Rhein-Kreis Neuss: Was Schmutzwasser die Bürger kostet

Rhein-Kreis Neuss : Was Schmutzwasser die Bürger kostet

Wasser bezahlen die Verbraucher gleich zwei Mal – zum einen das, was sie verbrauchen beim lokalen Versorger, zum anderen das Abwasser, für dessen Beseitigung die Städte und Gemeinden Geld fordern. Und die Gebühren sind recht unterschiedlich.

Wasser bezahlen die Verbraucher gleich zwei Mal — zum einen das, was sie verbrauchen beim lokalen Versorger, zum anderen das Abwasser, für dessen Beseitigung die Städte und Gemeinden Geld fordern. Und die Gebühren sind recht unterschiedlich.

Der Durchschnittsbürger verbraucht rund 123 Liter Wasser am Tag, den Hauptanteil im Badezimmer durch die Körperpflege (44 Liter) und die Toilette (34 Liter). Die Kosten für die Trinkwassernutzung werden über die lokalen Versorger abgerechnet.

Darüber hinaus fällt die Abwassergebühr an, die von den Städten und Gemeinden erhoben wird. Sie setzt sich zusammen aus den Abgaben für die Beseitigung von Schmutzwasser und Niederschlag. Bei der Berechnung der Schmutzwassergebühr bilden Personal- und Sachkosten, die Betriebskosten der Pumpstation und Klärwerke, der Unterhalt der Ortskanalisation und Verbandsumlagen die größten Posten. Die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Niederschlagsgebühr bezieht sich auf die Summe versiegelter Flächen, also der bebauten Grundstücke, Straßen und Plätze.

Die Politik entscheidet in der Regel immer zum Jahresende über eine Gebührensatzung für das kommende Jahr. Der Bund der Steuerzahler nimmt die Gebührenordnung genau unter die Lupe. Für einen Vergleich der Abwassergebühren legt er einen Musterhaushalt mit vier Personen, einem Verbrauch von 200 Kubikmeter (cbm) Frischwasser und 130 Quadratmeter (m²) versiegelter Fläche zu Grunde.

Ein Rechenbeispiel anhand der aktuellen Gebührensatzungen der Städte Kaarst und Grevenbroich: Kaarst erhebt für Schmutzwasser 1,99 Euro/cbm und für Niederschlag 0,71 Euro/m². Der Musterhaushalt zahlt im Jahr also 398 Euro für Schmutzwasser, 92,30 Euro für Niederschlagswasser, zusammen also 490,30 Euro.

Die Stadt Grevenbroich berechnet 3,19 Euro/cbm und 1,68 Euro/m². Dort zahlt die Durchschnittsfamilie demnach 638 Euro plus 218,40 Euro, also insgesamt 856,40 Euro. Der Vergleich dieser beiden Städte steht beispielhaft für eine verhältnismäßig große Differenz bei der Gebührensatzung im gesamten Rhein-Kreis.

Kaarst gehört zu den günstigsten Kommunen, Grevenbroich erhebt nach Rommerskirchen die zweithöchste Gebühr. Der Bund der Steuerzahler hat deutschlandweit für 2012 eine Preisspanne bei der Abwassergebühr von 1,07 Euro bis 5,28 Euro festgestellt. Klingt zunächst nach Abzocke, dahinter stehen aber vor allem zwei Hauptgründe, wie der Technische Beigeordnete der Stadt Kaarst, Manfred Meuter, erklärt. "Die Siedlungsstruktur beeinflusst die Unterhaltungskosten der Kanalisation, so muss etwa Rommerskirchen mit seinen weit gestreuten Ortsteilen viel mehr Kanalisations-Kilometer unterhalten als Kaarst", erklärt er. Der zweite Punkt ist die interne Organisation. "Wir arbeiten mit einem kleinen operativen Team, das nur aus zweieinhalb Personalstellen besteht", sagt der Beigeordnete. Während in Kaarst die Aufgabe der Abwasserentsorgung und -aufbereitung noch in den Händen der Stadtverwaltung liegt, haben das andere Städte in kommunale Betriebsgesellschaften ausgegliedert.

(NGZ/rl)
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