"Channel-Galleries" zeigen Bilder von Marek Radke: Von der Ästhetik des Rechtecks

"Channel-Galleries" zeigen Bilder von Marek Radke: Von der Ästhetik des Rechtecks

Rechteckig ist das moderne Tafelbild. Eine abstrakte Form, die nichts mit dem eigentlichen, eher dem Oval angenäherten, natürlichen Blickfeld der Augen zu tun hat, sondern sich als künstliche Setzung eher am mathematischen Raummodell von oben, unten, rechts und links orientiert. Vielleicht verrät das Bild darin seinen Ursprung in der Architektur als von der rechteckigen Wand losgelöstes, transportables Objekt.

Der polnische Künstler Marek Radke, dessen Werke gerade in den neuen Räumen der Channel-Galleries auf der Klarissenstraße zu sehen sind, ist auf jeden Fall der Ästhetik des Rechtecks verfallen. Es ist die viereckige Form, die er in immer gleiche Teile zerlegt und in Varianten erneut zusammen setzt. Manchmal markiert er die Teilung einfach auf der Leinwand durch unterschiedliche Farben, aber eine ganze Reihe anderer Arbeiten bestehen gleich aus mehreren einzelnen monochromen, quadratischen oder rechteckigen Leinwänden, die er mit einem Rahmen umschließt. Die Tafeln drängen sich eng zusammen, bis sich die Kanten berühren oder lassen breite Lücken zwischen sich, die den Blick auf die Rückwand des hölzernen Kastens zulassen.

Einige wenige weisen Schnitte auf, die zeigen, dass es sich trotz oberflächlich zweidimensional erscheinender Oberfläche um dreidimensionale Objekte handelt. Innerhalb der Leisten gibt es eine vorgegebene Ordnung, aber die Werke selbst haben kein feste Ausrichtung. "Marek Radke hat es uns überlassen, die Exponate zu hängen. Sie können gedreht werden, haben kein Oben oder Unten", erläutert die Galeristin Gisela Werhahn die Exponate.

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Neben dem Interesse an geometrischen Verhältnissen, die Marek Radke penibel mathematisch in allen Varianten durchspielt, komponiert er mit der Farbe Stimmungen. Mit bloßen Fingern verwischt er Ölfarbe auf der Leinwand. Partien werden dicht mit pastos aufgeworfener Farbe gefüllt, andere fast vollständig von ihr verschont. Die Bewegung der Hand, die zum Bild führte, ist sichtbar, aber formiert sich nicht zu einem illusionistischen Abbild, wohl aber zu einem raumhaltigen Farbraum. Beim Näherkommen verliert man gerade bei den großen Bildern die Kanten aus den Augenwinkeln und wird in den Farbkörper hinein gesogen.

Dumpf klingt es, wenn dunkles Blau auf stumpfes Grün trifft. Horizontale Schichtungen lassen zwar an abstrahierte Landschaften denken, aber selbst bei den leuchtenden Kompositionen in Orange und Rot, die an Gegenden voller Licht und Wärme erinnern, hat das Bild keinen Gegenstand außer sich selbst. Marek Radke ist in Danzig aufgewachsen, hat dort studiert und pendelt zurzeit zwischen Polen und Deutschland. Mit seinen Werken, die in ihrer Absage an die Wiedergabe der Realität auf der konstruktivistischen Idee fußen und geometrisch abstrakter Tendenzen - wie sie von De Stijl und dem Bauhaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden - weiterführen, wandelt er auf sicheren, klassischen Pfaden. Jutta Saum Klarissenstr. 10, bis 6. Juli

(NGZ)
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