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Projekt für Kinder mit schwersten Behinderungen: Wohngruppe als neues Zuhause

Projekt für Kinder mit schwersten Behinderungen : Wohngruppe als neues Zuhause

Von Dagmar Kann-Coomann

Von Dagmar Kann-Coomann

"Alles ist super hier. Mir fehlt nur noch ein Internet-Anschluss", erklärt der zwölfjährige Christian offenherzig, der jeden freundlich mit Handschlag begrüßt. Seit Juni wohnt Christian gemeinsam mit acht anderen Kindern im Alter zwischen fünf und dreizehn Jahren im Haus an der Meerbuscher Straße 18 und fühlt sich rundum wohl.

Warum, das verstanden die vielen Gäste, die gestern zur großen Einzugsparty kamen, sofort: helle und gemütliche Räume, ein großer Garten voll alter Bäume, in dem sich die Herbstsonne genießen lässt, so sieht das neue Zuhause aus, das acht Jungen und ein Mädchen mit mehrfachen bis hin zu schwersten Behinderungen mitten im Herzen Osteraths gefunden haben. Über die "ideale Wohnsituation", die "Integration auf vorbildliche Weise" ermöglicht, freute sich der Direktor der Evangelischen Stiftung Hephata, Dr. Johannes Degen, in seinen Grußworten zur fröhlichen Einzugsparty.

Die Stiftung mit Sitz in Mönchengladbach ist der Träger der neuen Wohngruppe. "Seit vielen Jahren ist es ein Grundprinzip der Hephata, Behinderten das Wohnen in integrierten, kleinen Wohneinheiten zu ermöglichen", erklärt Wolfgang Wittland, Hephata-Fachbereichsleiter Wohnen. Intensiv bemüht sich die Stiftung darum, eine angenehme Wohnkultur in dezentralen und wohnortnahen Einheiten auch für Menschen mit schwersten Behinderungen anzubieten. Die neue Wohngruppe ist im Kreis Neuss die erste, die schwerstbehinderten Kindern ein überschaubares Zuhause fernab von jeglichem Heimcharakter bietet. Das ansprechende, gemütliche Haus bietet jedem Bewohner ein eigenes, freundliches Zimmer.

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Insgesamt zwölf Mitarbeiter sorgen dafür, dass es den Kindern rund um die Uhr an nichts fehlt. Dennoch: "In den ersten Wochen war die Trennung vom Elternhaus doch ziemlich schwer, allerdings weniger für die Kinder, als vielmehr für die Eltern", erzählt die Teamleiterin des Hauses, Verena Kempkes. Liebevoll haben die Eltern ihren Kindern gemütliche Zimmer eingerichtet, in denen es an nichts fehlt. Für alle war es ein schwerer Schritt, die Kinder in fremde Obhut zu geben, zugleich doch auch ein notwendiger Schritt, weil die Betreuung der Kinder die körperliche und seelische Belastbarkeit der Eltern einfach restlos überstieg. "Desto wohler die Kinder sich fühlen, desto eher können die Eltern sich entscheiden", erklärt Hans-Willi Pastors, Hephata-Fachberater für regionale Wohnangebote.

"Grundgedanke bei der Einrichtung der dezentralen Wohngruppen ist vor allem die Regionalisierung", fährt er fort, "also die größtmögliche Nähe der Kinder zum Wohnort der Familie, die einen intensiven, dauerhaften Kontakt zu Eltern, Geschwistern und Freunden ermöglicht". Mit einer guten Portion Glück traf die Hephata bei der Suche nach einem geeigneten Haus für die Kinder aus dem Kreis Neuss und aus Krefeld auf den Meerbuscher Eigentümer Dr. Christoph Brüster, der sich zu weitgehendem Umbau seines Hauses bereit erklärte: Fahrstuhl und breite Türen, die für Rollstühle kein Hindernis sind, behindertengerechte Bäder und entsprechende Raumgrößen galt es herzustellen, damit die Kinder sich in ihrem neuen Heim wohlfühlen können.

Mögliche Vorbehalte der Nachbarn ließen die Mitarbeiter der Hephata schon im Vorfeld des Einzugs gar nicht erst aufkommen, indem sie viele Gespräche führten - mit bestem Erfolg, "denn es gibt keine Probleme", erzählt Verena Kempkes. Einen besonderen Glückwunsch zum Einzug gab es von Dieter Schmidt, Inhaber eines Kaarster Autohauses: einen Service-Scheck über 1.000 Mark für die Wartung des behindertengerechten Gruppen-Busses.

(NGZ)