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Rhein-Kreis Neuss: Trickdiebe lauern Frauen auf

Rhein-Kreis Neuss : Trickdiebe lauern Frauen auf

Rhein-Kreis Neuss Die Täter schlagen überraschend und unerwartet zu: Sie warten darauf, dass ihre Opfer beim Einladen der Einkäufe abgelenkt sind, um Handtaschen oder Geldbörsen stehlen zu können. Die Geschädigten: fast ausschließlich Frauen.

Rhein-Kreis Neuss Die Täter schlagen überraschend und unerwartet zu: Sie warten darauf, dass ihre Opfer beim Einladen der Einkäufe abgelenkt sind, um Handtaschen oder Geldbörsen stehlen zu können. Die Geschädigten: fast ausschließlich Frauen.

"Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass eine entsprechende Bande immer wieder im gesamten Kreisgebiet, aber auch in Nachbarstädten aktiv ist", sagt Hans-Willi Arnold von der Polizei im Rhein Kreis Neuss. Alleine hier hat es in den vergangenen Wochen eine ganze Serie vergleichbarer Taten gegeben. Betroffen waren immer wieder die Parkplätze großer Supermärkte beispielsweise in der Neusser Nordstadt, in Grimlinghausen, Grevenbroich-Noithausen oder dem Dormagener Gewerbegebiet "TOP West".

Plötzlich war die Handtasche weg

Eines der Opfer ist Rotraut S. aus Neuss. Sie war Anfang März in einem Großmarkt in Grimlinghausen einkaufen und tappte auf dem Parkplatz in die Falle der Trickdiebe. "Ich habe meine Handtasche damals wie immer auf den Beifahrersitz meines Wagens gelegt", so S., "anschließend habe ich begonnen, die Einkäufe zu verstauen."

Dabei habe sie die Beifahrertür nicht einsehen können. "Nach dem Einladen habe ich meinen Einkaufswagen noch weggebracht und bin nach Neuss gefahren." Erst als sie hier ihre Handtasche nehmen wollte bemerkte sie, dass sie bestohlen worden war. "Ich bin wieder zurück nach Grimlinghausen, hab dort an der Information gefragt, ob jemand eine Handtasche abgegeben hat", erinnert sich S., "ich konnte gar nicht glauben, dass man mich beraubt hatte."

Inzwischen allerdings geht Rotraut S. davon aus, dass die Täter den Moment genutzt haben, als sie die Einkäufe im Kofferraum verstaut hat. "Anders kann ich mir das nicht erklären." In der Handtasche waren unter anderem ihre Geldbörse mit allen Papieren, Kreditkarten, 2000 Euro in bar und ihr Handy. "Die 2000 Euro waren natürlich direkt weg, weitere 3000 Euro haben die Täter unmittelbar nach dem Diebstahl abgehoben."

Die Polizei kennt derartige Maschen und appelliert nun an die Supermarkt-Kunden. "Man sollte nicht einfach sein Geld oder seine Handtasche ins Auto legen und den Wagen offen lassen, selbst wenn man nur wenige Schritte daneben am Kofferraum steht", so Sprecher Hans-Willi Arnold, "die Diebe nutzen jede Gelegenheit und arbeiten auch mit Ablenkungsmanövern." So würden die Täter beispielsweise ihre Opfer auch in Gespräche verwickeln, um sich am Auto zu schaffen machen zu können. "Sie fragen nach dem Weg, erkundigen sich nach der Uhrzeit oder anderen Dingen."

In einigen Fällen hätten sie auch den Moment ausgenutzt, wenn Kunden ihren Einkaufswagen wegbringen und dabei das Auto offen stehen lassen. "Wir gehen davon aus, dass sie ihre Opfer genau beobachten", so Arnold, "es handelt sich aus unserer Sicht um Profis, denen wenige Sekunden für einen Trickdiebstahl reichen."

Den Ermittlern machen derartige Taten erheblich zu schaffen. Laut Kriminalstatistik 2006 ist die Zahl der Diebstähle aus Autos erheblich gestiegen. Im gesamten Kreis verzeichnete die Polizei ein Plus von knapp 250 Fällen, das bedeutet einen Anstieg um fast zehn Prozent. "Häufig sind die Menschen einfach zu leichtsinnig und lassen Wertsachen im Auto."

Rotraut S. hat die Tat derweil noch nicht verarbeitet. "Wir haben für alles, was wir haben, hart gearbeitet. Und dann kommen derart widerliche Täter, um sich auf eine feige Art und Weise zu bedienen." Obwohl sie den Diebstahl nicht beobachtet hat, glaubt sie dennoch, die Täter gesehen zu haben. Mehrere junge Männer wohl osteuropäischer Herkunft seien vom Auto weggelaufen und in einen roten VW Bus gestiegen.

"Von unseren Kollegen aus Aachen, Köln, Mönchengladbach und Viersen wurden wir über ähnliche Taten informiert", sagt Polizeisprecher Arnold, "es dürfte sich um die gleiche Bande handeln." Rotraut S. hofft, dass die Täter geschnappt werden. "Nicht wegen des Geldes, sondern damit es nicht noch mehr Menschen gibt, die Opfer werden."

(NGZ)