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Achter Orgelsommer im Quirinusmünster: Wenn Orgel zum Tamburin wird......

Achter Orgelsommer im Quirinusmünster : Wenn Orgel zum Tamburin wird......

Orgelliebhaber der Region verdanken dem Förderkreis der Kirchenmusik am Quirinusmünster Neuss in der mit Konzerten nicht gerade üppig ausgestatteten Ferienzeit bereits zum achten Mal den "Orgelsommer" - in diesem Jahr mit fünf Veranstaltungen namhafter Konzertorganisten auf der großen hochromantischen Seiffert-Orgel im Neusser Münster.

Alle Konzerte stehen unter dem Leitgedanken "Orgel pittoresk - In memoriam Olivier Messiaen", dessen zehnten Todestages in diesem Jahr gedacht wird. So wird nahezu ausnahmslos Orgelmusik des 20. Jahrhunderts vorgestellt, die Bilder und Ideen ausgesprochen pittoresk, malerisch in Klänge umsetzt. Den Anfang machte Münsterkantor Joachim Neugart, der mit einem interessant und abwechslungsreich zusammengestellten Programm den Leitgedanken in hohem Maße befriedigend umsetzte.

Allerdings begann er zunächst - gleichsam zum Warmspielen - mit einem Echo für zwei Manuale des bedeutenden deutschen Frühbarockmeisters Samuel Scheidt. Aber bereits die beiden nächsten Werke aus den "Pièces" des berühmten Pariser Nƒotre-Dame-Organisten Louis Vierne (1870.-.1937) gestalteten ausgesprochen malerische Musik: In "Arabesque" parlieren kleine, arabisch anmutende Melodiereigen über einem ruhigen Fundament.

Der "Marche funèbre" beginnt dumpf, mit getupftem Bass, steigert sich melodisch und harmonisch zu einem Mittelpunkt, bevor nach einem gefälligen Trio der Begräbnismarsch wieder aufgenommen wird und allmählich verklingt. Dass Vierne bei seinen Kompositionen den großen Kirchenraum mit entsprechender Orgel akustisch mitbedacht hat, konnte Neugart geradezu demonstrativ vorführen.

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Dann begann die eigentliche Hommage an Olivier Messiaen. Aus der "Messe de la Pentecƒote" (Pfingstmesse) spielte der Münsterkantor die beiden letzten Teile: "Communion" (Die Vögel und die Quellen) sowie "Sortie" (Der Sturmwind des Geistes). Die Erforschung des Rhythmus war Messiaen, dem tiefgläubigen Katholiken, Lebensanliegen. Nach seinen eigenen Worten "stecken wir in Bezug auf den Rhythmus immer noch in den Kinderschuhen". In der Natur herrscht ein Rhythmus von weit mehr Freiheit, Biegsamkeit und Vielschichtigkeit.

In der Pfingstmesse verwendet er griechische und Hindu-Rhythmen, die vergrößert oder verkleinert werden, um mit eigener Identität weitergeführt zu werden. Mit Vogelstimmen bis hin zu ornithologisch exakter Notation hat sich Messiaen häufig beschäftigt. Joachim Neugart wählte geschickt Register, die den Gesang von Kuckuck, Nachtigall und Amsel zusätzlich deutlich machen konnten. Messiaens "Communion" wird während des Orgelsommers von zwei weiteren Interpreten gespielt, auf den Vergleich darf man gespannt sein. Auch die "Litanies" von Jehan Alain (1911-1940) werden noch zu hören sein.

Dieses in Melodik und Rhythmik von einem litaneiartigen Thema beherrschte Werk mit enormen Spielschwierigkeiten fordert den Organisten stark, Joachim Neugart entledigte sich der Aufgabe bravourös. Von Alain spielte er auch "Le jardin suspendu", ein kleineres Stück mit pittoresker Klanglichkeit.

Dem Leitgedanken "Orgel pittoresk" besonders entsprechend zeigte sich die "Scène pastoral" des Franzosen Louis James Alfred Léfebure-Wély (1817-1869), insofern eine echte Programmbereicherung. Das geradezu turbulent-heitere Stück, quasi im Salonstil, gab Neugart Gelegenheit, viele orchestrale Stimmen "seines" Instrumentes in schnellem Wechsel vorzustellen.

Dann beendete er das erste Konzert des Orgelsommers fulminant: "Salamanca" des Schweizer Komponisten Guy Bovet (* 1942) beginnt originell, indem das Orgelpedal zum Tamburin wird, bevor eine bekannte Melodie aus den "Jotas Castellana", in Variationen vorgestellt, strahlender Abschluss der vielversprechenden Orgelsommer-Eröffnung wurde. Nima Am 7. August spielt der Xantener Domkantor Wolfgang Schwering um 20 Uhr im Münster.

(NGZ)