Acht Tage lang jeden Abend Theater: Und das Herz hüpfte

Acht Tage lang jeden Abend Theater : Und das Herz hüpfte

Da liegt es nun, achtlos weggeworfen, im Gestrüpp mit einem anderen Strauch verfangen: Das Einzige, was vom NRW-Theatertreffen übrig geblieben ist? Nein, ein Symbol dafür kann das Beckett-Bäumchen aus der Bochumer Inszenierung von "Warten auf Godot" auf dem Rasen an der Bühnenzufahrt des RLT gar nicht sein; höchstens der Hinweis darauf, dass jenes, was uns im Scheinwerferlicht gerade noch verzaubert hat, ganz realen Ursprungs ist. Wartet jetzt draußen auf Godot: das Beckett-Bäumchen. NGZ-Foto: Woitschützke -->

Da liegt es nun, achtlos weggeworfen, im Gestrüpp mit einem anderen Strauch verfangen: Das Einzige, was vom NRW-Theatertreffen übrig geblieben ist? Nein, ein Symbol dafür kann das Beckett-Bäumchen aus der Bochumer Inszenierung von "Warten auf Godot" auf dem Rasen an der Bühnenzufahrt des RLT gar nicht sein; höchstens der Hinweis darauf, dass jenes, was uns im Scheinwerferlicht gerade noch verzaubert hat, ganz realen Ursprungs ist. Wartet jetzt draußen auf Godot: das Beckett-Bäumchen. NGZ-Foto: Woitschützke -->

Doch die Bilder davon, wie wir es kennen gelernt, entdeckt haben - die bleiben. Acht Tage lang jeden Abend Theater, dazu die Publikumsgespräche; es war ein Marathon, den uns die RLT-Auswahljury da zugemutet hat (schließlich hätte sie die Vorstellungen auch auf zwei Wochen strecken dürfen), aber war das schlimm? Nein, ein Erlebnis war es; eins, das anstrengend und schön war, aufregend und spannend, denn wann hat schon mal die Gelegenheit, so viel unterschiedliches Theater, so viel Schauspielkunst und so viel neue Stücke vor der eigenen Haustür zu erleben? Dass es ein dicht gedrängter Genuss war, ist dabei sogar ein Vorteil, denn die leichte und zugleich belebende Festival-Stimmung hatte auf diese Weise gar keine Chance, sich zu verflüchtigen.

Im Landestheater brummte es, endlich einmal kam das schöne Foyer zu seiner ganzen Geltung - in einer Atmosphäre, die dem Theaterfreund das Herz hüpfen, demjenigen, der es noch werden will, öffnen ließ. Latchinians Wunsch, beim NRW-Theatertreffen eine "größtmögliche Ballung an Qualität" zu präsentieren, hat sich erfüllt. Dass "Warten auf Godot" in der Gesamtheit Regie, Schauspiel und Bühnenbild von der Jury als "Beste Produktion" ausgezeichnet wurde, dürfte niemanden überraschen; Hartmanns Inszenierung ragt sicherlich über die anderen hinaus und hat die Auszeichnung mehr als redlich verdient (wo sie schon nicht zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde).

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Andere Entscheidungen wie die für die besten (Nachwuchs-)Schauspieler(innen) dürften weniger einfach gewesen sein, denn Anwärter gab es wahrlich genug. Der eigentliche Gewinner dieser Veranstaltung ist jedoch das Publikum. Anfängliche Befürchtungen, bei derart massiertem Theater könnten die Zuschauer müde werden, bewahrheiteten sich nicht. Die Neusser gingen hin, diskutierten bei den Publikumsgesprächen mitunter heftig, was sie da vorher manchmal mehr als zwei Stunden gesehen und erlebt hatten.

Und es war ein gemischtes Publikum, alte, mittelalte, junge und ganz junge - vom Schüler bis zur Großmutter - und das, obwohl nur allzu oft Stücke auf dem Programm standen, deren Bezeichnung "zeitgenössisch" den Neusser Zuschauer ansonsten eher zu vergraulen scheint. Also auch ein Stück Hoffnung, dass nicht nur das RLT-Ensemble aus dem Theatertreffen gewinnt, sondern auch das Publikum lernt, das "neu" auch "gut und interessant" bedeuten kann. Helga Bittner

(NGZ)
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