Versorgung mit Trinkwasser - Neuss wird Gesellschafter der Kreiswerke

Trinkwasserversorgung : Neuss steigt als Partner bei den Kreiswerken ein

Die Krankenhaus-Fusion macht weitere Verzahnung möglich: Die Stadt Neuss wird nun Mitgesellschafter der Kreiswerke Grevenbroich.

Mit 250.000 Kunden, die 13 Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen, gehören die Kreiswerke Grevenbroich zu den großen Trinkwasserversorgern in Deutschland. Dabei ist das Unternehmen ertragreich. Mit einem Umsatz von knapp 20 Millionen Euro erwirtschaftet das kommunale Unternehmen einen Netto-Gewinn von 3,2 Millionen Euro. Über 750.000 Euro Ausschüttung darf sich Kreiskämmerer Ingolf Graul freuen, während der Rest in die Rücklage wandert. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Eigenkapitalquote auf fast 80 Prozent verbessert. Das geht aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2018 hervor, den Geschäftsführer Stefan Stelten (59) jetzt vorlegte.

Seit 2009 Geschäftsführer der Kreiswerke: Stefan Stelten. Foto: Ludger Baten

Die Kreiswerke sind ein Schmuckstück im Portfolio des Rhein-Kreises. Davon wird ab dem 1. Januar 2020 auch die Stadt Neuss profitieren. Erstmals in ihrer Geschichte werden die Kreiswerke dann neben dem Rhein-Kreis einen zweiten Gesellschafter haben: Mit 8,5 Prozent – was etwa dem Wert von 10 Millionen Euro entspricht – steigt Neuss ein. Das ist das Ergebnis eines (Verrechnungs-)Deals bei der Krankenhaus-Fusion. Damit verzahnen sich Stadt Neuss und Rhein-Kreis fast unbemerkt von der Öffentlichkeit auf einem weiteren Feld der Daseinsvorsorge. Was nun nach nahezu geräuschlosen Verhandlungen notariell beurkundet wurde, war in der Vergangenheit zwar immer wieder angestrebt worden, doch letztlich ergebnislos geblieben.

Nach Aussage von Stelten sind „die Neusser bei uns offene Türen eingerannt“. Der Kreis begrüße die strategische Partnerschaft und biete sie neben Neuss auch den anderen Kommunen des Versorgungsgebietes an. Die Entscheidungen von Dormagen, Jüchen, Kaarst, Meerbusch und Rommerskirchen stehen aber noch aus. „Wir sind gesprächsbereit“, sagt Stefan Stelten, „so lange der Kreis im Endeffekt noch 51 Prozent hält.“

Bekannt ist, dass die Neusser ihren Anteil mittelfristig erhöhen möchten. Von rund 20 Prozent ist die Rede. „Das entspricht dem Neusser Anteil am Geschäft der Kreiswerke“, sagt ein Insider. Die Kreiswerke liefern ihr Trinkwasser in die Stadtteile, die 1975 mit der Kommunalen Neugliederung zu Neuss kamen, also vor allem die Ortschaften im Süden der Stadt. Notariell beurkundet wurde, dass die Stadt Neuss die Anteile in Größenordnung von 8,5 Prozent übernimmt. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Stadt ihre Kreiswerke-Anteile an ihr Tochterunternehmen, die Stadtwerke, weiterleiten wird. Der Verkaufserlös würde dann in die Stadtkasse fließen. Bleibt die Frage offen, warum die Kreiswerke-Anteile nicht direkt auf die Stadtwerke übertragen wurden. Steuerliche Gründe könnten für das jetzt gewählte Verfahren ebenso sprechen wie die Tatsache, dass die ohnehin schon komplexe Krankenhaus-Fusion mit einem weiteren Beteiligten noch kniffeliger geworden wäre.

Der Neusser Stadtrat hat derweil schon entschieden, wen er in den Kreiswerke-Aufsichtsrat entsenden wird. Zwei Sitze stehen den Neussern zu. Neben Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) – der auch einen von ihm ausgewählten Vertreter benennen kann – wird dies Elisabeth Heyers sein. Das macht Sinn. Die Finanzexpertin der CDU-Ratsfraktion ist Vorsitzende des Beteiligungsausschusses der Stadt und Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke-Holding. Vorsitzender des Kreiswerke-Aufsichtsrates ist der Kaarster Kreistagsabgeordnete Heinz-Josef Drießen (CDU), der mit großer Freude die Entwicklung des Versorgers lenkt: „Mit der Geschäftsführung arbeiten wir sehr gut zusammen.“ Unter anderem wurde die Fremdkapitalbelastung von 1,3 Millionen Euro jährlich auf 400.000 Euro reduziert.

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