Zum Tode von Alfons Kranz: Trauer um einen Zeitungsmann und Visionär

Nachruf – Alfons Kranz : Trauer um einen Zeitungsmann und Visionär

Alfons Kranz, als Publizist und Politiker Jahrzehnte eine prägende Kraft im Rhein-Kreis, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Haltung. Wollte man Alfons Kranz mit einem Wort beschreiben, wäre dieses sicher in der engsten Auswahl. Kranz war Publizist, Kaufmann, Politiker, gesegnet mit Talent, Erfolg und eben dieser Haltung, die ihm zu hohem Ansehen und natürlicher Autorität verhalf. Am Freitag ist der langjährige Verlagsleiter der Neuß-Grevenbroicher Zeitung und Vorstand der Gesellschaft für Buchdruckerei im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Christdemokrat, geboren in Olpe im Sauerland und vor seinem Wechsel nach Neuss auch einige Jahre stellvertretender Bürgermeister im bergischen Overath, war zwar ein Konservativer, wie er im Buche steht, jedoch gleichzeitig alles andere als in der Vergangenheit verhaftet. Sein Blick ging nach vorn. Entscheidungen bereitete er gründlich vor und setzte sie dann mutig um, wenn nötig nicht ohne vorher mit diplomatischem Geschick die nötigen Mehrheiten organisiert zu haben.

Mit Helmut Kohl knüpfte Alfons Kranz Kontakte zur Ost-CDU. Foto: Woitschützke, Andreas/Woitschützke, Andreas (woi)

So steht der Name Alfons Kranz für viele Einrichtungen und Institutionen, die er initiiert oder deren Gründung und Arbeit er maßgeblich gefördert hat: das Technologiezentrum Glehn (TZG) und die Wirtschaftsförderung des Kreises, die Stiftung Sport und der Kreisheimatbund, der Journalisten-Preis „Pro Ehrenamt“ und die Bürgerstiftung Korschenbroich.

Weichenstellung in Neuss: Ost-CDU-Chef Lothar de Maizère (M.), Willy Wimmer (l.) und Alfons Kranz im Januar 1990 im Pressehaus in Neuss. Foto: Woitschützke/Woitschützke, Andreas (woi)

Als Verlagsleiter im Pressehaus an der Moselstraße prägte Kranz, der mit seiner Familie in Glehn zu Hause war, fast drei Jahrzehnte die Medienlandschaft im Rhein-Kreis. Davon profitierte als Flaggschiff nicht nur die Neuß-Grevenbroicher Zeitung. Unter seiner Regie gingen unter anderem zahlreiche Anzeigenblätter und das Lokalradio NE-WS 89.4 an den Start. Im Wirtschaftsleben wie in der Politik spielte das Kreisbewusstsein, das Engagement für einen wirtschaftlich starken und nach außen geschlossen auftretenden Rhein-Kreis, der mit den Nachbarn am Niederrhein und der Landeshauptstadt auf Augenhöhe agierten sollte, eine große Rolle.

Weihbischof Schwaderlapp zeichnete Kranz mit dem Silvester-Orden aus. Foto: Berns, Lothar (lber)

Im Kreistag, dem Kranz von 1975 bis 2012 angehörte, waren sein Rat, sein unabhängiges Urteil und seine Verlässlichkeit über die Fraktionsgrenzen hinweg anerkannt. Auch nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Alfons Kranz als „Elder Statesman“ eine der prägenden Persönlichkeiten im Rhein-Kreis. Als Publizist und Politiker reichte sein Blick zudem weit über den Kreis hinaus. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Engagement – gemeinsam mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär Willy Wimmer – für eine Fusion der christdemokratischen Parteien in Ost und West nach dem Fall der Mauer. Bei einem Besuch des damaligen Vorsitzenden der Ost-CDU, Lothar de Maizière, Anfang 1990 im Pressehaus in Neuss knüpften Kranz und Wimmer Kontakte zu Bundeskanzler Helmut Kohl – ein Baustein zur späteren Vereinigung der Parteien und zum Gelingen der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.

Alfons Kranz förderte den Journalistenpreis „Pro Ehrenamt“. Foto: Berns, Lothar (lber)

Später engagierte sich Kranz auch als Mitgründer und Vorsitzender der Stiftung Promedia der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA), die seit 2001 die Ausbildung junger katholischer Journalisten fördert. Als Kranz dort 2016 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, war es erneut die „Haltung“, die der damalige KNA-Chef Richard W. Orth in seiner Laudatio als herausragende Eigenschaft von Alfons Kranz betonte: „Ein seriöser Visionär, auf den immer Verlass war.“

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