Utzerath inszeniert O'Casey's "Purpurstaub": Vom Reichtum der Sprache

Utzerath inszeniert O'Casey's "Purpurstaub": Vom Reichtum der Sprache

Ende der vergangenen Spielzeit wurde seine Inszenierung des "Kaufmanns von Venedig" von Publikum wie Presse gleichermaßen begeistert aufgenommen. Nun ist Hansjörg Utzerath erneut als Regisseur am Rheinischen Landestheater zu Gast und erarbeitet mit elf Ensemblemitgliedern und drei Live-Musikern "Purpurstaub", ein bekanntes Volksstück aus der Feder des Iren Sean O"Casey, der gestern im übrigen 124 Jahre alt geworden wäre.

Ein Ire und ein Engländer: Steffen Schreier und Martin Herrmann (v.l.) während einer Probe zu "Purpurstaub". Foto: M. Büttner

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zwei Engländer haben in Irland einen alten Landsitz gekauft und wollen mit ihren jungen Geliebten, zwei Irinnen übrigens, dort einziehen. Das altehrwürdige Gemäuer muss allerdings generalüberholt werden, um überhaupt einigermaßen bewohnbar zu sein. Während die aufgeblasenen Engländer nicht müde werden, sich an dem vermeintlich geschichts-trächtigen Ort zu ergötzen, würden die ortsansässigen Arbeiter für das baufällige Haus keinen Pfifferling geben.

Und was die Geschichte angeht: Die Iren haben nicht nur ihre eigene Geschichte, nein, sie können auch Geschichten erzählen; mit ihren wunderbaren Stimmen machen sie "aus tanzenden Wörtern goldene Stickereien". Wen wundert es da noch, dass die beiden Frauen am Schluss mit den Arbeitern auf und davon sind? Für Hansjörg Utzerath, der in den fünfziger Jahren als Direktor der Düsseldorfer Kammerspiele dieses Haus zum Avantgarde-Theater machte, ist es keine Frage, dass er mit seiner Inszenierung die Komödie bedienen will.

Dabei setzt er allerdings nicht auf vordergründige Slapsticknummern, sondern auf den Reichtum der Sprache, des Textes. Zusammen mit den Schauspielern spürt er nicht nur dem nach, was die Figuren sagen, sondern wie sie es sagen, denn die Gabe zu reden, Geschichten zu erzählen, scheint den Iren im Blut zu liegen. Wie sagte schon Oscar Wilde: "Wir Iren haben nichts zustande gebracht, aber wir sind die größten Redner seit den Griechen."

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In die Handlung verwoben sind immer wieder irische Lieder, die der musikalische Leiter Walter Kiesbauer mit Ensemble und Musikern einstudiert hat. Er selbst begleitet auf dem Akkordeon, Zsuzsa Debré auf der Geige, Eberhard Fink auf Banjo und Gitarre. In den Rollen der beiden Engländer sind Martin Herrmann und Holger Stolz zu sehen, an ihrer Seite Juschka Spitzer und Maja Elsenhans.

Für einen der Arbeiter konnte Steffen Schreier, der im "Kaufmann von Venedig" den Antonio spielte, wieder nach Neuss verpflichtet werden. Ihm zur Seite stehen Peter Neutzling, Thomas Hupfer und Alexander Wipprecht. Maureen Wyse und Werner Klockow als Dienerpaar sowie Peter Liebaug als Postmeister runden das Ensemble ab.

Oberstraße, Freitag 2. April, 20 Uhr (Premiere); weitere Termine: Samstag, 3. April, 20 Uhr

(NGZ)
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