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Rhein-Kreis Neuss: Wenig Schwimmer - viele Unfälle

Rhein-Kreis Neuss : Wenig Schwimmer - viele Unfälle

Rhein-Kreis Neuss Die Deutschen - ein Volk von Nichtschwimmern? Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft schlägt Alarm: Immer weniger Kinder können schwimmen, die Zahl der tödlichen Unfälle im Wasser steigt. Im Gespräch mit der NGZ mahnt Dr. Jürgen Hildebrandt, Leiter des DLRG-Bezirks im Rhein-Kreis Neuss (und Chef des Amtes für Schulen, Kultur und Sport des Rhein-Kreises Neuss), an, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Rhein-Kreis Neuss Die Deutschen - ein Volk von Nichtschwimmern? Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft schlägt Alarm: Immer weniger Kinder können schwimmen, die Zahl der tödlichen Unfälle im Wasser steigt. Im Gespräch mit der NGZ mahnt Dr. Jürgen Hildebrandt, Leiter des DLRG-Bezirks im Rhein-Kreis Neuss (und Chef des Amtes für Schulen, Kultur und Sport des Rhein-Kreises Neuss), an, dem Problem mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Dr. Jürgen Hildebrandt, Leiter des DLRG-Bezirks: Zu wenig Kinder können schwimmen. Foto: NGZ

Herr Dr. Hildebrandt, die DLRG beklagt die steigende Zahl von Nichtschwimmern: Ein Problem auch im Rhein-Kreis Neuss?

Dr. Jürgen Hildebrandt Es gibt keine konkreten Zahlen, aber es ist offensichtlich, dass viele Kinder nach der vierten Klasse die Grundschule verlassen und nicht schwimmen können.

Was ist der Grund für diese Entwicklung?

Hildebrandt Viele Kommunen müssen sparen. Bäder werden aus Kostengründen geschlossen oder sind so marode, dass sie aufwendig saniert werden müssen. Die Folge: Der Schwimmunterricht in den Schulen fällt aus, Vereine haben weniger Trainingsmöglichkeiten.

Nun könnte man argumentieren, Schwimmen sei ein Privatvergnügen...

Hildebrandt Für mich zählt das Schwimmen nach wie vor zu den allgemeinen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben oder Rechnen. In den vergangenen Jahrzehnten hatte der Schwimmunterricht eine hohe Bedeutung, die Zahl der Schwimmer stieg - jetzt besteht die Gefahr, dass wir dieses wertvolle Erbe verspielen.

Mit welchen Folgen?

Hildebrandt Nach Untersuchungen des Deutschen Schwimmverbandes können mittlerweile 30 Prozent der unter 14-Jährigen in Deutschland nicht schwimmen. Und Ertrinken ist nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache bei Kindern.

Wie reagiert die DLRG darauf?

Hildebrandt Wir kämpfen seit acht Jahrzehnten gegen Unglücks- und Todesfälle im Wasser. Dazu stellen sich jahraus, jahrein die Ehrenamtler der DLRG uneigennützig und engagiert in den Dienst der Gemeinschaft, bieten Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung an, verbringen ihre Freizeit am Wasser, um den Menschen - etwa am Rhein, am Kaarster oder Nievenheimer See - sicheren Badespaß zu ermöglichen, oder bilden sich fort, um im Katastrophenfall einsatzbereit zu sein.

Mit wie vielen Helfern arbeitet die DLRG im Rhein-Kreis Neuss?

Hildebrandt Im Rhein-Kreis gibt es sieben Ortsgruppen, zusammengeschlossen im DLRG-Bezirk Kreis Neuss mit insgesamt mehr als 4 500 Mitgliedern, die sich erfolgreich dem Dienst am Menschen verschrieben haben.

Zurück zu den Bad-Gebühren: Was muss in den Kommunen geschehen?

Hildebrandt Um das Argument der Haushaltslöcher in den Kommunen kommen wir nicht herum, das ist uns klar. Dennoch sollten die Verantwortlichen auch den Wert einer Schwimmausbildung erkennen. Wenn heute - meist von privater Seite - investiert wird, dann in so genannte Spaß-Bäder. Die allerdings sind für Vereine und Schulen ungeeignet. Das ist etwas für Menschen, die entweder bereits gut schwimmen können oder aber sich ohnehin nur ins knietiefe Wasser wagen.

Wie stehen Sie zu den geplanten oder bereits vorhandenen Nutzungsgebühren für Sportstätten, wozu ja auch die Schwimmbäder zählen?

Hildebrandt Wenn solche Gebühren gefordert werden, zahlen wir sie, keine Frage. Allerdings schmerzt uns das manchmal schon, denn die DLRG sieht sich weniger als Sportverein, sondern eher in einer Linie mit der Feuerwehr oder anderen Rettungsdiensten. Wir leisten Hilfe im Notfall, das ist mehr als ein Freizeitvergnügen. Und: Unsere Mitglieder arbeiten zu 100 Prozent ehrenamtlich. Sie erhalten, anders als die meisten Übungsleiter in den Sportvereinen, keinerlei Aufwandsentschädigung für ihr Engagement. Deshalb würden wir uns wünschen, dass das Thema Gebühren überdacht wird.

Frank Kirschstein führte das Gespräch.

(NGZ)