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Lithographien von Schauspieler Armin Mueller-Stahl: Wie Träume dem Nichts entstiegen

Lithographien von Schauspieler Armin Mueller-Stahl : Wie Träume dem Nichts entstiegen

Armin Mueller-Stahl ist ein Multitalent. Als Schauspieler ist er Land auf, Land ab bekannt. Erst kürzlich war er in der Rolle des Thomas Mann in der opulenten Verfilmung der Familiensaga der Schriftsteller-Ikone im deutschen Fernsehen zu bewundern, er steht allerorts live auf der Bühne und gehört zu den wenigen deutschen Schauspielern, denen der Sprung nach Hollywood geglückt ist. Dass Armin Mueller-Stahl mehr als nur ein Schauspieler ist, zeigt eine Ausstellung seiner Lithographien in der Galerie Schubert. Hier: "Siegel probiert mit Stern" aus der Reihe "Hamlet in Amerika". Foto: A. Woitschützke

Armin Mueller-Stahl ist ein Multitalent. Als Schauspieler ist er Land auf, Land ab bekannt. Erst kürzlich war er in der Rolle des Thomas Mann in der opulenten Verfilmung der Familiensaga der Schriftsteller-Ikone im deutschen Fernsehen zu bewundern, er steht allerorts live auf der Bühne und gehört zu den wenigen deutschen Schauspielern, denen der Sprung nach Hollywood geglückt ist. Dass Armin Mueller-Stahl mehr als nur ein Schauspieler ist, zeigt eine Ausstellung seiner Lithographien in der Galerie Schubert. Hier: "Siegel probiert mit Stern" aus der Reihe "Hamlet in Amerika". Foto: A. Woitschützke

Weniger bekannt ist, dass Armin Mueller-Stahl studierter Konzertgeiger ist und Bücher schreibt, und nur Insider kennen ihn als Maler. Eine Kostprobe seines graphischen Könnens kann man zur Zeit in der Kunsthandlung Schubert am Münsterplatz sehen. Drehpausen und Reisen hat Armin Mueller-Stahl seit den fünfziger Jahren genutzt, um mit Öl, Acryl und Zeichenstift seine Erfahrungen und Eindrücke als Schauspieler fest zu halten. Seine Arbeit auf der Bühne ist die Quelle seiner Inspiration.

Das Bühnengeschehen, die Aneignung einer Rolle, die Diskrepanz zwischen eigener Person und Rolle und die Annäherung an die künstliche Figur ist sein Thema. Diese unentwirrbare Mischung aus Fiktion und Realität ist auch Dreh- und Angelpunkt seines lithographischen Zyklus "Hamlet in Amerika", der bei Schubert zu sehen ist. 13 Blätter sind in den letzten Jahren zum gleichnamigen, unverfilmten Drehbuch entstanden, das ebenfalls aus Armin Mueller-Stahls Feder stammt.

Es erzählt die Geschichte von einer Gruppe von Schauspielern, die sich gegen Ende ihres Lebens in einem Altenheim in Los Angeles wiederfinden und in Erinnerungsfetzen vergangene Tage Revue passieren lassen. Bühnenartig inszeniert sind die Bilder, Kästen, Rahmen begrenzen die zentriert angelegten Szenen. Aber Armin Mueller-Stahl ist nicht einfach ein Schauspieler, der nebenbei auch ein bisschen Kunst macht. "Das Malen, Schreiben, Musizieren und die Schauspielerei gehören für mich einfach zusammen", sagt er von sich, und wenn man seine Lithographien betrachtet, sieht man, dass er das Medium des Steindrucks gekonnt nutzt, Technik und Inhalt Hand in Hand gehen.

Mit dickem Pinsel malerisch aufgetragene, diffuse dunkle Flächen setzt er konkreten Szenarien gegenüber, die aus in Dicke und Intensität schwankenden Linien erwachsen. Auf dem weißen Blatt erscheinen die erinnerten Szenen wie Träume dem Nichts entstiegen. Erotische Körperlichkeit steht im Mittelpunkt der manchmal düster-skurrilen Phantasien, als Erinnerung und Traum von einer Zeit jenseits des Alters. Armin Mueller-Stahl scheint viel gesehen, die Kunstgeschichte durchpflügt zu haben, denn vieles erinnert an klassische Themen wie den Akt und seine Geschichte von der Venus der Klassiker bis hin zu Goyas Maya.

Ganz augenscheinlich hat er auch bei Picasso Station gemacht und sich von seinen erotischen Faunszenarien verzaubern lassen. Neben den grafischen Blättern liegt in der Kunsthandlung Schubert auch eine Vorzugsausgabe der im Knesebeck-Verlag zur Frankfurter Buchmesse erschienen Biografie von Armin Mueller-Stahl bereit, die mit jeweils einer signierten Lithographie ergänzt ist. Jutta Saum

Münsterplatz, bis 15. November

(NGZ)