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Feuilleton: Wenig Haut, aber viel Bewegung

Feuilleton : Wenig Haut, aber viel Bewegung

Neuss "Liebesgrüße aus der Lederhose" - das war doch ...? Genau, ein Schmuddelfilm aus den 70er Jahren, den nie einer gesehen hat, aber alle kennen. Und ausgerechnet aus diesem Streifen muss das Kammerensemble Neuss (KEN) ein Theaterstück machen? Regisseur Ralf Hemecker kann sich das Grinsen nicht verkneifen. "Jaa, ich weiß, dass alle gleich anfangen zu lachen, wenn sie den Titel hören."

Eine Reaktion, mit der vermutlich auch der Zuschauer der Inszenierung am besten fahren wird. Am kommenden Samstag wird das KEN im Kulturkeller zum ersten Mal zeigen, was dabei herauskommt, wenn ein Sexfilm für die Bühne ohne Nackte, "aber mit mehr Sex" umgearbeitet wurde. Im Klartext bedeutet das: wenig Haut, aber viel Bewegung.

"Im Film liegen die Nackten beim Beischlaf aufeinander, aber rühren sich kaum", skizziert der Regisseur den Unterschied, "bei uns bewegen sie sich entsprechend, aber sind eben nicht nackt".

Um dennoch deutlich zu machen, das das Ganze nicht ohne die einschlägig bekannten Körperteile abgeht, werden zu deren Verdeutlichung Hilfsmittel eingesetzt, verspricht Hemecker: Gartenschläuche, Obst ... "Wir wollen diesen extrem unromantischen Sex noch überhöhen." Sex werde heute mehr denn je zu einer Dienstleistung degradiert, begründet der 36-Jährige weiter und erinnert dabei an die Werbung für entsprechende Telefonnummern.

So bleibt denn auch der Inhalt des Filmchens erhalten, wurde jedoch um einige Rollen erleichtert. Kurschatten Alfie lauert in seiner Heimat gelangweilten Damen auf, um sie einer "besonderen Behandlung" zu unterziehen.

Davon lebt er nicht schlecht, nur muss auch er sich einmal von seinen Sexabenteuern erholen und neue Kräfte sammeln. Als Ferienziel hat er sich ausgerechnet Oberbayern ausgesucht. Doch wo die konkurrierenden Restaurants "wilder Eber" und "feuriger Stier" heißen, wird schnell klar, dass aus seinen guten Vorsätzen im Land der glücklichen Kühe nichts werden kann.

Dem Praktikanten des Kammerensemble tränen vermutlich heute noch die Augen, denn er musste sich den Film wieder und wieder ansehen, bis er auch das letzte Wort in ein Manuskript übertragen hatte.

Auf dieser Grundlage hat das KEN die Bühnenfassung geschaffen, die zwar nach Hemeckers Aussage den Sprachduktus der Vorlage wahrt, aber dennoch bearbeitet wurde: "Die Dialoge tun manchmal schon weh, und die Witze sind nicht gerade neu", sagt er lachend.

Aber, so heißt es in einer Pressemitteilung des KEN, das Stück sei textlich eine "eins zu eins Kopie des Auftaktfilms des Genreklassikers mit dem jungen, aber nicht ganz unschuldigen Peter Steiner".
(hbm)

(NGZ)