Wirtschaftsprofessor Welfens aus Neuss skizziert Wege zur Klimaneutralität

Autor aus Neuss stellt Buch zur Klimaschutzpolitik vor : Welfens skizziert Wege zur Klimaneutralität

Der Wirtschaftswissenschaftler aus Neuss mischt sich in die aktuelle Klimaschutzdebatte ein. Gestern präsentierte er in Düsseldorf sein neues Buch. Mit dabei: Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Soll Klimaneutralität ohne wirtschaftliche und soziale Verwerfungen gelingen, sind gewaltige Anstrengungen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20 plus Nigeria) erforderlich. Diese These vertritt der Neusser Wirtschaftswissenschaftler Paul J. J. Welfens, der zugleich in seinem neuen Buch Wege aufzeigt, die bis 2050 zu einer globalen Klimaneutralität führen könnten. Gestern präsentierte Welfens sein neustes Werk („Klimaschutzpolitik. Ende der Komfortzone“) in einem Düsseldorfer Hotel. Prominenter Gast: Andreas Pinkwart, Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mit dem Zeitpunkt seiner Buchpräsentation gelang Welfens eine wahre Punktlandung. Malte Fischer, angesehener Autor der Wirtschaftswoche, sprach von einem „Resonanzboden“, den Welfens vorgefunden habe. Während Welfens und Pinkwart im „Leonardo Royal“ am Graf-Adolf-Platz die aktuelle Klimaschutzpolitik analysierten, demonstrierten junge Menschen im Regierungsviertel bei „Fridays for Future“ lautstark für neues Denken und Handeln in Sachen Klimaschutz.

Nahezu parallel dazu stoppte in Berlin der Bundesrat Teile (Pendlerpauschale, günstigere Bahntickets) des Klimaschutzpakets der Bundesregierung und die Welt schaut gebannt nach Madrid, wo am Montag die UN-Klimakonferenz beginnen wird. Welfens hat also seine Analysen und Perspektiven rechtzeitig als Buch vorgelegt – zunächst in deutscher Sprache. Ausgaben in Englisch und Chinesisch werden alsbald folgen. Und der Neusser bleibt fleißig. Er kündigte für Februar ein weiteres Buch an: „The global Trump“. Das werde dann in Washington D. C. der Öffentlichkeit vorgestellt.

Paul J. J. Welfens, vor 62 Jahren in Düren geboren, ist in dem mehr als einem Vierteljahrhundert, in dem er im Neusser Stadionviertel wohnt, zu einem überzeugten Neusser geworden. Seinem Forschungsauftrag kommt er an der Bergischen Universität in Wuppertal nach, dabei ist die Welt(-wirtschaft) sein globales Arbeitsfeld. Er hat einen Lehrstuhl für Makroökonomie, ist Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen und ein gefragter Gastautor, der für angesehene Zeitungen im In- und Ausland schreibt. Die Liste seiner Bücher ist lang. Allein sein „Brexit aus Versehen“ wurde nach eigenen Angaben „mehr als 100.000 Mal runter geladen“.

In seinem Buch stellt Welfens eine ganze Reihe von konkreten Handlungsempfehlungen vor, um mittelfristige Klimaschutzziele doch noch erreichen zu können. Er drängt auf eine Ausweitung des Emissions-Zertifikatehandels, der EU-weit derzeit bei 45 Prozent liegt, auf 85 Prozent. Aus seiner Sicht machbar: Kalifornien erreiche die Marke bereits. Für rund 15 Prozent der Emissionen hält er eine CO2-Steuer für angebracht, und er warnt vor einer kostenlosen Zertifikate-Zuteilung von mehr als 20 Prozent. 20 Prozent sei noch kostenneutral. Werde der Wert aber überschritten, werde Klimapolitik zum Steigbügelhalter einer „Umverteilung zu Gunsten des Kapitals“. Das könne nun wirklich nicht gewollt sein, sagt Welfens.

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart betonte, dass nicht ein exzessiver Emissionshandel das Ziel sei, sondern letztlich gehe es darum, dass weniger CO2 emittiert werde. Er nehme Klimaneutralität bis 2050 weiterhin ernst. Dafür seien aber Produktionstransformationen nötig, die viel Geld kosten. Er würde lieber in technologische Innovationen investieren, als über neue Gebühren und Zölle zu diskutieren.