Premiere von "Meer Männer & ich" mit Wolfgang Schmitz: Unter einer großen Glocke

Premiere von "Meer Männer & ich" mit Wolfgang Schmitz : Unter einer großen Glocke

Von Helga Bittner

Von Helga Bittner

Waldmeister gegen Orange? Oder doch lieber Zitrone? Oder Himbeere? Um das Gefühl perfekt zu machen, hätte eigentlich ein reges Tauschgeschäft einsetzen müssen. Denn hat das nicht in Kindertagen dazu gehört, die "Ahoi"-Brausepulver-Tütchen hin- und her zu bewegen, bis man möglichst viele mit dem Lieblingsgeschmack zusammen hat? Schauspieler Wolfgang Schmitz in seinem Element: "Meer Männer & ich" ist sein erstes Soloprogramm (mit Robin Jurmann am Klavier). Foto: K. Wolters

Doch dafür war das Publikum im Foyer des Landestheaters wohl doch zu gesittet, aber immerhin nahmen einige die Aufforderung an, die Tütchen zu öffnen und das Brausepulver direkt aus der Hand zu schlecken. Zwar nicht ganz so urtümlich, wie Schauspieler Wolfgang Schmitz das vormachte (die ganze Handfläche anfeuchten, Pulver drauf, "pricklen" lassen und dann in den Mund schütten, und der damit auch sein Versprechen einlöste, bei seinem Soloabend etwas zu essen anzubieten) - sie tippten lieber manierlich mit der Fingerkuppe die Bläschen auf.

"Ahoi"-Brause und ein zum Schiffchen gefaltetes Programmblatt waren die Ouvertüre zu einem Konzert, mit dem Schmitz und Pianist Robin Jurmann ihre Zuschauer indes nicht allein in ferne Kindertage entführen wollten, sondern noch viel weiter weg weg - über die Meere dieser Welt in Länder, die nur im Innern des Menschen existieren: Länder der Sehnsucht, der Angst, der Liebe, der Enttäuschung, der Hoffnung.

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Lieder und Texte von Bertolt Brecht und Kurt Weill, Boris Vian und Frédéric Chopin, Jerry Herrman und Peter Kreuder, Jacques Brel und "Element of Crime", Erich Fried und John van Düffel öffneten dazu die Tore, wobei Schmitz und Jurmann es dem Zuschauer mit ihrer Lust an der Musik und am Spiel leicht machten, hindurch zu schlüpfen. "Meer Männer & ich" lautet der etwas kryptische Titel ihres Programms, der sich indes im Laufe des Abends schnell erklärte.

"Meer" ist gewissermaßen der Oberbegriff für alles, weil Schmitz als Kind unbedingt Seemann wie der weit gereiste "Hongkong"-Onkel der Familie werden wollte, und weil doch überhaupt jeder vom Meer träumt; "Männer", weil der pubertierende Wolfgang plötzlich festellte: "Ich will kein Seemann werden, ich will einen haben"; und "ich" - ja, weil es doch letzlich immer irgendwie um das "Ich" geht, oder?

Jedenfalls hat der auch im Gesang an der Potsdamer Konrad-Wolf-Hochschule ausgebildete RLT-Schauspieler ein ebenso amüsantes wie nachdenklich machendes Programm zusammen gestellt; hat dabei gekonnt und dosiert seine mimischen Fähigkeiten mit dem eigenen Naturell verbunden, so dass der Abend über das zu erwartende Vortrags-Spiel hinausging und zugleich auch ein recht persönliches Bild des 32-Jährigen lieferte.

Sicher kann man bei Wolfgang Schmitz nicht von einem begnadeten Sänger reden, aber er setzt seine Möglichkeiten klug ein. Vor allem hat er Persönlichkeit, Witz und den Mut, über sich selbst zu lachen, und in der Programmauswahl balanciert er geschickt zwischen spröden und eingängigen Liedern - Dinge, von denen der Erfolg eines Soloabends manchmal weitmehr abhängt als von sängerischen Qualitäten.

So bot Schmitz mit seinen Chansons nicht allein eine (Wieder-)Begegnung mit wenig gehörten Songs, sondern schuf zudem auch eine besondere Atmosphäre, die sich wie eine Glocke über das Foyer legte - welche man mit dem Verklingen der letzten Töne nur ungern verließ. Liederabende wie dieser, so hatte Schmitz im Vorfeld der Veranstaltung gesagt, gehören für ihn zum Theaterleben dazu. Recht hat er, zumal da sich bei "Meer Männer & ich" auch noch eindrücklich zeigte, dass das Landestheater mit seinem Foyer einen kongenialen Raum für derlei schöne Programm-Petitessen hat.

(NGZ)
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