Die Erde ist blau wie eine Orange: Zuschauer ins Zimmer gelockt

Die Erde ist blau wie eine Orange : Zuschauer ins Zimmer gelockt

"La terre est bleue comme une orange " (Die Erde ist blau wie eine Orange): Ein dunkelhäutiger Patient, der blaue Orangen sieht. Ein junger Assistenzarzt, dem das Wohl des Patienten am Herzen liegt. Und ein korpulenter Oberarzt, der unbedingt die Regeln des Gesundheitssystems befolgen will. Den Patienten entlassen? Ja, sagt der Oberarzt (zu wenig Betten). Nein, sagt der Assistenzarzt (Patient ist krank). Hin- und hergerissen ist der Patient selbst. Der Konflikt artet aus. Die mit dem Jury-Sonderpreis bedachte Aufführung "Blau/Orange" kommentiert Anna Schnürch. Foto: M. Reuter

"La terre est bleue comme une orange " (Die Erde ist blau wie eine Orange): Ein dunkelhäutiger Patient, der blaue Orangen sieht. Ein junger Assistenzarzt, dem das Wohl des Patienten am Herzen liegt. Und ein korpulenter Oberarzt, der unbedingt die Regeln des Gesundheitssystems befolgen will. Den Patienten entlassen? Ja, sagt der Oberarzt (zu wenig Betten). Nein, sagt der Assistenzarzt (Patient ist krank). Hin- und hergerissen ist der Patient selbst. Der Konflikt artet aus. Die mit dem Jury-Sonderpreis bedachte Aufführung "Blau/Orange" kommentiert Anna Schnürch. Foto: M. Reuter

Das elegante Bühnenbild, auffällig durch sein einheitliches Blau und die strenge Symmetrie, wirkte steril - das Zimmer einer Klinik. Bereits nach den ersten Minuten befand sich der Zuschauer selbst in diesem Zimmer, angelockt durch die starke Authentizität des Raumes, der Personen und des Dialogs. In wechselnden Konstellationen unterhielten, beschimpften, belehrten sich die drei Figuren, wobei sie eine klare und direkte Sprache verwandten. Einige Fragen wurden aufgeworfen: Wer ist wann verrückt? Wo beginnt Rassismus? Welche Begriffe darf ich wie verwenden?

Es entwickelte sich eine inhaltliche und sprachliche Dichte, die jedoch beim Zuschauer gegen Ende ein Völlegefühl auslöste. Immer wieder lockernd wirkten die witzigen Kommentare des selbstgefälligen Oberarztes, und auch der naiv-kindliche Patient konnte das Publikum zum Lachen bringen. Trotz der belastenden Fülle an Wörtern wurde stetig eine fesselnde Spannung aufrechterhalten; nur selten verließ der Zuschauer das Zimmer.

Die Schauspieler ließen ihre Figuren echt erscheinen bis ins kleinste Detail; zwar wirkte der Assistenzarzt durch seine lebhafte Gestik und emotionsgeladene Sprache leicht amerikanisch, so dass man stellenweise an einen Film erinnert wurde, doch das verminderte nicht die Qualität des Stückes. Eine gelungene Geschichte, eine gelungene Aufführung. Anna Schnürch

(NGZ)
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