaufen. Stammkunde Kurt Wozniak schätzt genau das: „Man trifft hier immer Freunde oder Bekannte und dann gehört ein Schwätzchen einfach dazu.“

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