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Rhein-Kreis Neuss: Wie Berufsberater Abiturienten helfen

Rhein-Kreis Neuss : Wie Berufsberater Abiturienten helfen

Viele Abiturienten stehen derzeit vor der Frage, wie es weitergehen soll nach dem Schulabschluss. Antworten darauf können sie etwa bei einer Berufsberatung finden. Die NGZ war bei einem Beratungstermin der Arbeitsagentur dabei.

Für die Abiturienten aus dem Kreis beginnt in den kommenden Wochen nicht die Prüfungszeit. Außerdem müssen sie sich nun auch verstärkt damit auseinandersetzen, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll. Nicht jeder Jugendliche hat bereits genaue Zukunftspläne — Hilfe dabei kann eine Berufsberatung bieten, etwa von der Arbeitsagentur. "Es ist noch nicht zu spät, sich zu bewerben", sagt Barbara Helbig, Berufsberaterin bei der Neusser Arbeitsagentur. Das gelte sowohl für die Suche für einen Ausbildungsplatz, als auch für die Studienplatzbewerbung. "Allerdings sollten Schüler nun beginnen, sich Gedanken zu machen", meint die Expertin, die auf akademische Berufe spezialisiert ist.

Helbig hat derzeit gut zu tun, denn viele Jugendliche suchen das Gespräch mit ihr — auch weil die Arbeitsagentur schon seit Jahresbeginn an den Schulen für ihr kostenloses Beratungsangebot wirbt. Über diese Ansprache ist auch Abiturient Sven Jaspos auf die Berufsberatung aufmerksam geworden. Bei seinem Termin mit Barbara Helbig erzählt er von seiner Idee, vielleicht eine Ausbildung im Garten- und Landschaftbau zu machen.

Einige Bewerbungen hat er in diesem Bereich auch schon verschickt. "Aber ich will mich darüber informieren, ob es noch andere Berufswege für mich gibt", sagt der Schüler. "Vielleicht möchte ich mich ja noch umorientieren."

Um sich ein Bild von ihrem Klienten zu machen, fragt Barbara Helbig nach: Sie interessieren nicht nur mögliche Berufswünsche, sondern auch Talente und Fähigkeiten des Abiturienten. Das Gespräch ergibt, dass Sven Jaspos auch einen kaufmännischen Beruf nicht ausschließt und sich für Grafikdesign interessiert. "Am liebsten würde ich eine Ausbildung machen", sagt der Abiturient, der aber flexibel ist, und sich ein Studium als Alternative vorstellen kann. "Bei der Beratung helfen wir den Schülern, Studien- oder Ausbildungänge zu finden, die mit ihren Berufswünschen übereinstimmen", erklärt Helbig.

Sie sucht mit Sven Jaspos zunächst nach möglichen Studienplätzen. Wichtig sei, so erklärt die Beraterin, dass die Zulassungsbeschränkung mit seinem Abiturdurchschnitt übereinstimmt. Dieses Jahr habe fast jede Hochschule eine Beschränkung angegeben. "Das hat mit dem hohen Bewerberaufkommen zu tun", sagt Helbig mit Blick auf den doppelten Abiturjahrgang. Die Beraterin weiß aber auch, dass viele Universitäten und Firmen genau deshalb ihre Kapazitäten erweitert haben, und rät ihren jungen Klienten, nicht den Mut zu verlieren. Von Vorteil sei es, sich Universitäten und Fachhochschulen vorab anzuschauen, etwa bei Tagen der offenen Tür.

Die Sorgen und Nöte der Jugendlichen, die zu ihr in die Beratung kommen, kennt Barbara Helbig gut. Seit 25 Jahren arbeitet sie als Berufsberaterin. Die Erfahrung ziege, so Helbig, dass es viele Schulabgänger gibt, die zu stark auf einen Beruf fixiert sind. Das gehe so weit, dass sie nur eine einzige Bewerbung abschicken. "Wir versuchen vor allem, ihnen einen Plan B zu zeigen, falls sie den gewünschten Platz nicht bekommen", sagt Helbig. Als Beraterin schlägt sie den Schülern oft Berufe vor, die sie bisher noch nicht in Betracht gezogen haben. Gleichzeitig versucht sie den Schülern so gut wie möglich gerecht zu werden: Der Beruf soll ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechen und ihnen eine gute Zukunft bieten. "Viele wissen einfach nicht, dass es noch andere Möglichkeiten gibt", sagt Helbig.

Bei der Beratung erfahren die Schüler, wo und wie sie am besten nach freien Stellen suchen. "Es gibt zudem Firmen, die ihre Stellenangebote nur uns zusenden, damit wir eine Vorauswahl treffen. Diese Angebote findet man sonst nirgendwo", sagt Helbig. Ein paar dieser Angebote druckt die Beraterin für Sven Jaspos aus. Darauf ist auch genau beschrieben, wie der Abiturient sich bei der Firma bewerben muss. Zu Hause soll der Schüler weiter nach Angeboten suchen und dann Rückmeldung geben, wie er vorankommt.

"Ich werde mich weiter um einen Ausbildungsplatz bewerben", sagt der Abiturient. Das Gespräch habe ihm Mut gemacht, auch das stärker Studium in Betracht zu ziehen. "Mir ist nun klar, wie viel mir offen steht", meint Sven Jaspos.

(NGZ/rl)