Düsseldorf: Varieté- Klassiker neu inszeniert

Düsseldorf: Varieté- Klassiker neu inszeniert

Von fliegenden Herzen und der Leichtigkeit der Liebe – der Untertitel des neuen Programms in Roncallis Apollo Varieté in Düsseldorf kommt frühlingshaft daher. Regisseur Michael Klich stemmt sich mit seiner Show "Schwerelos" gegen trübe November-Tage und eben solche Stimmung.

Von fliegenden Herzen und der Leichtigkeit der Liebe — der Untertitel des neuen Programms in Roncallis Apollo Varieté in Düsseldorf kommt frühlingshaft daher. Regisseur Michael Klich stemmt sich mit seiner Show "Schwerelos" gegen trübe November-Tage und eben solche Stimmung.

Dabei setzt er mit der Auswahl von Artisten und Moderation auf eine Mischung, die zumindest auf den ersten Blick sehr klassisch wirkt. Markus Schimpp, ein Pianist, und seine Frau, Opernsängerin Christine Gogolin, führen musikalisch durch den Abend, ein Gentleman-Jongleur kündigt Nummern aus der großen Zeit des Varietés in den 1920er Jahren an, Künstler balancieren auf dem Seil oder zeigen Handstandakrobatik.

Ein Programm für die ganze Familie, genau richtig für die Feiertage — könnte man sagen und liefe Gefahr, eine eher schlappe Standard-Nummer anzukündigen. Solide, fürs breite Publikum, massen-kompatibel eben, wie so viele Shows, die rechtzeitig zur Planung von Weihnachts- und Betriebsfeiern aus dem Boden gestampft werden.

Michael Klich und Theaterleiter John Sinclair Kirkness, der schon für den 15. "Geburtstag" des Roncalli-Varietés im kommenden Jahr plant, machen es anders: "Das Programm ist ein Wolf im Schafspelz", sagt Klich. Christine Gogolin etwa gibt die Operndiva aufs Feinste und singt — auch im goldenen Engelskostüm — ganz klassisch, nur um im nächsten Moment als beschwipstes Showgirl ganz in Pink oder Nervenbündel im Shopping-Stress durchs Publikum zu stöckeln.

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Pianist Markus Schimpp bringt als mordlüsterner Ehegatte "Ich fahr‘ mit meiner Klara in die Sahara" — das Original stammt aus der Revue "Die Lichter von Berlin" von 1927 — ebenso im Programm wie "Nehm‘ Se ‘n Alten", 1926 gesungen von Otto Reutter. Ein historischer Liederabend wird's trotzdem nicht — Wolf im Schafspelz — da bricht die Tradition und das Publikum freut sich über die Chansons, mal pikant-amüsant und ganz nonchalant, mal rau und voller Temperament, als wären sie gerade erst geschrieben. Da weicht der November-Blues fast ganz von selbst.

Und wenn das nicht reicht, geben ihm die Artisten der Show gekonnt den Rest: "Schwerelos", der Titel ist Programm, da erfüllt das Apollo einmal mehr die Erwartungen des im eigenen Hause verwöhnten Düsseldorfer Publikums: Das "Duo Wind" zum Beispiel tritt mit "Hand-auf-Hand-Akrobatik" auf. Artistenfachjargon, in diesem Fall für eine ungestüme, kraftvolle Nummer voller Leidenschaft, wie sie ähnlich — nur waghalsig hoch am Vertikaltuch — auch Vivien Galovicz und Robert Szabó zeigen.

Spaß und Staunen als Mittel gegen Herbstdepressionen, darauf setzt auch der Deutsch-Franzose "Jeton", der Teller und Tassen fliegen und gestapelt auf seinem Kopf landen lässt oder kiloschwere Kugeln, Billiardqueues und große Wandspiegel balanciert. Darren Burrell alias "Burl" dagegen holt den ganzen Zauber seinen Auftritt aus einer kleinen Schüssel: Ein bisschen Lauge und das war's — fertig ist die Seifenblasen-Nummer. Schwerelos — und so schön.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Schwerelos" im Apollo-Varieté

(NGZ)
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