Dechant Ernst Euskirchen ließ Fresken abkratzen Wie die Kunst aus der Pfarrkirche verschwand

"Alles Gipshafte" wollte der Lanker Pfarrer und Dechant Ernst Euskirchen in den Sechziger Jahren aus seiner Kirche entfernen. Maler kratzten Fresken ab oder übertünchten sie und entfernten den alten Hochaltar.

"Alles Gipshafte" wollte der Lanker Pfarrer und Dechant Ernst Euskirchen in den Sechziger Jahren aus seiner Kirche entfernen. Maler kratzten Fresken ab oder übertünchten sie und entfernten den alten Hochaltar.

Die Pfarrjugend habe schon geahnt, dass hier etwas Besonderes zerstört werde, leider aber zu spät protestiert, erklärte Siegfried Scharbert jetzt beim Heimatkreis Lank vor 45 Zuhörern in der Teloy-Mühle. So waren die rund 60 beseitigten Bildmotive die wohl größte Arbeit des kaum 20 Jahre alten Kirchenmalers Peter Köp, der um die Jahrhundertwende mit seinem Vater und seinen Gesellen daran arbeitete. Als Köp versuchte, das als Maluntergrund notwendige Kasein selbst herzustellen, ging das prompt schief. Ein entsetzter Geselle meldete, dass in dem Bottich nur noch ein Gewimmel von Würmern sei. Köp verließ sich dann wieder auf Fertigprodukte. Das Langhaus prägten 14 große Gemälde mit biblischen Szenen.

Im Chor fanden die Pfarrpatrone ihren Platz. Neben Stephanus waren auch Maria und die Heiligen der Filialkirchen in Ossum, Strümp, Nierst und Kierst dargestellt. Die komplette Bemalung sei auch wertvoll gewesen, weil Köps Werke in rund 30 anderen Kirchen im Krieg größtenteils zerstört worden seien, meinte Scharbert. Die ursprünglichen Pläne zur Ausschmückung von St. Stephanus stammten von Wilhelm von Schadow, dem Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie und führenden Vertreter der Nazarenerbewegung. Doch nach dem Neubau waren die Finanzen der Gemeinde überaus desolat. Schadow verwies zwar darauf, dass "Großes und Schönes der Welt nicht ohne große Opfer und ein gewisses Maß an Martyrium geschaffen" werden könne, hatte aber wenig Erfolg.

Mehr Glück hatte sein Kollege, der Düsseldorfer Kunstprofessor Müller. Er malte das Marienbild für den linken Seitenaltar. Auch sein Werk war nicht von Dauer - es fiel am 1. Januar 1977 dem Lanker Krippenbrand zum Opfer. Die steinerne Kreuzigungsgruppe von Karl Hoffmann ist noch erhalten. Sie schmückte erst den Hochaltar und dient heute als Ehrenmal für die Gefallenen. Da das Lanker Werk älter als identische Figurengruppen sei, aber wohl vom gleichen Gipsmodell stamme, könne man die erste steinerne Ausführung für Lank beanspruchen, sagte Scharbert.

(NGZ)
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