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Kulturkreis will das Bauwerk durch Stiftung erhalten: Von Mehl und Kunst: Die Osterather Mühle

Kulturkreis will das Bauwerk durch Stiftung erhalten : Von Mehl und Kunst: Die Osterather Mühle

Mühlen und Kunst hängen in Meerbusch eng zusammen. Ein wenig versteckt liegt das Domizil des Künstler Will Brüll. Er wirkt in der denkmalgeschützten Osterather Turmwindmühle an der Willicher Straße 89. Wo sich heute eine Modellsammlung aller Brüll-Plastiken und ein umfangreicher Skulpturenpark befinden, war früher ein viel weniger hübscher Ort.

Schon im Mittelalter stand dort eine Bockwindmühle. Die reine Holzkonstruktion diente jedoch nicht nur den Bauern als Ort, an dem ein Müller ihr Mehl mahlte. Im Ständer des Bauwerkes befand sich auch das Gefängnis des Schöffengerichtes. Müller waren seit je etwas zwielichtige Gestalten. Sie lebten wegen ihres lauten Gewerbes außerhalb der Dörfer, aber auch, weil sie meist für mehrere Orte und Flecken zuständig waren. Dann vertraten sie ein herrschaftliches Recht, den Mühlenbann. Die Bauern eines solchen Bezirkes mussten in einer bestimmten Mühle mahlen lassen. Wer anderswohin ging oder gar selbst Hand anlegte, musste mit schweren Strafen rechnen.

Außerdem warfen die Bauern dem Müller oft genug vor, nicht ehrlich abzuwiegen. In Osterath kommt noch das Gefängnis hinzu. Trotzdem blieb dieses Gewerk unentbehrlich. Als im September 1882 der Ständer des über 500 Jahre alten hölzernen Bauwerks brach, gab es dort Bann und Gefängnis längst nicht mehr. Schon in den Dreißiger Jahren bereiteten sich die Besitzer, die Familie des Bürgermeisters Kürfgen und die katholische Pfarre, auf einen Neubau vor und bildeten einen Sparfonds. Trotz einiger Bedenken beschloss deshalb die Kirchengemeinde 1883 an dieser Stelle, die steinerne Turmwindmühle zu bauen. Schon zur Ernte des selben Jahres war die Mühle einsatzbereit. Allerdings hatte die Pfarre, mittlerweile alleinige Besitzerin, ohne behördliche Genehmigung gebaut.

Wegen der bestehenden Konkurrenz durch Dampfmühlen gab es auch keine Genehmigung für die reine Windmühle. Sie litt von Anfang an unter der harten Konkurrenz des Dampfmüllers Abels, der neben der Osterather Kirche seinen Betrieb eingerichtet hatte. Obwohl 1886 ein Dampfaggregat eingebaut wurde, drehten sich die Flügel nie aus den roten Zahlen heraus. Als die Ära der Windkraft ab 1918 endgültig vorüber war, stand das Bauwerk leer und verfiel zusehends. Bis Will Brüll 1955 Müllerhaus und Mühle für sich entdeckte und die Ruine zwischen 1962 und 1966 restaurierte. Heute ist das Denkmal wieder instand gesetzt. Nur die Stümpfe des Windrades zeugen noch vom früheren Verfall. Heute träumt unter anderem der Meerbuscher Kulturkreis davon, das Ensemble der Kunstmühle im Rahmen einer Stiftung zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

(NGZ)