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Rheinberg: 15 für immer: Die Mofa-Rocker kommen

Rheinberg : 15 für immer: Die Mofa-Rocker kommen

Am Sonntag eröffnet der Mofa- und Moped-Club Lagerschaden vor dem Aratta die Saison. Dann sind nur Zweitakter-Maschinen zugelassen. Eine Ausfahrt nach Sonsbeck ist geplant. Devise: Mit Tempo 30 vorwärts in die Vergangenheit.

Diese Vibrationen, das Tuckern des Anderthalb-PS-Zweitaktermotors, der Geruch des 1:50-Gemischs und der Krach, wenn man den Gashahn aufdrehte. Keine Frage: Es war das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Damals, mit 15 Jahren. Die erste Mofa. Als Jugendlicher brauchte man in den Siebzigern nicht viel zum Glücklichsein. Lange Haare, Schlaghose, eine enge Jeansjacke mit von Muttern aufgesticktem Band-Schriftzug - wahlweise Sweet, Slade, T. Rex, Status Quo oder Deep Purple -, dazu vielleicht noch die Blicke bewundernder Mädchen - und die Welt war im Döschen.

Wer Mofa fuhr, hatte den Sprung in die Welt der Jugendlichen geschafft. Das war cool, das war töfte, das war nicht zu vergleichen mit einem Ausritt auf einem Bonanza-fahrrad. Selbst wenn der Fuchsschwanz am hohen Bügel des Bananensattels noch so lässig im Wind wehte.

Wie schön waren die Ausfahrten mit Kumpels, die ebenfalls Mofa fuhren. Die erste Freundin auf dem Gepäckträger, die erste Zigarette an der Pommesbude. Und natürlich: fahren ohne Helm, Nierengurt und Führerschein. Das ging damals noch.

Wer Mofa fuhr, der schraubte auch. Natürlich wurden die Maschinen frisiert, was das Zeug hielt. Vergaser aufgebohrt, Krümmer abgesägt oder gleich einen anderen Zylinder aufgesetzt. 25 km/h? Lächerlich! Jeder Stundenkilometer, den die zitternde Tachonadel mehr anzeigte, war wie ein innerer Reichsparteitag. Jaaa! Sie läuft, ich hänge die anderen locker ab!

Marken-Mofas von Kreidler, Zündapp oder Hercules waren kaum zu bezahlen, manch einer musste auf die billigeren Kaufhaus-Modelle von Starflite, Garelli oder Mars ausweichen. Egal, Hauptsache, es knatterte. Antreten, Gas geben, und los ging's! Als Mofafahrer fühlte man sich wie Easy Rider. Sandkastenrocker - das war lediglich die Einschätzung genervter Erwachsener, die wenig Verständnis für die Zweirad-Faszination aufbrachten.

Schöne Zeiten waren das. Irgendwann gerieten die Mofas dann in Vergessenheit. Erst fuhr man Mokick, dann ein richtiges Motorrad oder das erste Auto. Hercules M5 und Kreidler Florie (mit 3-Gang-Getriebe!) verstaubten in der Garage und wurden verkauft oder landeten auf dem Schrottplatz.

Eine Schande, so was. Hätten wir die Teile doch bloß aufbewahrt! Das dachten sich auch die Mitglieder des MMC Lagerschaden aus Rheinberg. MMC steht für Mofa- und Moped Club. 25 Herren, die ihre Liebe zu Mofas, Mopeds und - ja auch das ist inzwischen geduldet - Motorrollern mit kleinem Nummernschild wiederentdeckt haben. Das älteste Mitglied ist Anfang 60, das jüngste Mitte 20.

"Heute muss man für Mofas viel Geld ausgeben", sagt Club-Mitbegründer Henry Hochstein. "Vor allem für die alten Maschinen aus den siebziger oder achtziger Jahren." Der 54-Jährige zählt auf, welche Marken die Mitglieder des MMC Lagerschaden zu bieten haben: "Puch, Kreidler, Simson, Hercules, Vespa, Starflite, Ciao und Vespa. Alle Zweitakter sind zugelassen." Aus reiner Nostalgie seien er und seine Kollegen auf den Mofa-Trichter gekommen. Hochstein: "Irgendwann hieß es dann: Komm, lass uns einen Club gründen, mit einheitlichen Kutten und allem, was dazu gehört. Wir sind ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen. Polizist, Handwerker, TÜV-Prüfer - da ist alles dabei." Und alles ist wie früher. Nur das mit dem Frisieren, das macht heute keiner mehr. Versichert der Mofa-Fan hoch und heilig und hat dabei so ein leichtes Grinsen im Gesicht.

Am Sonntag, 22. April, eröffnet der MMC Lagerschaden die Zweitakter-Saison. Von 10 bis 15 Uhr sind alle Mofa-, Moped- und Rollerfahrer eingeladen, auf den Parkplatz der Diskothek Aratta Club in Winterswick an der Rheinberger Straße 692 zu kommen. Zum Fachsimpeln, Staunen und um sich 30 oder 40 Jahre in die schöne Jugendzeit zurückkatapultieren zu lassen.

Für Getränke und Snacks ist gesorgt. Für den Moerser Verein "Kidsrights" ist eine Spendendose aufgebaut. Der MMC spendet den Erlös der Veranstaltung der Kindertafel in Moers, für die Clubmitglied Guido Honnen vom Restaurant Honnen in Orsoyerberg kocht. "Um 15 Uhr beginnt dann eine große Ausfahrt zum Aussichtsturm in Sonsbeck", so Henry Hochstein.

Spätestens, wenn am Sonntagnachmittag am Aratta 50 oder noch mehr Mofas, Mopeds und Roller gestartet werden und die Abgase der Zweitakter-Motoren die Luft verpesten, heißt die Devise. Mit Tempo 30 volle Pulle vorwärts in die Vergangenheit. Oder auch: 15 für immer!

(up)