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Rheinberg: 150 Quadratmeter Plaggen für die Hütte

Rheinberg : 150 Quadratmeter Plaggen für die Hütte

Vor rund 200 Jahren waren auf der Bönninghardt Konstruktionspläne und behördliche Baugenehmigungen fremd. Man wählte einfach die billigste und simpelste Art des Bauens und bediente sich dabei sämtlicher Materialien, die in der Umgebung zu finden waren. Somit auch der Plaggen.

Das sind Grasmatten von 40 mal 60 Zentimeter Größe, die etwa zehn Zentimeter dick aus dem Erdreich gestochen werden — also überall zu finden und somit Bauelement für Jedermann.

"Es geht bei dem Neuaufbau darum, Geschichte zu erhalten und an die Jugend weiter zu geben", erklärte Friedhelm Rosin, erster Vorsitzender des Fördervereins Naturschutz und Brauchtum, die müsse nämlich die Vergangenheit und das Wissen wach halten. So arbeiten unter dem Dachverband des Fördervereins insgesamt neun Bönninghardter Vereine, mit teils vielen Jugendlichen, an der neuen Rekonstruktion der Plaggenhütte.

Ohne Nägel und Drähte

Gebaut wird ganz nach Art der Vorfahren: ohne Nägel, ohne Drähte und erst recht ohne künstliche Bindemittel. Alle Materialien werden wie früher aus der Natur genommen und ausschließlich per Handarbeit zusammen gebaut. Nachdem der erste Bautrupp die stabilen Außenpfosten aus Kastanie in den Boden gesetzt hat und auch die Querstreben aus Lärchenholz angebracht waren, galt es am Wochenende die Plaggen zu stechen und Wände auszukleiden. Allein am Samstag wurden rund 150 Quadratmeter Plaggen verbaut.

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Ein Ende steht dennoch noch nicht in Sicht, denn neben dem Wohnraum haben die Bauherren auch einen Stall in ihre Konstruktion eingeplant. Nach dem Legoprinzip setzten die Helfer die Elemente aufeinander, verzahnten sie zur Stabilität ineinander und schnitten Überstände ab. Fenster und Türen sollten schließlich frei bleiben.

Schutz gegen Kälte und Wärme

Sauber blieb bei der Arbeit niemand, doch immer wieder wurde über die Finesse der Vorfahren gestaunt. "Die waren damals nicht dumm", waren sich die Helfer einig, "im Sommer schützen die dicken Plaggen vor Wärme und im Winter vor Kälte." Zudem wurden die Häuser etwas angehöht, um Regenwasser abfließen zu lassen.

Wenn die Wände stehen, bekommt die Plaggenhütte ein Dach aus Ginster. Anschließend wird das Gelände an der Bönninghardter Straße in Zusammenarbeit mit dem NABU mit Obstbäumen bepflanzt. Autos dürfen nicht darauf fahren, doch vom Parkplatz der Katholischen Kirche aus sind Wegweiser aufgestellt worden, die Jakob Brünken in liebevoller Arbeit handgeschnitzt hat.

Die Plaggen stachen die Helfer in Veen, da die Erde lehmhaltig sein muss, in Bönninghardt die Erde aber sehr sandhaltig ist. Die Bäume und der Ginster stammen von einem Gelände in Wesel, das dem Naturschutzbund gehört. Die alte Plaggenhütte musste abgerissen werden, da die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war.

(RP)