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Feuilleton: Zum Aufhorchen schön

Feuilleton : Zum Aufhorchen schön

Neuss Das war kein Stück nur zum Warmspielen: Georg Friedrich Händels Concerto grosso d-moll op.6 Nr.10, mit dem das Neusser Kammerorchester (NKO) unter Joachim Neugart sein Konzert im Zeughaus begann.

Vielmehr erwies sich das Streichorchester diesem Werk im höchsten Grade verpflichtet: Stringente Tempi, Durchhörbarkeit durch Präzision, vor allem aber eine klangliche und interpretatorische Geschlossenheit, die für ein Orchester aus überwiegend Laien ihresgleichen sucht.

Wer die Entwicklung des Neusser Kammerorchesters in den letzten Jahren mitverfolgen durfte, der kann die Bedeutung des Ensembles kaum hoch genug ansetzen. Um damit gleich den Bogen zum letzten Werk des Abends zu schlagen: Mozarts Sinfonie Nr.29 A-Dur KV 201 kam mit Esprit, lebendiger Spielfreude und einer blitzsauberen Interpretation daher, die sich nicht in Details verlor, sondern Spannungsbögen schuf.

Seit den 49 Jahren seines Bestehens erweist sich das NKO auch immer wieder als Begleiter und Förderer junger Solisten und Solistinnen. Mit Franz Anton Hoffmeisters Konzert D-Dur für Viola und Orchester brillierte die 19-jährige Bratschistin Hiyoli Togawa, die den diesjährigen Kunstförderpreis der Stadt Neuss in der Sparte Musik erhielt.

Wie die erste stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Quiring-Perl bei ihrer Verleihungsansprache zu Recht betonte, war die Begründung dieser Wahl schon ohrenfällig geworden. Hiyoli Togawa empfahl sich in diesem nicht gerade großen Werk der Bratschenliteratur als Solistin mit außergewöhnlichem Stilempfinden.

Nicht nur, dass sie sicher in Technik, Tempo und Lautstärkeschattierung sowie mit virtuosen Solokadenzen dem klassischen Stück Leben einhauchte - sie entwickelte auch im langsamen Mittelsatz eine solche gesangliche Wärme, dass man ins Träumen geriet.

Wegen ihrer Tonlage ist es für ein Orchester schwierig, eine Soloviola zu begleiten. Joachim Neugart steuerte jedem Ungleichgewicht in der Lautstärke entgegen. Und dass neben den beiden Oboen nur ein Horn mitspielte, war nicht vom Komponisten, sondern von der aktuellen Verkehrslage bestimmt.

Für Mozart war man dann aber zu zweit. Oft glänzen die kleinen Perlen am meisten. So durfte das Publikum sich auch über zwei Noveletten für Streicher aus Niels W. Gades op. 53 Nr.1 F-Dur freuen. Was in der großen Form von Konzert und Sinfonie schon gelang, wurde hier gleichsam zum Extrakt - zum Aufhorchen schön.

(NGZ)