Wie finde ich einen guten Vermögensverwalter?

Wie finde ich einen guten Vermögensverwalter?

"Wir können es uns nicht leisten, nach den Tagesthemen das Wetter zu präsentieren", sagt Thomas Buckard. Damit bringt der Vorstand der Vermögensverwaltungs-Gesellschaft Pintarelli ein Grundproblem der Branche auf den Punkt: Unabhängige Vermögensverwalter haben keine großen Werbebudgets. Die meisten von ihnen würden es ohnehin vermutlich scheuen, mit groß angelegten Werbekampagnen in die Öffentlichkeit zu treten. Vermögensverwaltung ist kein Massengeschäft. Im Gegenteil: Der einzelne Kunde steht im Mittelpunkt. Er soll sich individuell gut beraten fühlen. Deshalb gehören auf Seiten der Vermögensverwalter auch Einfühlungsvermögen und Diskretion zum Jobprofil. "Würden wir werblich zu aggressiv auftreten, wäre das imageschädigend", sagt Tim Schmiel von VM Vermögens-Management.

Die Branche lebt vor allem von der Mundpropaganda. Die Adressen der besten Geldvermehrer werden in der Regel von Hand zu Hand weitergereicht. "Zufriedene Kunden sind unsere besten Werbeträger", weiß Tim Schmiel. "Rendite und Performance sind nicht die einzigen wichtigen Kriterien", meint Thomas Lange von Lange Asset & Consulting. "Ein Kunde muss das gute Gefühl haben, sein Kapital den richtigen Händen anvertraut zu haben." Doch wie finden Anleger einen guten Vermögensverwalter, wenn sie zufällig keinen Freund oder Bekannten haben, der ihnen eine gute Adresse empfehlen kann? "Die einfachste Lösung ist ein Anruf bei uns. Wir kennen die Branche und empfehlen gerne gute Vermögensverwalter aus der Region", sagt Michael Gillessen von Hauck & Aufhäuser. Doch nicht jede gute Adresse passt zu jedem Kunden. "Die Chemie zwischen Vermögensverwalter und Kunde sollte stimmen. Das erleichtert beiden Seiten die Kommunikation", weiß Matthias Rathgen von Döttinger/Straubinger. "Deshalb sollten Anleger nicht nur die Angebote verschiedener Anbieter auf dem Papier miteinander vergleichen, sondern auch das persönliche Gespräch suchen", so Rathgen. Sein Tipp: Schon im ersten Gespräch lassen sich Stärken und Schwächen der Anbieter erkennen. Ein Beispiel: Gute Vermögensberater fragen zunächst nach den Zielen, dem finanziellen und persönlichen Umfeld, der Risikoneigung und der Lebensplanung. "Nicht die konkrete Empfehlung von Finanzprodukten, sondern der einzelne Kunde steht zunächst einmal im Vordergrund", sagt der Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer (PSM).

Aufgrund des Anlegerprofils erstellen Vermögensverwalter dann gemeinsam mit den Kunden eine langfristige Strategie. Im Idealfall fühlt sich der Kunde gut betreut und vertraut sein Vermögen dem Profi ruhigen Gewissens an. Anleger sollten allerdings auch auf ihr Bauchgefühl hören. "Jeder Vermögensverwalter verfolgt konsequent seine eigene Anlagephilosophie. Wenn sich ein Kunde mit einem vorgeschlagenen Konzept nicht wohl fühlt, sollte er nicht zögern, weitere Anbieter zu prüfen. Unter dem Strich muss ein gutes Gefühl stehen. Vertrauen ist das A und O in diesem Geschäft – für beide Seiten", sagt Michael Gillessen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Auswahl des passenden Anbieters ist die Qualität der Kommunikation. "Ein Indiz für eine schlechte Beratung ist es, wenn der Kunde die Konzepte und Produkte, die er empfohlen bekommt, nicht versteht. Gute Vermögensverwalter klären transparent und verständlich über Chancen und Risiken einer Geldanlage auf", sagt Andreas Korth vom Good Growth Institut. Darüber hinaus sollten sich Anleger die Performance der Verwalter zeigen lassen. Besonders einfach ist ein Performance-Test, wenn Vermögensverwalter auch eigene Fonds managen. Dann wird an der Fonds-Entwicklung deutlich, wie gut sie ihnen anvertrautes Kapital verwalten können. Als Einstieg für kleinere Vermögen sind Vermögensverwalter-Fonds zudem gut geeignet – allerdings unter Vorbehalt: "Eine für alle Gelegenheiten passende Pauschal-Fonds-Lösung gibt es leider nicht", sagt Matthias Rathgen. Vermögensverwaltung ist eben ein sehr individuelles Geschäft.

MATTHIAS VON ARNIM

(NGZ)